Honne – Mit Doppel zurück

Als erstes Lebenszeichen, nach knapp zwei Jahren, hat sich das britische Duo Honne gleich ein Doppel ausgesucht. Denn mit den Songs Day 1 und  Sometimes haben sie am Gründonnerstag zwei Songs veröffentlicht und damit auch gleich den Startschuss für das zweite Album gegeben. Mit hohen Erwartungen verknüpft, sind nicht nur Fans auf den britischen Inseln hellauf begeistert, von dem neuen Material. Dabei sind die beiden Songs doch so unterschiedlich. Mit Day 1 liefern Honne genau das ab, was alle von ihnen hofften. Ein rhythmischer Piano-Pop Song, der mit sachlichem Bass und einem, zum dahinschmelzenden, Text brilliert. Ein wenig Retro, ein wenig Jazz und dann noch der R&B-lastige Gesang Andy Clutterbucks lassen Day 1 absolut grooven. Sometimes dagegen, ist ein, anfangs durch Vocoder verzogener Popsong, der antäuscht, groß zu werden, um dann doch in sich zusammenzufallen. Schließlich erhebt sich Sometimes mit vollem Klang und frickeligem Computersound. Dabei greift Sometimes erfolgreiche Merkmale aus den 80ern, den 90ern und dem modernen Elektrosound der Stunde auf und mischt diese so homogen, dass daraus eine Wolke von wohlig, satter Musik entsteht. Mit Day 1 und Sometimes sind Honne wieder auf der Tanzfläche zurück und bereichern uns durch ihren warmen Sound.

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Shallou – Entspannter Frühlingssound

Joe Boston kommt aus Chicago und ist nicht nur als Umweltschützer, sondern auch als Sänger – aber vor allem als Produzent aktiv. Seit nunmehr vier Jahren veröffentlicht der US-Amerikaner Songs via seiner SoundCloud-Seite und hat damit bereits mehr als 10 Millionen Klicks erhalten. Mit seiner, im Mai 2017 veröffentlichten, EP All Becomes Okay schaffte er erstmals den Charteintritt in die US-Dancecharts und landete mit Begins auf Platz 43. Mit seiner neuen Ep Souls, die genau ein Jahr nach All Becomes Okay am 27. April 2018 veröffentlicht wird, hebt Shallou – wie sich Joe Boston nennt – seinen Sound auf ein neues Level. Mit entspanntem House und einem Pop-affinen Sound wird Shallou massentauglich – ohne sich wirklich verändern zu müssen. Was vor Jahren noch Nischenmusik war, ist heute in der breiten Masse angekommen. Vielleicht passt Shallou mit seiner EP Souls und dem Song You And Me gerade deshalb so gut rein. Perfekt, um die ersten wärmenden Sonnenstrahlen zu genießen, bereitet uns You And Me auf Glücksgefühle und Spaß im Freien vor. Wer kann da schon nein sagen?!

Die Fantastischen Vier feat. Clueso – Ironie hoch 5

Seit fast 30 Jahren sind die Fantastischen Vier eine feste Instanz in der deutschen Musiklandschaft. Nur ein Drittel kürzer ist der Erfurter Clueso dabei und in den letzten Jahren äußerst erfolgreich mit seinen Alben. Bisher mit Einfach Sein (2007) erst eine einzige Kollaboration eingegangen, folgt nun abermals der Ausflug, einen Gastsänger auf einem Song zu präsentieren. Dass Clueso dabei die perfekte Wahl ist, zeigt alleine schon die Art der Band und des Sängers, Lieder zu singen – beide kommen aus dem Hip-Hop-Bereich. Auch gemein haben beide Acts, dass sie in den Jahren immer weiter zum Pop übergegangen sind und sich hierbei nochmals richtig ausleben konnten und immer noch können. Auf Zusammen singen die Fantastischen Vier und Clueso darüber, dass man sich manchmal zusammenfinden muss, um stark zu sein. Dass dabei das Musikvideo eine ganz andere Sprache spricht, liegt in der Natur der Fantastischen Vier. Hier zeigen sie – und vor allem Michi Beck – ihre uneingeschränkte Abneigung gegenüber des „Neulings“. Bär Läsker tritt dabei als ideengebender Produzent auf und merkt schließlich, dass die Idee nicht das wahre war. Mit einem Augenzwinkern sind diese siebeneinhalb Minuten fast schon Kurzfilmniveau. Dazu kommt der, direkt ins Ohr gehende Beat, der sich modern und sehr radiotauglich gibt. Mit Zusammen sind die Fantastischen Vier einmal mehr mit einer starken Popnummer zurück und haben mit Clueso die beste Verstärkung im Gepäck, die es aktuell gibt.

Snow Patrol – Don’t Give In

Seit nunmehr 25 Jahre ist die Nord-Irische Band Snow Patrol zusammen unterwegs. Lange Zeit nur in Irland erfolgreich, schafften sie 2006 mit Chasing Cars den Durchbruch und landeten in den Top-10 der internationalen Charts. Dass sie dies mit einem Song aus ihrem vierten Studioalbum Eyes Open (2006) schafften, war die Beute langer Arbeit. Denn bereits mit den Alben Songs For Polarbears (1998), When It’s All Over We Still Have to Clear Up (2001) und Final Straw (2003) hatten auf den britischen Inseln Erfolge zu vermelden und stießen 2003 sogar auf Platz 1 der irischen und Platz 3 der britischen Albumcharts vor. Seit ihrem Erfolg durch Chasing Cars prasselten die Gold- und Platinschallplatten nur so über die Jungs ein und in der Folge lieferten Snow Patrol, um Sänger Gary Lightbody, mit A Hundred Million Suns (2008) und Fallen Empires (2011) zwei weitere, gefeierte Alben ab. Doch auf einem der Höhepunkte ihrer Karriere wurde es plötzlich still um die Band. Lange sieben Jahre sollte es dauern, bis die Fans der nordirischen Band neues Material zu hören bekamen. Dabei war der Grund nicht etwa eine kreative Auszeit – wie Lightbody im BBC Radio 2 Interview mit Jo Whiley erklärte. Vielmehr war es die Mischung aus der Unzufriedenheit des Songmaterials und einer Phase, durch die Lightbody gehen musste, um wieder voll da zu sein. Dabei zog sich das Texten der Songs am längsten hin und bedeutete die schwierigste Phase. Denn hier musste für Lightbody eine Veränderung in seinem Leben her. Hatte er sich in seiner Kindheit mit einem Alkoholiker als Vater auseinanderzusetzen, zerfraß ihn das über die Jahre immer mehr, wie er im Interview äußerte. Dies ging schließlich so weit, dass er Anfang der 2010er schließlich am eigenen Tiefpunkt angekommen war und sich bewusst wurde, dass es tiefer nicht mehr gehen darf. Über diese Phase singt Lightbody nun auf dem kommenden Album Wildness, welches am 25. Mai erscheinen wird. Darauf enthalten ist die nun veröffentlichte Single Don’t Give In, auf der er den Ausbruch aus diesem Tiefpunkt beschreibt. So musste er aus dieser Phase rauskommen, um darüber schreiben zu können und kann nun damit deutlich positiver umgehen, was man auch in Don’t Give In hören soll. Dabei klingt Don’t Give In fast, als würde es ein Nachruf auf die dunkle Vergangenheit sein. Ein Abschluss eines Kapitels, welches nicht mehr Teil des Lebens sein soll. Dabei ist der elektronische Sound der letzten beiden Alben, einem rauen und puren Akustiksound gewichen. Hier singt Lightbody mit gebrochener Stimme und wird von der Band in einem hallenden Chor durch den Refrain begleitet. Damit läuten Snow Patrol eine neue Zeit in ihrer musikalischen Laufbahn ein und packen uns mit einem emotionaleren Sound. Mit Don’t Give In hat Gary Lightbody dem Alkohol abgeschworen und uns eine ganz neue Seite Snow Patrols gezeigt, der wir Wort für Wort folgen.

Sofi Tukker – Dancepop mit Biss

Alle zwei Jahre einen Schritt auf der Karriereleiter tätigen – 2014 gegründet, 2016 mit Soft Animals die erste EP veröffentlicht, folgt nun 2018 ihr Debütalbum Treehouse – so kann man den Werdegang des New Yorker Duos Sofi Tukker beschreiben. Auf dem Debütalbum enthalten, ist die Single Best Friend, die seit Monaten durch die Clubs geistert und bei der iPhone X Präsentation am 12. September 2017 erstmals vorgestellt wurde. Dabei zieht sich ein tiefer Bass durch den gesamten Song und werfen sich Sophie Hawley-Weld und Tucker Halpern abwechselnd die Gesangsblöcke zu. Hawley-Weld klingt dabei frech und man meint über die gesamten drei Minuten ein gewissen Grinsen als Unterton rauszuhören. Mit Best Friend haben Sofi Tukker sich die Türen geöffnet, um den nächsten großen Hype auszulösen und stehen dabei auf solidem Grund. Mit ihrem, für April angekündigten Debütalbum und den bereits bekannten Songs F**k TheyEnergia und Baby I’m A Queen zeigen Sofi Tukker, dass der Club ihnen gehört und sie es darauf anlegen die Nacht durchzutanzen.

Kimberose – Next Big Thing

Bereits im letzten Jahr hatte die Französin Kimberose mit einer ersten EP für einen Sturm der Begeisterung gesorgt. Darauf enthalten war die Single Sorry, die nun auch auf ihrem, am Freitag veröffentlichten, Debütalbum Chapter One zu finden ist. Hierbei glänzt die Tochter eines Briten und einer aus Ghana kommenden Mutter mit Soulmusik der alten Schule. Nina Simone und Amy Winehouse als Einflüsse genannt, singt Kimeberose so ergreifend und emotional, dass man sich mit einem Glas Rotwein zu ihr setzen möchte. Kimberose hat diese Stimme und den Sound, wie ihn nur alle paar Jahre eine Künstlerin hervorbringt, reiht sich in eine Reihe mit Amy Winehouse, Joss Stone oder Kovacs ein und überzeugt als Ausnahmetalent. Die 26 Jährige peilt damit nicht nur die Top-5 der französischen Albumcharts an, sondern sorgt auch für ausverkaufte Hallen und muss ihre Konzerte aktuell ständig in größere verlegen – nicht die schlechtesten Vorraussetzungen, um ganz groß zu werden. Mit Kimberose hat der Jazz und Soul einen neuen Star am Himmel und sie dürfte auch hierzulande nicht mehr lange unbekannt bleiben.

Dermot Kennedy – Beängstigend kräftig

Es braucht keine 60 Sekunden, bis uns der Songs Young & Free packt und einen betroffenen Schauder über den Rücken laufen lässt. So emotional, so kräftig und drückend singt der irische Singer/Songwriter Dermot Kennedy seinen gerade veröffentlichten Song. Dabei begeistert Kennedy durch eine rauchig, raue Stimmefärbung und einen emotionalen Songtexte. Mit Vorbildern wie David Gray und Glen Hansard wuchs Kennedy auf und traf letzteren sogar bei Hansards alljährlichen Heiligabend-Streetgigs in Dublin. Dabei spielt Kennedy zusammen mit Hansard ein paar Minuten und schaffte es ein paar Jahre später sogar für einen Song auf die Bühne eines Hansard-Konzertes. Dass dieser Eindruck prägend sein sollte, hört man nun auf seiner neuen Single Young & Free, die so emotional und ruhig ist und letzte Woche veröffentlicht wurde. Dermot Kennedy ist damit ein Künstler den wir verfolgen und 2018 wohl noch so einiges zu hören bekommen werden.

Chris James – Keine Angst vor Pop

Pop hat heute einen recht negativen Beigeschmack. Zu oft gibt es lieblose Produktionen, die von „Stimmgebern“ präsentiert werden. Dass die Festplatten vieler Plattenfirmen voll mit vorproduzierten Songs sind, die nur darauf warten, einem neuen Sänger oder Sängerin übergestülpt zu werden, wird niemanden überraschen, doch ist gerade der Mut zum waschechten Pop oft lohnenswert. Dabei war sich der in Deutschland lebende Amerikaner Chris James lange gar nicht bewusst, was er wollte und reiste von Hilden, in Nordrhein-Westfalen, nach Los Angeles, Nashville, um schließlich – wieder zurück in Deutschland – nach Berlin zu ziehen. All diese Etappen beeinflussten James so sehr, dass er sich zwischen R&B, Songwriter und Pop für letzteres Schwergewicht entschied. Natürlich nicht, ohne auch ein bisschen von den anderen beiden Genres zu übernehmen. Auf seiner aktuellen Single I Know You Can Dance präsentiert James dann auch mit einer gewissen Kindsköpfigkeit seinen Song, der mit einem markanten Sound und dem wunderbar, rhythmischen Refrain direkt ins Ohr geht. Hier wird man an Songs à la Britney Spears‘ … Baby One More Time oder High School Musical erinnert. Mit schmissigen Gitarren und Breakbeats rechnet man jeden Moment damit, dass eine Baseball- und Cheerleadermannschaft um die Ecke kommt und eine Choreografie abliefert. I Know You Kan Dance ist ein Moment fernab von Stress, der einfach nur Spaß macht.

7fields – Knisternd, intimer Elektro

7fields ist nicht neu auf der Bühne, doch kennt den Künstler unter diesem Alter-Ego wohl kaum jemand. Dabei macht Wolfgang Schrödl bereits seit über 20 Jahren Musik und ist damit durchaus erfolgreich. Denn als Frontmann der Rockband Liquido und ihrer Single Narcotic hatte Schrödl es 1998 bis auf Platz 3 der deutschen Singlecharts geschafft und darüber hinaus auch in Europa einen Hit gelandet. Machte er mit Liquido bis 2009 zusammen Musik, brauchte es knapp 7 weitere Jahre, um sich zu dem Schritt einer Soloplatte zu motivieren und das, obwohl er immer wieder von vielen Wegbegleitern dazu animiert wurde. Mit seinem gleichnamigen, 2017 veröffentlichten, Debütalbum überraschte der Sänger, der vormals mit Rocksongs bekannt wurde, durch einen reduzierten, elektronischen Sound, der zwischen Instrumenten und Reglern eine Art Elektro-Folk erzeugt. Mit seiner, nun veröffentlichten, Single What We Have Done kündigt Schrödl alias 7fileds nicht nur sein zweites Album an, sondern zeigt einmal mehr, wie wandelbar der Musiker ist. Bleibt er seinem satten Elektrosound treu, kann man die Verliebtheit zur Genauigkeit in den Zwischenräumen des Songs hören. Da sorgt ein leises Knistern für Wärme und fricklige Synthieklänge für eine Orientierungslosigkeit, die durch einen wohligen Beat und Schrödls sanften Gesang wieder aufgefangen werden. What Have We Done ist ein Traum, der versucht, den Hörer zu isolieren und einzunehmen. Dies schafft Schrödl mit der ersten Singleauskopplung und lässt das Verlangen nach mehr aufkommen.

Xavier Rudd – Auf in eine neue Welt

Als Singer/Songwriter und Multiinstrumentalist ist der Australier Xavier Rudd in den letzten Jahren zu einem der größten Geheimtipps geworden. Denn oftmals sitzt er barfuß und umgeben von Perkussion, Trommeln und anderen Instrumenten auf der Bühne, um seinen akustischen Sound zu präsentieren. Mit dem Remix von Follow The Sun hatte er hier bereits vor vier Jahren ein Ausrufezeichen gesetzt. Doch was jetzt auf uns zukommt ist größer – viel größer. Und so veröffentlicht Xavier Rudd im Mai sein nunmehr neuntes Album, welches er passender Weise Storm Boy betitelt hat und arbeitete hier erstmals mit einem Produzenten zusammen. Da der Sound allerdings nicht beliebig klingen sollte, hat er sich mit Chris Bond einen Produzenten ausgesucht, der bereits für Ben Howard und Justin Nozukas Alben verantwortlich war. Genau diesen Sound präsentiert Rudd jetzt mit seiner ersten Singleauskopplung Walk Away, die nicht mehr klein denkt. Da kommen große Momente mit Trommeln und Gitarren genauso vor, wie ein elektronischer Beat, der Rudd allerdings niemals die Show stiehlt. Walk Away lehnt sich an Hymnen à la Dario Gs Sunchyme an und behält sich den akustischen Songwriter-Stil, den Rudd über die letzten Jahre so beliebt werden lassen hat, mit einem neuen, modernen Anstrich, der viele neue Fans dazukommen lassen wird.