Bosse - Warum Geht Es Mir So Dreckig

Bosse – Erinnerung an Ton Steine Scherben hochhalten

Sie waren eine der ersten ernstzunehmenden Rockbands Deutschlands und haben mit ihren Songs bis heute einen großen Einfluss auf die deutsche Musiklandschaft ausgeübt. Mit Rio Reiser und Nikel Pallat als Sänger und deren politischer Texte wurde die Band schnell zur Ikone der Jugend und linken Szene Deutschlands. Gleichzeitig provozierte die Band aber auch immer wieder mit aufsehenerregenden Auftritten. Legendär ist dabei Pallats Auftritt bei der WDR-Talkshow Ende Offen, bei der er 1971 mit einem Beil versuchte den Moderationstisch zu zerstören. Doch sprechen die Songs der Band eine weitaus wichtigere Sprache und waren die Messlatte dessen, was heute unsere Rock- und Punkmusik ausmacht. Selbst heute – 50 Jahre nach der Bandgründung sind Sätze, wie Keine Macht für Niemand oder Macht kaputt, was euch kaputt macht geflügelte Worte und fest im deutschen Sprachgebrauch verankert.

Wir müssen hier raus – Eine Hommage an Ton Steine Scherben und Rio Reiser
Wir müssen hier raus – Eine Hommage an Ton Steine Scherben und Rio Reiser

Für die Compilation Wir Müssen Hier Raus haben verschiedene Künstler*innen der deutschen Musikszene Songs der Band neu eingespielt und lassen damit den „Soundtrack der Revolte“ neu aufleben. Haben Ton Steine Scherben von Beginn an ihren Einfluss auf die Musikszene ausgeübt, waren es in den Folgejahren Bands und Künstler*innen, wie Fettes Brot, Beatsteaks, Wir Sind Helden, Clueso, Die Sterne, Marianne Rosenberg, Echt, Die Toten Hosen oder Nina Hagen, welche deren Songs neu interpretierten. Nun sind abermals die großen Namen der Musikszene zusammengekommen und haben die Beatsteaks, Die Sterne, Gisbert zu Knyphausen, Fehlfarben, Jan Delay oder Bosse und viele andere die Songs neu eingespielt. Letzterer hat mit seiner Version von Warum Geht Es Mir So Dreckig ein wahres Ausrufezeichen gesetzt. Denn in den vergangenen Jahren ist Axel Bosse vor allem mit melodischen Pophymnen erfolgreich gewesen und hat seine letzten beiden Alben Engtanz (2016) und Alles ist jetzt (2018) jeweils auf Platz 1 der deutschen Albumcharts platzieren können. Nun kommt der Musiker mit Band deutlich rockiger daher und lässt den Politrock wieder aufleben. Gerade weil Bosses Sound normalerweise sanfter ist, wird die Neuauflage von Warum Geht Es Mir So Dreckig nicht jedem Ohr gleichermaßen gefallen, doch ist es wichtig und richtig als Sprachrohr mit so vielen Zuhörenden, die Songs der Band und ihre kontroversen Texte auch im Jahr 50 nach Bandgründung in die Welt zu rufen. Und dies tut Bosse hierbei so gut, dass man ihn gerne auch öfter als Rockmusiker hören möchte.

Alanis Morissette - Happy Xmas (War Is Over)

Alanis Morissette – Es weihnachtet sehr

Dieses Jahr ist alles anders. Dieser Satz hallt nach – auch wenn die Pandemie irgendwann überwunden sein wird, werden wir den Satz mit 2020 und eben dieser Pandemie in Verbindung bringen. Nun ist das, was viele für unmöglich hielten, eingetreten und steht das Weihnachtsfest für viele auf der Kippe. Nicht nur, dass es keine Weihnachtsmärkte in den Städten oder Firmen-Weihnachtsfeiern geben wird – steht gar die Feier mit der engen Familie an den Feiertagen auf dem Spiel. Doch auf eines ist Verlass – auf den alljährlichen Einzug der Weihnachtssongs, in die deutschen Singlecharts. Dieses Jahr gibt es dabei so viel Auswahl, wie noch nie und das nicht etwa nur von den üblichen Verdächtigen, wie Mariah Carey, Wham oder Chris Rea, sondern veröffentlichen aktuell auch immer mehr Künstler*innen Weihnachtssongs, von denen man es nicht erwartete hätte. An den kommenden Adventssonntagen werdet ihr daher immer wieder einen Weihnachtssong präsentiert bekommen, der euch die Vorweihnachtsstimmung versüßen soll.

Alanis Morissette - Happy Xmas (Video)
Alanis Morissette – Happy Xmas (Video)

Heute haben wir dabei die kanadische Sängerin Alanis Morissette dabei, die erst Ende Juli dieses Jahres mit Such Pretty Forks in the Road ihr neuntes Studioalbum veröffentlicht hat. Nun hat sich die dreifache Mutter John Lennons Weihnachtsklassiker Happy Xmas (War Is Over) vorgenommen, den er 1971 zusammen mit Yoko Ono aufgenommen hat. Dabei hält sich Morissette sehr nahe am Original und fügt nur hier und da einen moderneren Klang hinzu. Im dazugehörigen Musikvideo sehen wir Morissette so persönlich, wie noch nie. Zeigt sie doch ihre Familie, wie sie im Bett zusammensitzen und setzt dabei eine Referenz an John Lennons und Yoko Onos Bed-ins for Peace Anitkriegs-Protest. Alanis Morissettes ganz eigener Gesangsstil und ihre unverwechselbare Stimme lassen mit Happy Xmas (War Is Over) eine heimelige Weihnachtsstimmung aufkommen und mit den Zeilen A very merry Christmas and a happy new year. Let’s hope it’s a good one without any fear die Hoffnung auf ein deutlich lebendigeres 2021 aufleben. Hier zeigt sich, dass der Song selbst nach fast 50 Jahren so universell ist, dass er auch im Jahr 2020, wie kein anderer in den letzten Monat des Jahres 2020 passt.

Dope Lemon - Kids Fallin' In Love

Dope Lemon – Im Moment des Verliebtseins verlieren

Wann setzt er eigentlich ein – dieser Moment, an dem wir merken, dass wir auf dem besten Wege sind, uns Hals über Kopf zu verlieben?! Diese Frage kann Angus Stone höchstwahrscheinlich nicht beantworten, doch hat er mit seiner neuesten Singleauskopplung Kids Fallin‘ In Love unter seinem Alter-Ego Dope Lemon gerade einen neuen Song veröffentlicht. Dabei überrascht die Geschwindigkeit des Releases doch etwas – ist Stone doch bereits mit seiner Schwester auffällig unstetig im Veröffentlichen von neuer Musik. Nun kommt mit Kids Fallin‘ In Love nach Everyday Is A Holiday bereits die zweite neue Single als Dope Lemon auf den Markt und weist damit – nur ein Jahr nach der Veröffentlichung des zweiten Dope Lemon-Albums Smooth Big Cat und der Single Hey You – auf ein baldiges drittes Studioalbum hin. Kids Fallin‘ In Love besingt dabei die Momente, in denen wir uns Verlieben und damit den aufregendsten Moment erleben. Mit einem unglaublich relaxten Sound lässt uns Stone dabei am Australischen Sommer teilhaben und die Gedanken an ein schwieriges Jahr komplett vergessen.

Dope Lemon Credit: Daniel Mayne
Dope Lemon Credit: Daniel Mayne

Hier möchten wir einfach mit auf den Pick-Up springen und dem lockeren, optimistischen Sound Stones ein klein wenig länger zuhören. Angus selbst sagt zu dem Song – das hier ist ein kleines Liebeslied darüber, an diesen magischen Ort zurückzukehren, an den man sich versetzt fühlt, wenn man dieses warme Glühen in seinem Herzen spürt, das ein ganz besonderer Mensch ausgelöst hat, als diese Person irgendwie in dein Leben gestolpert ist. Es geht darum, sich der Liebe hinzugeben, sich zu verlieben und um all die guten Dinge, die einem widerfahren, wenn sich einem diese Tür erneut öffnet. Viel Spaß, Freunde. So tiefenentspannt, wie Angus Stone, ist kaum ein zweiter Musiker aktuell. Und so lässt uns Stone mit Kids Fallin‘ In Love einen Moment lang die Freiheit und Unbeschwertheit fühlen, nach der wir uns gerade so sehr sehnen. Mit der Veröffentlichung von Kids Fallin‘ In Love hat Stone nun auch erste Live-Termine für 2021 angekündigt, die ihn – sollte es bis dahin wieder möglich sein – im Juni 2021 für zwei Konzerte nach Düsseldorf und Berlin bringen.

Purple Disco Machine feat. Mind Enterprises - Exotica

Purple Disco Machine feat. Mind Enterprises – Italo-Disco für die Party zu Hause

Dieser Sommer gehörte Purple Disco Machine! Und auch im Herbst und Winter geht aktuell nichts ohne den Dresdener Soundtüftler Tino Piontek. Sein Disco-Überhit Hypnotized erklingt überall. Ob im Radio, Stream, in Malls oder im TV – überall kann man die unglaublich rhythmischen Beats und den Gesang von Sophie And The Giants hören. Aufgefallen ist Purple Disco Machine SOML bereits letztes Jahr, als er mit seinem Song Emotion die Tanzflächen sprengte. Während Hypnotized in Italien bereits Platin erhalten hat und bis auf Platz 2 stieg, arbeitet sich der Song in anderen europäischen Ländern immer weiter nach vorne. In Frankreich ist Purple Disco Machine mit Platz 6 ein Top-10 Hit gelungen und auch in Deutschland steht als höchste Platzierung aktuell Platz 18 fest und somit eine Top-20-Platzierung. Nun hat Purple Disco Machine mit Exotica den nächsten Song veröffentlicht und sich dabei Mind Enterprises dazugeholt. Kein schlechter Schachzug – steckt hinter Mind Enterprises doch der italienische Produzent Andrea Tirone, der in Turin geboren ist und mittlerweile auf Gran Canaria lebt. Dabei ist Mind Enterprises fest im Italo-Sound der 80er Jahre verankert und haut uns die Synthesizer und Vocoder-Gesänge nur so um die Ohren.

Purple Disco Machine
Purple Disco Machine

Hier möchte man sofort die kastigen Klamotten mit Schulterpolstern oder quietschbunten Joggingdresses rausholen. Bereits vorher haben Purple Disco Machine und Mind Enterprises zusammengearbeitet, als der Dresdener Mind Enterprises‘ Hit Mont Blanc remixte. Passend für den italienischen Markt, haben sich die beiden so wieder zusammengetan und mit Exotica den nächsten großen Nu-Disco-Banger veröffentlicht. Mit ganz viel Funk und groovigen Housebeats ist Exotica genau der richtige Sound für die Party allein zu Hause. Ganz laut aufgedreht, lassen Purple Disco Machine und Mind Enterprises keinen Fuß still stehen. Mit ganz viel Euphorie ist Exotica ein weiterer phänomenaler Release des Dresdener Produzenten und lässt ihm immer mehr Aufmerksamkeit zukommen. Zu Recht, schaut man sich an, dass Piontek bereits seit über zehn Jahren Musik macht. Nun stellt sich der verdiente Erfolg ein und lässt den Produzenten europaweit zu einem der heißesten Acts des Winters werden. Mit Exotica liefert Purple Disco Machine wieder richtig ab und lässt dem Winterblues keine Chance.

Jarle Skavhellen - Drive

Jarle Skavhellen – Wie ein seichter Bach im Winter

Gleich zu Beginn des aktuellen Songs Drive kommen einem – mit seinen verspielten Pianoschlägen – Bilder in den Kopf, die von seichten Bächen durch schneebedeckte Wälder geprägt sind. Dann plötzlich setzt der Gesang des norwegischen Singer/Songwriters Jarle Skavhellen ein und tauscht das kühle Bild gegen eines, das von Wüsten und unendlich langen Straßen dominiert wird. All 50 Kilometer mal an einem Haus oder Shop vorbeikommend, ist Drive genau das, was der Song zum Ausdruck bringt – eine warme, ruhige Umgebung für gerade rastende aber sonst rastlose Menschen. So hat es Skavhellen auch genau in diesen Sound getrieben. Hatte sein 2018er Debütalbum The Ghost In Your Smile nicht nur in Norwegen, sondern auch international Interesse geweckt, zählten seine Spotify-Streams immer häufiger Zugriffe aus aller Welt. Getrieben vom Wunsch, sich weiterzuentwickeln, trieb es ihn schließlich nach Portland in den USA, um dort mit dem Produzenten Tucker Martine am zweiten Album Beech Street zu arbeiten. Und plötzlich änderte sich der Sound.

Jarle Skavhellen Credit: Andris S. Visdal
Jarle Skavhellen Credit: Andris S. Visdal

Mit einer Mischung aus Americana und europäischen Folk ist das, am 8. Januar 2021 erscheinende, zweite Album eine Weiterentwicklung in die Richtung, nach der Skavhellen immer suchte. So beschreibt Skavhellen den Sound seinen Albums dann auch mit Dieses Projekt ist mehr von allem. Die ruhigen Stücke sind ruhiger. Die großen Songs sind größer, doch die Unvollkommenheiten kommen durch. Es ist organischer und pompöser zugleich. Ich habe den Sound gefunden, auf den ich die ganze Zeit hingearbeitet habe. Das bin ich. Hört man sich das Album an, kann man erahnen, was der Norweger damit meint. Gehen wir zurück zu Drive überrascht uns schließlich zum Refrain hin eine gewisse Überfrachtung der Sounds. Hier wird der Song plötzlich energisch und spült den seichten Start förmlich hinweg. Dabei fällt auf, dass Skavhellen stimmlich hier und da an Placebo-Frontsänger Brian Molko erinnert. Mit seiner sanften und markanten Stimme schleicht sich Skavhellen in unser Gemüt, macht es sich dort mit seinen Songs bequem und lassen ihm unterbewusst – während wir seinen Songs zuhören – schon mal das Bett zum Bleiben machen.

Indochine & Christine and the Queens - 3SEX

Indochine & Christine And The Queens – Ein Song für sexuelle Vielfalt und Freiheit

Hier treffen sich zwei Acts, die – jeder Act für sich – ein absolutes Alleinstellungsmerkmal haben. Auf der einen Seite sind es Indochine – die Band, die sich 1981 in Paris gründete und mit ihrem Rock- und New-Wave-Sound über 13 Millionen Platten verkauft haben. Auf der anderen Seite ist es Christine And The Queens, die mit ihrem Art-Pop seit ein paar Jahren ganz Europa in ihren Bann zieht. Während Indochine auf eine 13 Alben, elf Live-Alben, sechs Compilation-Alben und weit über 60 Singles füllende Diskografie blicken können, sind es vor allem die Songs 3e Sexe (1986) und J’ai Demandé À La Lune, sowie Le Grand Secret aus dem 2002er Album Paradize, die als die größten Hits ihrer Karriere gelten und vor 18 Jahren sogar in die deutschen Radio-Playlisten schwappten. Nachdem Indochine am 28. August mit Singles Collection (2001 – 2021) einen ersten Teil ihrer Diskografie als Compilation veröffentlichten und direkt auf Platz 1 der französischen Albumcharts einstiegen, wird nun am 11. Dezember mit Singles Collection (1981 – 2001) der zweite Teil ihrer Diskografie erscheinen. Darauf enthalten ist sowohl die originale Version von 3e Sexe, sowie die neue Version, die Indochine zusammen mit Christine And The Queens aufgenommen hat.

Indochine & Christine and the Queens - 3SEX
Indochine & Christine and the Queens – 3SEX

Hierzu ist vor wenigen Tagen auch das Musikvideo veröffentlicht worden und bringt uns die beiden Ausnahme-Acts auf der neuen Version 3SEX zusammen. Dabei geht es in dem Song, wie schon in seinem Original, um die Freiheit und sexuelle Toleranz. Dass dies zu den beiden Acts, wie zu kaum einen anderen Act in der französischen Musikszene passt, zeigen beide Historien. Héloïse Letissier – die hinter Christine And The Queens steckt, lebt die Freizügigkeit der queeren Antigender-Rollen vollends aus und wechselt immer wieder zwischen ihren Alter-Egos Chris und Christine. Dabei war es für Letissier eine große Ehre, von Indochine-Frontmann Nicola Sirkis gefragt zu werden, ob sie mit ihm für die neue Version zusammenarbeiten würde. So bedankt sich Letissier dann auch über ihre sozialen Kanäle mit den Worten Danke, Nicola, dass du mir die Ehre und das Vertrauen gegeben hast, 3SEX mit dir zu singen, zu einer Zeit, in der das Wort Freiheit wieder all seine Bedeutung und Dringlichkeit annimmt. Echte Revolutionen sterben niemals. Ich küsse dich! War der Song im Original eine New-Wave-Hit, der an den Sound von Depeche Mode oder The Cure erinnert, ist die neue Version 3SEX eine Synthie-Pop-Hymne mit Discoelementen und einem großartigen Vibe. In den Zeiten, in denen es momentan nur äußerst schwer ist, soziale Interaktionen zu haben, lassen Christine And The Queens und Indochine einen Hauch von Freiheit, Euphorie und Empathie auf uns los, der uns, wie ein Impfstoff durch diese Zeiten bringt.

Sia - Hey Boy

Sia – Kehrt zu ihren Ursprüngen zurück

Zusammen mit dem französischen Star-DJ David Guetta hatte die australische Sängerin Sia Anfang der 2010er Jahre ihren internationalen Durchbruch gefeiert. Mit Songs, wie Titanium, She Wolf (Falling In Pieces), Wild One Two, Bang My Head oder Flames schaffte es die eigenwillige Sängerin an die Spitze der Charts weltweit. Dabei geht fast unter, dass die Singer/Songwriterin auch mit Acts, wie Kendrick Lamar, Sean Paul, The Weeknd, Flo Rida, Giorgio Moroder oder Zayn zusammengearbeitet hat. Zumeist eint alle Songs ein elektropoppiger Beat, der durch seine Eingängigkeit direkt ins Ohr geht. Dass dieser Weg eine lange Vorgeschichte hat, zeigt sich erst, wenn man sich die Diskografie der Sängerin anschaut. Denn bereits vor 23 Jahren veröffentlichte Sia Kate Isobelle Furler – wie Sia vollständig heißt – mit OnlySee (1997) – ihr Debütalbum. Nach einem 2-Step orientierten zweiten Album Healing Is Difficult (2001) folgte mit Colour The Small One (2004) nicht nur das dritte Album, sondern auch ein Wechsel der Musikrichtung – hin zu Folk und Jazz, gepaart mit elektronischen Elementen. Auf diesem Album war auch die Single Breathe Me zu finden, die als musikalische Untermalung des Serienfinales der erfolgreichen HBO-Serie Six Feet Under für einen enormen Bekanntheitsschub sorgte und der Sängerin weltweite Chartplatzierungen einbrachte.

Sia
Sia

Mit dem Song Clap Your Hands – aus dem fünften Album We Are Born – kam schließlich eine unerwartet poppige Dance-Rock-Nummer raus, die nach vorne ging und für guter Laune sorgte. Nun knüpft Sia genau an diesen Sound an und hat mit Hey Boy einen Song veröffentlicht, der quietschiger und fröhlicher nicht klingen könnte. Mit gerade einmal zweieinhalb Minuten ist Hey Boy die dritte Singleauskopplung aus dem Soundtrack, des Films Music, der höchstwahrscheinlich Mitte Februar 2021 veröffentlicht wird. Hierbei ist Sia Furler nicht nur die Sängerin des Original Soundtracks, sondern gleichzeitig auch die Autorin und Regisseurin des kommenden Films mit Kate Hudson und Maddie Ziegler. Letztere hatte bereits durch die Tanzperformances in Sias Musikvideos zu Chandelier und Elastic Heart für Staunen gesorgt. Hey Boy ist eine großartige Popnummer, die mit Schalk und Spaß überzeugt und Sia nach langer Zeit nun erstmals wieder zurück zum catchigen Pop bringt, der sie einst einen Schritt weiter in Richtung Erfolg gebracht hat.

Harry Styles - Golden

Harry Styles – Mit aller Macht dem Alltag entfliehen

Selten zeigte sich ein Freigeist in den letzten Jahren stärker, als beim britischen Musiker Harry Styles. Mit seinem aktuellen Album Fine Line, das sich bisher über 3,6 Millionen Mal verkaufte, zeigt der britische Musiker nach seinem Debütalbum Harry Styles (2017) bereits ein zweites Mal, dass man sich nicht sicher sein kann, was man von dem Musiker zu erwarten hat. Denn mit Einflüssen aus Funk, Pop, Britpop, Indie, Soul und Folk, sowie Rock sind seine Songs so vielseitig wie individuell. Mit Lights Up, Adore You, Falling und Watermelon Sugar hat Styles bisher bereits vier Singles aus dem aktuellen Album veröffentlicht. Nun kommt mit Golden die fünfte Single dazu und lässt uns ein noch größeres Fernweh empfinden, als wir es eh bereits in diesem Jahr besitzen. Auch wenn das Musikvideo dieses Gefühl aufgreift, braucht der Song selbst die Bilder von fernen Ländern und ausgelassenen Momenten gar nicht zwingend. Mit schnellen Gitarren und einer unglaublich euphorischen Bridge kommen ab Sekunde eins Bilder in unseren Kopf, die uns aus unserem Alltag und dem runtergefahrenen Lebensgefühl des Jahres 2020 reißen und eine Flucht aus eben diesem Alltag bedeuten.

Harry Styles
Harry Styles

Hier entfesselt sich ein Lebensgefühl, das von der Lust auf Entdeckungen, Abenteuer und pure Freude lebt und in uns den Wunsch auf mehr wachsen lässt. Styles hat es geschafft vom Boyband-Mitglied zum angesehenen Musiker zu werden, der sich individuell, authentisch und eigen zeigt. Gleichzeitig gibt Golden – als ersten Track auf Fine Line – die Richtung des Albums vor und vermittelt ein ungemein sommerliches Gefühl. Im dazugehörigen Musikvideo sehen wir schließlich Styles auf den Straßen Italiens tanzen und den Moment genießen. Dabei kommt es immer wieder zu losen Momenten, bei denen die Italiener, den britischen Musiker erkennen und ihm ein Grinsen entlocken. Harry Styles hat ein Album veröffentlicht, das ein Lebensgefühl vermittelt, welches wir alle brauchen, um unsere Batterien wieder aufzutanken und bleibt dabei durch seinen Musikmix so offen, dass sich Menschen verschiedenster Altersgruppen und Musikgeschmäcker plötzlich treffen. So munkelt das Billboard Magazine auch schon, dass sich Styles gute Chancen auf gleich mehrere Nominierungen für die Grammy Awards ausrechnen kann. Mit Golden beweist er einmal mehr, dass er allemal das Zeug dazu hat.

Freyr - You Want Love

Freyr – Ein Song, der das Bergpanorama absucht

Es ist ein Song, wie für die Untermalung eines Panoramas gemacht. Da hören wir, wie die sanften Gitarrensaiten ihre Töne vibrierend verbreiten und lauschen entspannt zu Freyr Flodgrens warmer Stimme. Hier kommt unweigerlich ein Bild vor Augen, das von Einsamkeit, Wärme und Ferne geprägt ist. Dass das nicht von ungefähr kommt, zeigt sich in einem Interview Flodgrens, der hier sagt, dass er den Song während eines Aufenthaltes in Vancouver aufgenommen und das Panorama der hohen Berge genossen hat. Mit You Want Love schauen wir also auf ein Bild, in dem sich unzählige Details verstecken. Beeindruckt von den schieren Ausmaßen der Berge, finden wir mal eine Straße, in der aus der Ferne immer wieder Scheinwerfer – wie kleine Glühwürmchen – entlang des Hanges ziehen, mal sind es Wolken, die sich im Berg verhangen zu haben scheinen und jeden Moment einen Schneeschauer auslösen könnten. Die Augen ziehen mit wenigen Bewegungen ihre Kreise auf einer Fläche, die so groß scheint, dass man sich vor Ort darin verlieren würde.

Freyr Flodgren
Freyr Flodgren

Freyr schafft es in seinem neuen Song, genau dieses Gefühl von Neugier, Faszination, Ruhe und Wärme zu verbinden und sorgt für eine Atmosphäre, die sich an uns anzuschmiegen scheint. Hier finden wir Geborgenheit und Gemütlichkeit und hören einen der wohl passendsten Songs für die aktuelle Jahreszeit – in der man sich Abends gerne in eine Decke einkuschelt, die Kerzen anmacht und draußen, auf der anderen Seite des Fensters, das raue Wetter vorbeiziehen sieht. You Want Love ist ein Song, um sich darin zu verlieren und strahlt mit einer Wärme, die von innen heraus kommt. Mit You Want Love veröffentlicht de Schwede mit isländischen Wurzeln – nach Avalon – den zweiten Song aus seinem, für Mai 2021 angekündigten Album, welches uns bereits jetzt das Herz höher schlagen lässt. Freyrs Musik ist ein Schatz, der so pur und authentisch ist, dass man sich ihm und seiner Stimme nur ergeben kann.

Beatsteaks - Glory Box

Beatsteaks – Darf man diesen ewigen Überhit covern?!

Es ist ein Song, der das Wort Geschichte nicht besser beschreiben könnte. Denn während wir heute die Interpretation der Beatsteaks hören, hat Glory Box von Portishead bereits einen jahrzehntelangen Weg hinter sich, der bei dem britischen Duo nicht etwa aufhört, sondern bis in das Jahr 1969 zurückgeht. Stammt das Original des Songs von der belgischen Band Wallace Collection, war es in den BeNeLux-Staaten ein riesiger Erfolg. Doch obwohl der Song auf Englisch gesungen wurde, blieb ein Erfolg in den englischsprachigen Ländern weitestgehend aus. Ende der 80er Jahre nahm sich der Oscar- und Grammy-Award-Gewinner Isaac Hayes – der sich für den Theme-Song des Films Shaft verantwortlich zeichnet – die Melodieabfolge vor und veröffentlichte mit Ike’s Rap 2 eine Version des Songs, den wir bis heute kennen und lieben. Auf dem 1994er Debütalbum Dummy, des – aus Bristol in Großbritannien kommenden – Duos Portishead, befand sich ein Song, der für die Folgejahre richtungsweisend sein sollte. Denn mit Glory Box schaffte die Band nicht nur in Großbritannien ihren Durchbruch, sondern verbreitete den britischen Sound des Trip-Hops auch weltweit. Gleichzeitig hauchte die Frontsängerin Beth Gibbons dem Song eine Atmosphäre von Mystik, Distanz und Lethargie ein, wie wir es faszinierender nie wieder zu hören bekamen. 2001 stieß schließlich das, ebenfalls aus Großbritannien kommende, Duo I Monster auf die Liste der Interpretationen der Melodiefolge von Wallace Collection hinzu und veröffentlichte ihren Song Daydream In Blue.

Beatselfie Credit Beatsteaks
Beatselfie Credit Beatsteaks

Doch auch wenn es immer wieder Bands und Künstler gab, die diese ganz markante Melodie und das Gefühl des Songs versuchten zu kopieren, blieb Portisheads Version bis heute unerreicht. Nun haben die Beatsteaks aus Berlin die zweite Single aus ihrer, am 11. Dezember erscheinenden EP In The Presence Of herausgebracht und somit ihre Version des Portishead Songs veröffentlicht. Dabei zeigen die Beatsteaks, nach der Coverversion von Monotonie, erneut, wie hoch sie die Interpretinnen schätzen, deren Songs sie covern. Denn auch auf Glory Box behalten die Beatsteaks diese mystisch, bedrohliche Atmosphäre von Gibbons bei. Was der Band allerdings nicht gelingt und auch nicht gewollt zu sein scheint, ist die Fragiliät, die Gibbons auf Glory Box in ihre Stimme legt. Die Beatsteaks brechen behutsam aus dem lethargischen Korsett des Portishead-Songs aus und lassen mit überwältigenden Gitarrensoli und berstenden Drums eine Wand von Sound entstehen, ehe im nächsten Moment wieder alles in sich zusammenfällt und zum Gefühl des Bristoler Duos zurückkehrt. Sind mit Monotonie und Glory Box nun bereits zwei Songs der kommenden EP bekannt, halten die Beatsteak die vier noch ausstehenden Songs weiterhin streng geheim – umso größer wird die Überraschung mit jedem weiteren Release und dürfte vor der EP-Veröffentlichung bestimmt noch ein Song zur Vorabveröffentlichung drin sein.