The Best Of 2019 Vol.: 01

01. Postiljonen – Chasing Stars

02. Big Wild – Maker

03. Girl In Red – We Fell In Love In October

04. Someone – Pull It Together

05. CamelPhat feat. Christopher feat. Jem Cooke – Breathe

06. Moonlight Breakfast – Look Up

07. Friendly Fires – Heaven Let Me In

08. Calvin Harris feat. Sam Smith – Promises

09. Adelphi Music Factory – Javelin (Calling Out Your Name)

10. Fil Bo Riva – Go Rilla

11. Chaka Khan – Hello Happiness

12. KIAN – Waiting

13. Circa Waves – Movies

14. Lana Del Rey – Hope Is A Dangerous Thing For A Woman Like Me To Have – But I Have It

15. Rhys Lewis – Better Than Today

16. William Fitzsimmons – Wait For Me

17. David Gray – A Tight Ship

18. MJ Cole & Freya Ridings – Waking Up

19. Smith & Thell feat. Swedish Jam Factory – Forgive Me Friend

20. Róisín Murphy – Plaything

21. Justice vs. Simian – We Are Your Friends

 

Bear’s Den – Eine Band für die Ewigkeit

Es gibt Bands, die begleiten uns ein Leben lang nur nebenbei und nehmen wir deren Musik als angenehm berieselnd war. Und es gibt Bands, die eine große Auswirkung auf uns haben. Deren Musik wir mit Erinnerungen, Gefühlen, einem Geruch oder einer bestimmten Entscheidung verbinden. Bear’s Den gehört zu der letzteren Kategorie von Bands. Durch ihre großen Songs bieten sie Raum dafür, selber Gefühle und Emotionen mit ihren Songs zu verknüpfen oder gar mit der Band selbst Erlebnisse zu generieren. Schaut man sich das Veröffentlichungsdatum ihres letzten Albums Red Earth & Pouring Rain an, welches im Sommer 2016 erschien, ist man fast sprachlos, wie schnell drei Jahre vorbeiziehen können. Mit Auftritten im Berliner Huxley’s 2016, auf dem Lollapalooza 2017 und zum Reeperbahn Festival in der Elbphilharmonie 2018 blieb allerdings auch gar keine Zeit zu denken, die Band habe eine Pause eingelegt. Nun steht für Ende April mit So That You Might Hear Me ihr drittes Album an und zeigt mit der ersten Singleauskopplung Fuel On The Fire, dass die Reise kontinuierlich weitergeht. Was sich bereits auf Red Earth & Pouring Rain ankündigte, wird nun konsequent weitergeführt und so klingen Bear’s Den nicht mehr nur nach Folk. Fuel On The Fire besitzt – ähnlich wie der gleichnamige Titelsong des zweiten Albums – ein elektronisches Soundbett und besticht durch Andrew Davie intensive Stimme. Ab der Mitte des Songs kommen dann noch epische Synthies hinzu, die nach der ganz großen Bühne rufen. Dabei hat es das britische Duo in den knapp vier Minuten geschafft einen emotionalen und intensiven Song, sowie eine Stadionhymne zu produzieren, bleiben dabei immer auf dem höchsten Niveau und enttäuschen bisher nicht ein Mal.

Krezip – Nach zehnjähriger Pause mit neuer Single zurück

Krezip – das war die unglaublich erfolgreiche niederländische Band, die sich 1997 gründete, als die meisten Bandmitglieder gerade einmal 15 oder 16 Jahre alt waren. Mit dem Song I Would Stay stürmten sie im Sommer 2000 die Charts  und hielten sich drei Wochen auf Platz 1 der niederländischen und neu Wochen auf Platz 1 der belgischen Singlecharts. Im selben Sommer, gab es den legendären Auftritt – der gerade einmal so volljährigen Band – auf dem niederländischen Pinkpop Festival, der die Newcomer zusätzlich pushte. Was dann folgte, ließt sich als absolute Erfolgsgeschichte. Mit dem Debütalbum Nothing Less standen sie zehn Wochen auf Platz 1 der Albumcharts ihres Heimatlandes, legten mit Days Like This (2002), What Are You Waiting For (2005), Plug It In (2007), einer Best Of Krezip Platte und dem finalen Album Sweet Goodbye einen Marathon in den Charts hin. Zwischen der Veröffentlichung ihres Debüts und der Auskopplung des letzten Albums waren sie kumuliert sage und schreibe fünf der zehn Jahre dauerhaft mit einem ihrer Alben in den Charts vertreten. Doch 2009 kam es zur Auflösung und der finalen Single Sweet Goodbye, die mit so viel Gefühl von einer Band erzählt, die sich glücklich trennt um neue Wege zu beschreiten und sich bei den Fans mit den wärmsten Worten bedankt. Für Fans, die der Band weiterhin die Treue geschworen hatten, waren die letzten Tage ein regelrechtes Feuerwerk. Führte anfangs die Änderung des Profilbildes in die Farbe Pink für Vermutungen und einer ersten Verbindung zu einem möglichen Pinkpop-Revival, folgte am Montag die Mitteilung, dass die Band einmalig auf dem Pinkpop Festival 2019 und Ende Oktober im Ziggo Dome in Amsterdam spielen wird. Gestern dann – nur einen Tag, nachdem sie die Bombe platzen ließen, folgte mit der Veröffentlichung einer neuen Single die nächste Bombe. Im Musikvideo zu Lost Without You greift die Band auf emotionale Momente ihrer Karriere zurück und verbindet diese mit einer wunderbaren Gitarrenballade, die gewohnt warm und herzlich klingt. Hinzu kommt mit Annelies Kuijsters auch wieder die zweite Stimme und mit Zeilen wie I’d be lost without you. You’re someone to fight for. Someone to die for. Oh look at us now. I’d be lost without you. You’re someone to care for. Someone to be there for. Oh look at us now ein Text, der sich sowohl als Liebesbeweis an die tiefe Freundschaft der Band lesen lässt, als auch die tiefe Verbundenheit zu ihren Fans aufzeigt. Mit Jacqueline Govaert, Annelies Kuijsters, Anne Govaert, Jan-Peter Hoekstra, Joost van Haaren und Bram von den Berg stehen sie in der Besetzung ihres Trennungsjahres 2009 als Krezip wieder im Rampenlicht und lassen und hoffen, dass eine weitere Bombe – in Form eines neuen Albums – noch platzen wird. Krezip, es ist toll euch zurückzuhaben!

Jax Jones feat. Years & Years – Deep House und Pop auf vom Fließband

Dass Years & Years auf eine erfolgreiche Bandgeschichte zurückblicken können, liegt nicht nur an den unglaublich guten und mitreißenden Popsongs, sondern vor allem an Frontsänger Olly Alexander – aus dem die Ideen nur so rauszusprudeln scheinen. Gleichzeitig ist Olly Alexander eine schillernd, quierlige Persönlichkeit, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Dass sie dort stehen, wo sie jetzt sind, haben sie allerdings auch Produzenten wie The Magician zu verdanken, der die Band in einem frühen Stadium gefördert und bekannt gemacht hat. Dies geben Years & Years nun zurück und arbeiten auf der Single Play mit dem Londoner Produzenten Jax Jones zusammen. Steht Jones zwar nicht mehr vor dem Problem, erfolgreich werden zu müssen – immerhin hat er mit You Don’t Know Me und Breathe selbst zweimal die britischen Top-10 geknackt – beschränkt sich seine Bekanntheit mehr oder weniger ausschließlich auf die britischen Inseln. Dies könnte sich nun mit der poppigen Housenummer Play ändern, die mit eingängigen Beats und Olly Alexanders unverkennbarer Stimme zu einer ekstatischen Club-Hymne wird. So haben der Produzent und die Band einen Song produziert, der sich aufmacht, die Charts weltweit zu erklimmen.

Sofi Tukker & ZHU – Derbe Beats und schräger Sound

Sofi Tukker leben in ihrer ganz eigenen Welt. Sind die Songs von Sophie Hawley-Weld und Tucker Halpern wahnsinnige Partybanger, stehen sie vor allem für genreübergreifende Vielfalt und singen einige ihre Songs neben Englisch auch noch auf Portugiesisch. Ihr bis heute größter Hit ist Best Friend der nur so vor Lebensfreude und Energie zu explodieren scheint. Nach ihrem 2018er Debütalbum Treehouse haben Sofi Tukker nun mit Mi Rumba eine neue Single veröffentlicht, bei der sie mit dem US-Amerikanischen Produzenten ZHU zusammengearbeitet haben. Verlief der Entstehungsprozess unglaublich natürlich, fügt Sängerin Hawley-Weld hinzu, dass der dreckige und frivole Sound ganz bewusst gewählt wurde und den Song – durch die massiven Bassbeats – zu einer enorm wuchtigen Produktion machen. Sofi Tukker und ZHU sind ein Zusammenspiel, welches es gut zu koordinieren gilt, da beide Acts so viel Energie besitzen, dass man von so einem Song regelrecht weggefegt werden könnte.

HÆLOS – Spannendes zweites Album kommt

Mit ihrem Debütalbum Full Circle und Singles wie Separate Lives hatten HÆLOS 2016 alles richtig gemacht. Befriedigten sie doch mit einem vielschichtigen Sound aus TripHop, Ambient, Elektro und Pop die Kritiker und schafften es mit ihrem tiefen und dunklen Klang viele Fans zu gewinnen. Nun haben die Briten um Lotti Benardout mit Tokyo die erste Single aus ihrem zweiten Album Any Random Kindness veröffentlicht. Erscheint das Album Mitte Mai ist die Single Tokyo eine treibend, zerbrechliche Nummer, die durch viele einzelne Soundelemente zu einem spannenden Hybriden aus einer fernen Zukunft wird. Abermals schaffen es HÆLOS über alle Kanäle hinweg ein Netz aus kryptischen Botschaften zu weben und bleiben dabei dunkel und dystopisch. Klingt Tokyo einerseits, als würde ein Telefonat durch einen Störsender verzerrt werden, bauen die Beats und der Sound ein verrückt hektisches Klangbett auf und wirken dennoch irgendwie beruhigend und schläfrig. HÆLOS ist aktuell eine der spannendsten Bands und schafft es um sich herum eine geheimnisvolle Welt aus Musik und Botschaften aufzubauen.

Vampire Weekend – Die volle Ladung hoch 2!

Es scheint, als hätte sich der Indie-Herbst, in dem normalerweise immer alle hochkarätigen Künstler ihre Songs und Alben veröffentlichen, in den Winter verschoben. Hatten wir gestern erst zwei neue Songs von Florence + The Machine präsentiert bekommen, folgen nun Vampire Weekend mit ebenfalls zwei neuen Songs. Dabei steht hinter der Veröffentlichung der Plan, in den kommenden zwei Monaten bis zur Veröffentlichung des vierten Albums Father Of The Bride jeweils zwei weitere Songs pro Monat zu veröffentlichen. Somit wird die lange Zeit des Wartens – die nunmehr sechs Jahre dauerte – auf ein Minimum reduziert und macht gleichzeitig Lust auf die volle Ladung Vampire Weekend. Interessant ist hierbei, dass Rostam Batmanglij – der bis Januar 2016 fester Bestandteil der Band war und damals seinen Ausstieg bekannt gab, wieder auf dem Album vertreten sein wird, allerdings als Gastmusiker. Mit insgesamt 18 Songs, wird Father Of The Bride auch das Album mit den meisten Songs sein und klingen die beiden ersten Songs Harmony Hall und 2021 so lebendig, wie anders. Meint man auf Harmony Hall Einflüsse von Country zu hören erinnern der Song auch gleichzeitig ein wenig an alte Veröffentlichungen der Rolling Stones. 2021 dagegen ist eine reduzierte Ballade, die mit Soundelementen spielt und bei einer Länge von nur 1:40 Minute wie eine kleine Insel des Verschnaufens wirkt. Wir können also gespannt sein, zwischen welchen Songs Vampire Weekend diesen Song setzten werden und wie sich, im Vergleich, die kommenden Songs anhören werden.

Florence + The Machine – Voller Energie

Es ist gerade einmal sieben Monate her, da hat die britische Band Florence + The Machine mit High As Hope ihr viertes Studioalbum veröffentlicht und sind damit in über 16 Ländern in die Top-5 eingestiegen. Nun haben Florence + The Machine auf einem Konzert im australischen Perth mit einem neuen Song alle Fans vor Ort überrascht. Gestern überraschten Sie dann auch die Welt mit der Veröffentlichung von gleich zwei Songs. Mit dabei ist der in Perth vorgestellte Song Moderation, der in gewohnter Manier eine große Popnummer mit viel Dramatik und großen Momenten ist. So erinnert Moderation an Songs der ersten beiden Alben Lungs und Ceremonials. Die zweite Single Haunted House ist eine großartige Popballade, bei der Florence Welchs einzigartige Stimme nur durch ein Klavier begleitet wird. Chorsgesang unterstützt dabei hier und da sie sanften aber energischen Zeilen wie I’m not free at all. Nach diesen beiden Veröffentlichungen, können wir nur hoffen, dass eine neue Platte – und wenn es nur eine EP ist – das Jahr 2019 mit so fantastischer Musik füllen wird. Bis dahin nehmen wir Moderation und Haunted House als zwei starke Songs in Dauerrotation auf und freuen uns über den Ausflug zu den Anfängen der Band.

James Morrison feat. Joss Stone – Zwei britische Stars sind zurück

Es liesst sich, wie eine Erfolgsgeschichte – waren Joss Stone und James Morrison doch in den 2000ern zwei der erfolgreichsten britischen Künstler. Hat Stone mit ihren Alben The Soul SessionsMind Body & SoulIntroducing Joss Stone und  Colour Me Free! knapp 9 Millionen Platten verkauft, fanden auch so renommierten Preisen wie ein Grammy und zwei BRIT Awards den Weg in Stones heimisches Regal. Morrison, der erst seit Mitte der 2000er Musik veröffentlichte, kann auf 4,5 Millionen Alben in dieser Dekade zurückblicken und ist ebenfalls Preisträger eines BRIT Awards. Liegt die letzte Albumveröffentlichung bei beiden Künstlern nun schon vier Jahre zurück, konnten sie zuletzt nicht mehr an den Erfolg ihrer Glanzzeiten herankommen. So gehen Beide nun für James Morrisons neue Platte You’re Stronger Than You Know ein Duett ein und veröffentlichen mit My Love Goes On eine soulvolle Popnummer, die von Energie nur so strotzt. Dabei gehen Morrison und Stone ein Studio-Battle ein, welches beide – starken und markanten – Stimmen verschmelzen lässt. Morrison und Stone haben es seit jeher verstanden, Musik zu machen, die ein breites Spektrum an Menschen anspricht und zeigen auf My Love Goes On einmal mehr, wie universal Pop wirken kann.

Apparat – Zurückgezogene Zugänglichkeit

Er kommt aus dem Bereich des Technos und hat in den vergangenen 23 Jahren massgeblich dazu beigetragen, dass Deutschland international als eines der führenden Länder der, vor allem im Ambientbereich befindlichen, Elektroszene wahrgenommen wird. Mit seiner Vielfalt an musikalischer Ausdrucksweise hat sich Sascha Ring in den vergangen zwei Jahrzehnten einen festen Namen erarbeitet, der durch das Projekt Moderat, welches er zusammen mit Modeselektor zwischen 2002 und 2017 aufrecht erhielt, und sich durch seinen Wechsel – hin zu einem deutlicheren Ambient-Sound, der mittlerweile auch den Begriff IDM – Intelegent Dance Music – auszeichnet. Ist Apparats letztes Album The Devil’s Walk bereits acht Jahre her, hatte der in Quedlinburg geborene Produzent, Ende 2017 vor allem durch den von ihm beigesteuerten Theme-Song zur deutschen Netflix-Serie Dark zusätzlich weltweit Aufmerksamkeit erhalten. Nun hat Apparat mit Dawan einen neuen Song veröffentlicht und damit sein fünftes Album LP5 angekündigt. Dabei klingt Dawan zugänglicher, bleibt aber einem dunklen Sound treu. Mit schnellem Hintergrundbeat, vertrackteten Sound und dem fragilen Gesang baut sich Dawan immer weiter auf und mündet in einer verträumten Vorstellung von einer Soundwolke aus Wärme, Zufriedenheit und Zuneigung. Gibt es eine stetig wachsende Auswahl an neuen Genrekreationen, ist IDM wahrlich die zutreffendste Genrebezeichnung, die es für Apparats Musik geben kann.