Maggie Rogers – Pfiffige Kehrtwende

Nanu – möchte man sagen, wenn man den Song Give A Little hört und erfährt, dass er von Maggie Rogers sein soll. Wirkt der Song doch auf den ersten Blick ungewöhnlich einfach. Hört man ihn sich allerdings ein zweites, drittes und viertes Mal an, hört man all diese kleinen Nuancen heraus, die den Song geradezu freigeistig klingen lassen. Da kommt ein tropischer Synthiesound gleich nachdem endloses Händeklatschen den Song weiterträgt und dabei mit der Gitarre und Rogers Gesang in eine verträumte Umgebung abdriften lässt. Mit dem Produzenten Greg Kerstin hat sich Rogers hier einen stark Pop affinen Produzenten gesucht, der in den letzten Jahren Songs für Chvrches, Sia, Years & Years, der Lady Gaga produziert hat. Dabei hat sich Rogers wohl ganz bewusst für diesen Sound entschieden. Gab es doch mit der im Mai veröffentlichten Single Fallingwater eine Art Zäsur in ihrer bisherigen Karriere. So war der rasante Aufstieg von Rogers in den letzten zwei Jahren nicht immer auch gesund, weshalb sich die US-Amerikanische Sängerin eine Zeit lang zurückzog. Nun, nach ihrem Seelenstrip Fallingwater ist sie mit Give A Little zurück und zeigt sich frech, frisch und pfiffig – und somit mit den Attributen, durch die wir sie und ihre Musik so sehr ins Herz geschlossen haben.

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Razorlight – Mit Paukenschlag zurück

Es könnte das Comeback des Jahres sein. Die seit 2008 in der Versenkung verschwundenen Indie-Rocker von Razorlight sind zurück! Und das nicht etwa marktgerecht mit einer neuen Single, sondern gleich mit vier neuen Songs. Dazu auch immer das passende Musikvideo, bilden die vier Songs ein wunderbares Farbmuster. Dabei war es Frontsänger Johnny Borrell wichtig, den Fans – die so lange warten mussten – mehr zurückzugeben, als nur eine Single. Ist außer Borrell kein Mitglied der Ursprungsband mehr vorhanden, behalten Razorlight die Attitüde, eine waschechte Indie-Rock Band zu sein. So war es auch Borrells Intention, ein Album zu machen, dass die Hochzeit des britischen Indies der 2000er feiert und vor allem der Band viel Spaß machen sollte. Hört man sich die Singles Sorry?JapanrockGot To Let The Good Times Back Into Your Life und Olympus Sleeping an, erkennt man dies in jeder Sekunde. Dabei zeugen die Songs von einer Aufarbeitung und gleichzeitig auch Abrechnung der letzten Jahre. Mit viel Gitarre, enthusiastischem Gesang Bordells und der typischen Chucks-Tanzmusik sind Razorlight mit so viel Wucht zurück, dass man sich fast nicht vorstellen kann, ein ganzes Jahrzehnt sei vorbeigegangen. Da holen wir gleich die Chucks aus dem Schrank und melden uns für die nächste Indiedisco an. Entscheidet selbst, welches der vier Songs Euch am besten gefällt.

Half•Alive – Indie mit Wow-Video

Josh Taylor kommt uns ungewohnt bekannt vor. Vielleicht liegt es am Gesicht. Oder vielleicht an der Stimme. Aber vielleicht ist er auch einfach in seiner Gesamtheit diese Art von Künstler, den wir uns insgeheim vorstellen – der sympathische junge Mann von nebenan, frisch, tolle Stimme und mit einem Hit im Gepäck. Und das mit dem Hit im doppelten Sinne – denn Josh Taylor ist der Sänger des kalifornischen Elektro-Indie-Trios Half•Alice, welches gerade mit dem Song Still Feel für einen Wow-Moment sorgt. Denn nicht nur der Song ist eingängig und hat das Potential zum Hit, sondern auch das Video hat es in sich. Wurde das Video doch im sogenannten One-Take-Modus gedreht. Was bedeutet, dass der Dreh genauso lange gedauert hat, wie das Musikvideo dauert und kein Schnitt existiert. Einmal angesehen, finden wir dann allerdings doch recht schnell Schnitte – jedoch bleibt die Sprache des Videos die eines One-Take-Videos gleich und überzeugt mit einem regelrechten Augenschmaus. Dabei ist Still Feel auch musikalisch großartig und schlägt in die Kerbe von Foster The People, nur deutlich elektronischer. Half•Alive haben 2017 ihre Debüt-EP 3 veröffentlicht und gehen nun mit der Single Still Feel den nächsten Schritt auf ihrem Weg zum Debütalbum.

Albert af Ekenstam – Eine Stimme so unendlich tief

Stellt Euch vor, Ihr wärt in Schweden, kurze Tage, lange Nächte. Der Regen prasselt schubweise an die Fenster in der Küche und ihr guckt durch sie auf die raue Ostsee. Und dann setzt diese tiefe Stimme ein, die nicht ganz klar macht, ob der Sänger gebrochen klingt, oder voller Kraft der nächsten Hürde trotzt. Dieses Gefühl – in dem Haus in Schweden – erzeugt der schwedische Sänger Albert af Ekenstam mit seinen intimen Songs, die am Kamin nicht mehr Wärme ausstrahlen könnten. Mit der Single Our Stories hat af Ekenstam nicht nur einen sensiblen Song produziert, sondern auch noch die wunderbare Ane Brun als Backgroundsängerin dazugeholt. Dabei klingt Brun völlig unauffällig und begleitet af Ekenstam so gefühlvoll, dass man sich die beiden tröstend im Arm liegend vorstellt. Our Stories ist dabei einer von vier neuen Songs, die am heutigen Freitag auf der EP Hundred Miles erscheinen. Darauf enthalten sind ausnahmslos starke, einfühlsame Songs, die af Ekenstam in eine Liga mit Ben Howard, Bear’s Den oder José Gonzáles heben.

James Hersey – Locker, gefühlvoll, rockig

Im ersten Moment klingt der Name James Hersey nicht gerade, als würde derjenige aus Österreich kommen. Und dennoch passt es zum Sänger, wie seine komplette Geschichte. Denn hat er nicht nur amerikanische Wurzeln, ist auch seine Musik ein Crossover aus immer wieder wechselnden Genres. So ist Hersey mal mit dem französischen Produzenten Filou auf How Hard I Try zu hören, oder singt als Gastsänger auf der Single Coming Over von Dillon Francis und Kygo. Dabei mischt er Pop mit House, typischen Singer/Songwriter Elementen und spielt – wie auf seiner neuesten Single Real For You – auch auf der Gitarre. Real For You besticht durch einen poppigen Gitarrensound, der mit Herseys markantem Gesangsstil überzeugt. Dabei ist der Song unaufgeregt und hat dennoch Ohrwurmqualität. Hersey, der mittlerweile in Berlin lebt, zeigt, dass er dieses Crossover konsequent fortsetzt und steht aktuell mit Künstlern wie den Milky Chance, Sigrid und HONNE auf der Bühne. Wer ihn also erleben möchte, sollte sich schnellstens ein Konzertticket besorgen.

Janet Jackson – Wie einst zu Together Again

Ihre Hochzeiten schienen längst vorbei – Janet Jackson hatte von Mitte der 80er Jahre bis 2001 einen Nummer-1 Hit nach dem anderen. So gehen in dieser Zeit 10 Pole-Positions und weitere 12 Top-5 Hits auf ihr Konto. Doch seit 2002 schaffte es die US-Amerikanische Sängerin kein einziges Mal mehr in die Top-10. Sicherlich auch ein Zeichen ihrer Kehrtwende, hin zu mehr Ambivalenz und dem nachlassen ihrer eigenen Note. Nun allerdings, hat sich die 52 jährige Sängerin mit dem Raggaeton-Superstar Daddy Yankee zusammengetan und mit der Single Made For Now einen Sommerhit veröffentlicht, den man so von Jackson nicht erwartet hätte. Mit sommerlichen Vibes, einer sanft singenden Jackson und dem Gedanken, einen Song über Liebe und Verbundenheit zu schreiben, kamen Jackson und der britische Produzent Harmony Samuels – der bereits für Ariana Grande, Maroon 5 oder Janelle Monáe Songs produzierte – zusammen. Bereits im Produktionsprozess orientierten sich beide an lateinamerikanischer Musik, mit einem Hauch von Afro-Kultur – so beschreiben es Samuels und Jackson. Hört man sich den gesamten Song an, bekommt man diese Absicht in jeder Sekunde zu spüren und lenkt diese ein wenig davon ab, dass Jackson selbst eher wenig Text zu singen hat. Am Ende ist Made For Now allerdings seit Together Again einer von Jacksons stärksten Songs, hebt sich deutlich von dem aktuellen Sound-Einheitsbrei – der in den USA herrscht – ab und ist darüberhinaus eine satter Sommerhit.

The Best Of 2018 Vol.: 08

01. George FitzGerald – Burns

02. Highasakite – I Call Bullshit

03. Half•Alive – Still Feel

04. Avril Lavigne – Head Above Water

05. Hosini – Capella

06. Hozier feat. Mavis Staples – Nina Cried Power

07. Josh. – Cordula Grün

08. Razorlight – Japanrock

09. SYML – Clean Eyes

10. Lord Huron – The Night We Met

11. Severija – Zu Asche, Zu Staub (Psycho Nikoros)

12. Pool – Moving On

13. Justice – Love S.O.S. (WWW)

14. Parcels – Lightenup

15. Bloodhype – Romeos

16. AnnenMayKantereit – Marie

17. Alice Merton – Why So Serious

18. El Profesor – Bella Ciao (Hugel Remix)

19. Faber – Alles Gute

20. Alt-J feat. Kontra K – In Cold Blood (Kontra K Version)

Isaac Gracie – Wunderkind mit sanfter Stimme

Eine Stimme kann alles verändern. Dies musste auch der Brite Isaac Gracie erfahren. Allerdings war es bei dem Jungen aus London die eigene Stimme, die in der Pubertät brach und ihn in die Situation brachte, seinen Jugendchor zu verlassen. Denn bereits mit sieben Jahren trat Gracie dem Ealing Abbey Choir bei und trat bis zu sechs Mal in der Woche auf. Dass sein Stimmbruch als traumatisches Erlebnis im Gedächtnis blieb, ließ ihn nicht von der Idee abkommen, es doch noch einmal mit Musik zu versuchen. Und so entdeckte der mittlerweile 23-jährige Sänger mit 18 Jahren die Gitarre für sich und beschloss von da an der nächste Bob Dylan zu werden. Und tatsächlich ist seine aktuelle Single Running On Empty eine solide Folk/Rock-Nummer, die mit einer angenehmen Wärme und einem Timbre daher kommt, wie es sie aktuell nur sehr selten gibt. Running On Empty ist eine Rockhymne, die die Arme öffnet und jeden einlädt, sich in Folk und Rock zu verlieren.

Krystal Klear – Irland auf dem Weg in den Disco-Olymp

Es ist dieser Beat, der uns zum Ausrasten bringt. Wie einst Pop Muzik von M oder Inspector Norse von Todd Terje, hat auch der irische Produzent und DJ Krystal Klear nun einen Song produziert, der seit geraumer Zeit durch die Clubs Europas geistert. Mit Neutron Dance entfacht der in Dublin lebende DJ Dec Lennon, wie er bürgerlich heißt, ein wahres Klangfeuerwerk und besitzt dabei eine Geschwindigkeit, die zum Durchdrehen animiert. Als Liebhaber von Boogie, Funk und House stellt sich Neutron Dance als genau dieser Hybrid heraus, der die verschiedenen Einflüsse aus den 70ern mitnimmt und so arrangiert, damit auch 40 Jahre später der Club noch kocht.

Synapson feat. Lass – Mit afrikanischen Beats durch den Sommer

Der Hang zu afrikanischen Beats, ist bei dem französischen Duo Synapson äußerst ausgeprägt. Waren es Ende 2015 vor allem Djon maya maï und All In You die aus allen Radios des Landes schallten, wird nun mit der neuesten Single Souba in die gleiche Richtung gespielt. Hier haben Alexandre Chiere und Paul Cucuron einen interessanten Song aus Banjos, Panflöten und EDM-Bässen kreiert. Dabei rappt sich der senegalesische Sänger Lass durch die knapp 3 Minuten und lässt so einen fast schon orientalischen Hauch verspüren. Souba ist diese Art Song, die man faszinierend findet und dabei am Radio kleben bleibt. Gleichzeitig ist der Song ein absoluter Ohrwurm und bringt den ganzen Körper zum wippen.