Kesmar - Crushing

Kesmar – Das Chamäleon Sydneys

Vielseitigkeit bringt der Beruf des Musikers zwangsläufig mit sich. Ob ganz zu Anfang als mittelloser Musiker, oder mit etwas Erfolg bei der Wahl der Locations, bis hin zum komfortabelsten Moment, dem des Auswählens der Musik. Bei Kesmar – hinter dem sich der australische Musiker und Singer/Songwriter Nathan Hawes verbirgt – war dies vor knapp drei Jahren der Schritt, weg vom Akustikkünstler, hin zu einem disco- und synthieorientierten Sound. Dabei verliebte sich Kesmar in den wunderbaren Klang von Bands und Künstlern wie Metronomy und Roosevelt und arbeitete fortan mit australischen Größen wie Panama zusammen. Auf seiner im April veröffentlichten Debüt-EP Up To You ist dann auch die aktuelle Single Crushing enthalten, die mit einem Retrosound aufwartet, welcher an Künstler wie Parcels und Two Door Cinema Club erinnert. Frisch, spritzig und voller Energie klingt Crushing nach einer vollen Ladung Sommerlaune und lässt uns an warmen Tage angenehm abkühlen und Kesmar zum Begleiter der Stunde werden.

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The S.L.P. - Nobody Else

The S.L.P. – Kasabian gehen solo…

…bleiben aber dennoch zusammen. Kasabian sind ohne Zweifel eine der großartigsten britischen Bands, die es momentan gibt. Seit 22 Jahren als zusammen, gab es im Laufe ihrer Karriere eine Menge Stilrichtungen, welche die Jungs ausprobiert haben. Nun hat das Kasabian-Songwriter-Mastermind Sergio Lorenzo Pizzorno ein Soloprojekt gestartet und unter der Abkürzung seines Namens als The S.L.P. den Song Nobody Else veröffentlicht. Während seine Bandkollegen und Pizzorno eine Pause mit Kasabian einlegen, hat sich der Brite mit italienischen Wurzeln selbst ausprobiert und seiner Kreativität freien Lauf gelassen. Herausgekommen ist ein satter French-House Song, der nur so vor Lebensfreude strotzt. Dabei kommen raue Beats genauso zur Geltung, wie ein eingängiger Klavierpart und verträumte Gesänge Pizzornos. Das gleichnamige Debütalbum wird am 30. August erscheinen und bietet neben Nobody Else, mit Favourites bereits einen zweiten Track an, der allerdings in ganz gegensätzliche Genres vordringt und eine Kollaboration mit der Hip-Hop- und Grimes-Künstlerin Little Simz ist. Pizzorno wollte Ausbrechen und sich selbst fordern – Musik schreiben, die frei von irgendwelchen Zwängen sei. Mit Nobody Else ist dies eindrucksvoll gelungen und hat der Sänger gleichzeitig einen wahren House-Klassiker mit Indieeinfluss geschaffen.

Paul Kalkbrenner - No Goodbye

Paul Kalkbrenner – Treibend, klassisch, euphorisch

Paul Kalkbrenner produziert diesen Sound, der genauso nach Wehmut klingt, wie nach Aufbruch. Gleichfalls gehört Kalkbrenner mit seinen Alben zum festen Bestandteil der internationalen DJ-Szene und schafft es immer wieder, durch seine Tracks an die Oberfläche das Mainstreams zu gelangen, ohne sich selbst zu verkaufen. So kommt es dann auch, dass Kalkbrenner am vergangenen Freitag mit No Goodbye einen neuen Song veröffentlichte und dieser im Handumdrehen von so großen Seiten, wie Billboard.com gefeatured wurde. Denn auf No Goodbye besticht Kalkbrenner abermals mit einem analog gemischten Sound, einem eu­pho­ri­sie­rend stampfenden Beat und dem seltenen Einsatz von Gesang, der hier gleichzeitig auch noch im A cappella Stil überzeugt. Ob wir mit No Goodbye – bereits ein Jahr nach Parts Of Life – mit einem neuen Album rechnen können, ist zwar fraglich, allerdings in Kalkbrenner 20. DJ-Jubiläum nicht gänzlich ausgeschlossen.

Lui Hill - I Owe You

Lui Hill – Dankbarkeit in 3:49 min.

Woraus entstehen bei einem Musiker die Ideen für Songtexte? Oftmals sind es die Erlebnisse, die sie prägen. Im Falle des deutschen Musikers Lui Hill sind es ganz konkret die Erlebnisse mit seinen Eltern und vor allem seiner Mutter, die ihm zu dem Song I Owe You gebracht haben. Denn während im Entstehungsprozess seines selbstbetitelten – 2018 veröffentlichten – Debütalbums Lui Hill Hills Vater verstarb, ist es seine Mutter, der er auf I Owe You ein Denkmal setzt. Ein Denkmal der verletzlichen Art. Denn sind Eltern für die Kinder immer die unbesiegbar starken Menschen, bröckelte diese Sicht nach dem Tod des Vaters. Denn Hills Mutter erkrankte am Demenz. I Owe You hat Hill schließlich mit dem Gefühl der Dankbarkeit und des Zurückgebens geschrieben. Doch wie könnte man die gesamte Zeit der Eltern, in denen sie auf einen aufpassten, einen beschützten und Mut zusprachen jemals zurückgeben? I Owe You versucht eindrucksvoll dieser Aufgabe gerecht zu werden, was sich auch im dazugehörigen Musikvideo zeigt. Hier sehen wir Hill durch das verwaiste Elternhaus laufen, die Sitzgarnitur unter Lacken verhüllt, alte Fotoalben durchblätternd – das Gefühl des enormen Verlustes so einfühlsam vermittelt. Hinzu kommt der musikalische Wechsel innerhalb des Songs vom Klavierspiel – zu Beginn des Songs – hin zu einem tanzbaren und aufrichtigen Sound aus Synthies. Hier wollte Hill seiner Mutter ein musikalisches Geschenk machen, weiss er doch, dass sie auf tanzbare Musik steht. Lui Hill schafft auf I Owe You einen beeindruckenden Spagat aus zeitgemäßer Musik, verknüpft mit einer berührenden Geschichte und sehr viel – in Bildern verpackter – Emotionen und klingt dabei dennoch komplett zeitlos.

Sultans Court - Shutdown

Sultans Court – Ihrem Vorbild immer näher

Bereits Ende Mai konntet Ihr hier über die Berliner Band Sultans Court lesen und erfahren, dass sie als einen ihrer Einflüsse die Band Alt-J nennen. Auf ihrer neuen Single Shutdown zeigen sie nun, dass sie dem Sound ihrer Vorbilder so nahe kommen, dass man den Song getrost auch auf einem Album der Briten vermuten würde. Dabei behandeln Sultans Court abermals ein Thema, welches in der Gesellschaft stattfindet, jedoch kaum thematisiert wird – dem des Hikikomori. Hinter diesem – doch recht niedlich klingenden – Wort verbirgt sich allerdings eine komplexe Form der Flucht aus der Realität. So finden sich vor allem in Japan viele Menschen, die sich in ihren eigenen vier Wänden einschließen und mitunter über Jahre nicht mehr das Haus verlassen, um aus der Realität zu flüchten. Dieses beängstigende Thema untermalen Sultans Court mit düsteren und fernöstlich angereicherten Soundelementen, die aus Bass, Gitarren und derben Trompeten bestehen. Dabei knistern die Membranen der Boxen nur so vom tiefen Sound, sorgen für eine dystopische Stimmung und animieren gleichzeitig zum tanzen. Sultans Court verpacken schwere Themen so gekonnt in große Sounds, dass man jedem Moment mit dem Zünden der Rakete rechnen muss.

Moon Willis & Etta Bond - I Like The Way

Moon Willis & Etta Bond – Das Wochenende kann kommen!

Für Moon Willis scheint 2019 zu seinem Jahr zu werden. Denn der Londoner Produzent hat in den letzten Monaten mit ein paar wirklich starken Songs spürbare Aufmerksamkeit erhalten. Mit Gone, On Me und Trouble hat sich Moon Willis gerade einen festen Platz in den Clubs weltweit gesichert. So wird er mittlerweile auch von Größen wie Duke Dumont und den Disciples nach einen Remix gefragt. Nun hat sich Moon Willis mit Etta Bond eine der heißesten Newcomer Londons gegriffen und mit ihr zusammen den Song I Like The Way produziert. Mit einem euphorischen Rhythmus, der unwiderstehlichen Stimme Bonds und einem treibenden Bass passt I Like The Way perfekt zur Hitzewoche in Europa und dem Einstieg in das Wochenende. Hinzu kommt, dass das dazugehörige Musikvideo von seiner Machart an All-Time-Favorites wie Sweet Like Chocolate von Shanks & Bigfoot, Starlight von The Superman Lovers oder One More Time von Daft Punk erinnert. Wenn Ihr bis jetzt noch keinen Sommerhit hattet, wäre I Like The Way ein würdiger Anwärter.

Big Wild - City Of Sound

Big Wild – Let The Disco Heal Your Mood

Mit Maker hatte der US-Amerikanische Produzent Jackson Stell – alias Big Wild – bereits im Januar einen großartigen Song veröffentlicht. Nun hat Big Wild mit City Of Sound die nächste Single veröffentlicht und begeistert abermals mit einem treibenden Sound und geht dabei noch einen Schritt weiter – in Richtung Disco. Mit lässiger Gitarre beginnt der Song noch gänzlich unspektakulär, bis nur wenige Sekunden später ein füllender Dancebeat einsetzt, der sich an die French-House-Zeiten der späten 90er und frühen 2000er anlehnt. Stell selbst erklärt, dass der Song als Ermutigung gesehen werden soll und man bei so vielen Stimmen heutzutage, öfter auf seine eigene hören sollte. Diese Intention hat Stell so energievoll umgesetzt, dass man sich an die großen Discozeiten des Studio 54’s erinnert fühlt. Dabei hat sein Debütalbum Superdream, welches am 1. Februar 2019 erschien, eine Fülle an ähnlich großartigen Songs. Mit der frischen Mischung aus Dance, Instrumenten und mitreißenden Lyrics, lässt Big Wild keine Wünsche offen und ist der perfekte Sound zu den hochsommerlichen Temperaturen.

Close Talker - The Change It Brings

Close Talker – Der Zeit voraus

Die Zeit wurde bereits in vielerlei Hinsicht musikalisch thematisiert. Mal in Persona, mal als ewiger Feind, mal als glücksbringender Freund. Das kanadische Trio Close Talker hat für das kommende Album How Do We Stay Here? allerdings den Ansatz verfolgt, eine Platte zu machen, die thematisch die letzten zwei Jahre behandelt und gleichzeitig zeitlos wirken soll. So möchte die Band, dass die Songs auf How Do We Stay Here? auch in zehn Jahren noch hörbar sind, ohne dass man an ihnen ausmachen kann, in welchem Jahr und zu welcher Bandphase sie entstanden sind. Auf ihrem nun veröffentlichten Song The Change It Brings kämpfen sie hingegen gegen die Zeit, indem sie vieles schaffen, jedoch oftmals auch einfach gar nichts machen wollen und so der zeit die Stirn zu bieten. Denn letztendlich ist es die Zeit – Jahre, Tage, Stunden – die uns vor sich hertreibt. Dabei klingen Close Talker so sanft und gemütlich, dass man sich Hektik bei Will Quiring (Frontsänger), Matthew Kopperud (Gitarrist) und Christopher Morien (Drummer) gar nicht vorstellen kann. Doch ist The Change It Brings ein konkretes Resultat der vergangenen Jahre als Band und deren Höhen und Tiefen. Mit einem angenehm hauchenden Gesang und einem tiefen Sound zeigen Close Talker, wie Indie Rock ohne flippige Beats und freche Texte klingen kann und streicheln dabei ganz nonchalant unser Gemüt. Das am 30. August erscheinende How Do We Stay Here? widmet sich diesem Thema schließlich auch auf elf Songs und unterstreicht, wie, von der Zeit losgelöst, Indie klingen kann.

Sam Smith - How Do You Sleep?

Sam Smith – Authentizität schlägt alles

Sam Smith ist zurück mit einem Song, der zeigt, wie sehr sich der britische Sänger mittlerweile selbst gefunden hat. Fühlte sich Smith noch vor ein, zwei Jahren in seiner Haut nicht wohl, kann heute keine Rede mehr davon sein. Mit seinem offenen Umgang bezüglich seiner Homosexualität, seinem Drang nach körperlicher Darstellung und dem dazugehörigen Sound, der immer öfter auch einen leichten, elektronischen Beat besitzt, hat sich der Brite freigetanzt und lässt seine innere Dancing Queen raus, wie er selbst sagt. Dass der Song How Do You Sleep? allerdings keinesfalls nur eine tanzbare Popnummer ist, zeigt der Text, der sich mit I’m done hating myself for feeling/I’m done crying myself awake/I’ve gotta leave and start the healing/But when you move like that I just want to stay deutlich mit den Themen Bodyshamings und der Selbstakzeptanz auseinandersetzt. Sam Smith hat in den vergangenen Jahren eine Transformation vom scheuen, pummeligen Sänger mit einer fantastischen Stimme zu einem Mann mit Aussage und Haltung gemausert und zeigt diese auch. Dabei sind seine Songs – wie seine neue Single How Do You Sleep? – grandiose Popnummern, die einen mitreißen und ein ganz besonderes Gefühl der Verbundenheit vermitteln. Mit How Do You Sleep? durfte die Ankündigung zum dritten Studioalbum des Sängers nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Anna Ternheim - This Is The One

Anna Ternheim – Winter im Sommer

Stellt euch vor, ihr bringt ein Debütalbum raus, mit einem veritablen Radiohit und plötzlich realisiert ihr, dass es eigentlich schon das dritte Album ist. So könnte es 2008 gewesen sein, als das Album Halfway to Fivepoints der schwedischen Sängerin Anna Ternheim in den USA veröffentlicht wurde. Denn vorher hatte sie bereits mit Somebody Outside (2004) und Separation Road (2006) zwei wunderbare Alben veröffentlicht. Doch der große Durchbruch kam erst mit ihrem, ebenfalls 2008 veröffentlichten, Album Leaving on a Mayday und der Single What Have I Done. Dieser klang mit seinen Streichern, Bongos und dem düsteren Beat war mystisch und typisch skandinavisch. Nun ist Ternheim mit einem neuen Album, welches sie am 20. September veröffentlicht und A Space Of Lost Time heißen wird, zurück. Dabei hört sich die erste Singleauskopplung This Is The One nicht mehr ganz so hektisch an. Mit einem zurückhaltend eingesetzten Klavier und dumpfen Bass singt sich Ternheim in eine Melancholie, die an einen ruppigen Wintertag erinnert. Dabei singt Ternheim so zart und klar, dass jedes Wort scheint, als würde es uns direkt in den Gehörgang wandern und die Schritte auf den Membranen vibrieren. Mit diesem Gefühl und der Sorgfalt, die Ternheim in die Produktion des Songs gesteckt hat, läutet sie zum achten Album ein und versüsst uns die heißen Tage mit kühler, nordischer Musik.