Zoe Durrant – Ein Traum von einem Song

Stellt Euch vor; ihr wart Teil einer schwedischen Band. Habt somit als Little Majorette Musik veröffentlicht, euch auf eine Auszeit geeinigt und macht nun solo Musik – und booom, findet ihr euch im Soundtrack einer Grey’s Anatomy Episode wieder. So geschehen mit Zoe Durrant, die mit ihrem Song Bridge in Episode elf der 13. Staffel zu hören war. Diese wurde Anfang 2017 in den USA ausgestrahlt und hat ihr nicht wenig Aufmerksamkeit zukommen lassen. Dass ihr Facebookprofil dennoch nur etwas mehr als 200 Likes anzeigt, dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass am Tag der Ausstrahlung, der 2. Februar 2017, noch kein eigenes Facebookprofil der Sängerin existierte – welches sie erst vier Tage später eröffnete. Doch ebenfalls in dieser Woche im Februar veröffentlichte Durrant die 4-Song-EP Island, die Bridge enthält. Nun, knapp neun Monate später kriecht der Song auch weltweit in die Köpfe vieler Musikliebhaber. Dabei ist Bridge ein Song, der eine Blase zu sein scheint. Abgeschirmt vom Trubel der Welt und Post-Apokalyptisch klingend, schwellt Bridge mit einem hypnotisierenden Sound, der vom ehemaligen Little Majorette-Bandkollegen Petter Winnberg produziert wurde, und lässt Zoe’s Gesang fast in Dream-Pop übergehen. Aus Großbritannien kommend, suchte sich Durrant vor zehn Jahren in Schweden einen Ort aus, um musikalisch Erfolg zu haben. 2017 ist ihr dies gelungen und wir hoffen, dass die EP Island nicht das Einzige sein wird, was wir von der Sängerin musikalisch hören werden.

Advertisements

Franz Ferdinand – Sie blasen uns weg!

Franz Ferdinand sind eine Institution der 2000er Indie-Bewegung. Mit ihrem wegweisenden, 2004 veröffentlichten, Take Me Out wurden sie über Nacht zu Stars der britischen Musikszene. Es folgten teils sehr am Pop orientierte, als auch ambitionierter Artrock Stücke, wie auf dem Album der – als Supergroup aus Franz Ferdinand und Sparks formierten – Band FFS. Jetzt haben Franz Ferdinand, ohne Gründungsmitglied Nick McCarthy, dafür aber mit den beiden neuen Bandmitglieder Dino Bardot und Julian Corrie mit Always Ascending nach fünf Jahren ein neue Album angekündigt – klammert man die Supergroup-Veröfentlichung von FFS einmal aus – und katapultiert dessen gleichnamige, erste Single uns direkt in die Mitte der 2000r zurück. Mit einem hypnotischen Klavierspiel und Alex Kapranos‘ Stimme beginnend, entwickelt sich Always Ascending zu einem stampfenden Indie-Monster. Hierbei gibt das Intro Referenzen an Songs von Queen preis und wird durch einen kurzen elektronischen Bruch getrennt, zu einem klassischen Franz Ferdinand Song, der somit einmal mehr tanz-, wie ausrastbar ist. Immer dabei auch der eingängige Refrain, der zum mitsingen animiert und eine Ohrwurmgarantie bedeutet. In London und Paris produziert, hatten sowohl Philippe Zdar, eine Hälfte des französischen Duos Cassius, als auch deren Landsmänner von Phoenix ihre Hände mit im Spiel. Diese Frische arbeitet sich regelrecht durch Always Ascending und bringt Franz Ferdinand ganz groß zurück auf die Spiel- und Tanzflächen.

Wulf – Zwischen Pop und Folk

Aus den Niederlanden kommend, gibt der momentan in Amsterdam lebende Sänger Wulf als Einfluss ein großes Potpourri an Musikern an. So zählt er nicht nur Michael Jackson und Adele zu seinen Einflüssen, sondern auch Künstler wie Matt Corby, Phillip Glass, Beyoncé und Mozart. Dass sich diese Musikvielfalt allerdings nicht etwa negativ auf die Musik niederschlägt, können wir auf seiner aktuellen Single Mind Made Up hören. Denn hier klingt der 29-jährige Sänger alles andere als variabel. Beginnt Mind Made Up mit einer zurückhaltenden Gitarre und klingt Wulfs Stimme liebevoll und warm, entwickelt sich der Song im Laufe der zweieinhalb Minuten so einer wunderbaren Popballade, die mit folkigen Elementen, wie einem Chor und akustischen Instrumenten aufwartet. Dass Wulf dann doch nicht ganz so gradlinig ist, zeigt das Musikvideo. In dem er mal passend in einem Raum auf einem Stuhl sitzt und gefühlvoll singt, nur um im nächsten Moment auf einem Dach mit Lederjacke, rotem Stirntuch und weißen Turnschuhe den Refrain zu performen. Dies sollte allerdings die einzige Unstimmigkeit an diesem so schönen Popsong sein, der sich mit der wunderschön, warmen Stimme des Niederländers Wulf langsam zu einem veritablen Hits zu mausern scheint. Momentan arbeitet Wulf an seinem Debütalbum – somit dürfen wir auf einen interessanten Mix der Stile und Gegensätze gespannt sein.

All The Luck In The World – Traumhaft schön und endlich zurück

Im April 2014 kroch ein kleiner, leiser Song in die Gehörgänge der Europäer. Durch die Benutzung des, 2013 veröffentlichten, Songs Never in einem Werbeclip eines Reiseinformationsportales erreichten die drei Iren von All The Luck In The World plötzliche Aufmerksamkeit. So ruhig und intensiv, so liebevoll und schmachtend war Never plötzlich da und fortan wollten wir mehr von der Band hören. Nach der Veröffentlichung von Never folgte 2014 das Debütalbum All The Luck In The World. Nun haben wir bereits Ende 2017 und lange dreieinhalb Jahre könnte man von dem Trio keine neue Musik hören. Bis es schließlich vor einigen Wochen auf deren Facebookseite wieder frische Posts von älteren Songs gab und somit eingeschlafene Kanäle wieder aktiviert wurden. Nun haben All The Luck In The World endlich eine neue Single veröffentlicht und kündigen mit Golden October nach 3,5 Jahren Stille, ihr zweites Album an. Dabei klingt Golden October genau nach diesem Monat, der so dunkel, grau und kalt, wie farbenfroh, sonnig und mild sein kann. Golden October ist eine weitere, stille Folkballade, die mit Orchester und flehender Stimme Neil Foots eine Heimeligkeit erzeugt, die an Kaminabende an verregneten Abenden mit einem liebsten Menschen erinnern lässt – ohne, dass dieser Moment vorher je passiert sein muss. Wunderschön und so vertraut fällt fast schmerzlich auf, wie sehr wir All The Luck In The World vermisst haben. Doch die Zeichen stehen gut, dass es in naher Zukunft mehr Musik geben wird, denn ist das Trio mittlerweile zum Quartett angewachsen und sind von 114 Facebook-Likes im April 2014 zwischenzeitlich über 15.000 geworden, sind All The Luck In The World beim Düsseldorfer Barfilm Records Label untergekommen. Somit dürfte Deutschland ganz oben auf der Promoliste stehen.

Wankelmut & Björn Dixgård – Indie meets House

Wankelmut & Björn Dixgård – I Keep Calling

Beide haben bereits einige Hits auf ihrem Konto zu vermelden. Hatte die Band Mando Diao mit Frontsänger Björn Dixgård ihren größten Hit mit Dance With Somebody 2009 und erreichten Platz 2 der Singlecharts. Ebenso gelang ihnen mit dem dazugehörigen Album Give Me Fire sogar Platz 1 in den Albumcharts zu erreichen. Der Berliner DJ Wankelmut steht dem in nichts nach und hatte mit seinem 2012er Remix des israelischen Sängers Asaf Avidan – One Day/The Reckoning Song einen weltweiten Hit zu verbuchen und positionierte sich in 17 Ländern in den Top-10 – in 10 davon sogar auf Platz 1. Nun haben sich diese beiden Künstler für den Song I Keep Calling zusammengetan und ein tanzbares Stück Musik produziert. Hat Dixgård hierbei als Co-Schreiber fungiert, gab Wankelmut den Beat vor. Zusammen haben sie einen Housetrack geschaffen, der perfekt für die dunkle Jahreszeit und die hiesigen Clubs ist. Dixgårds markante Stimme und Wankelmuts unverkennbare Sounds geben I Keep Calling den richtigen Drive um ein voller Erfolg zu werden. Und wir?! Wir drücken Repeat… Repeat… Repeat…

Gengahr – Halten die Indie-Fahne hoch

Was würden wir nur ohne sie tun?! In den 2000ern wurde Indiemusik zum Pop – heute ist davon nicht mehr viel übrig geblieben und unlängst wurde Rock und Indie als tot erklärt. Doch immer wieder gibt es diese Bands, die leise und unbemerkt Alben rausbringen und ihr eigenes Publikum heranzüchten. Ein Beispiel hierfür ist die britische Band Gengahr, die bereits 2015 mit ihrem Debütalbum A Dream Outside ein kollektives Stirnrunzeln verursachten, um nur wenig später dieses Stirnrunzeln zum Freudentanz mutieren zu lassen. So beschrieb damals ein Journalist des Guardian über das Debütalbum: Das ist Psychopop mit einer starken Betonung zum Pop. Dies soll sich auch 2018 nicht ändern. Denn am 9. März 2018 veröffentlichen Gengahr ihr zweites Album Where Wildness Grows. Nach der ersten Single Carrion veröffentlichen Gengahr nun mit Mallory ihre zweite Single, die irgendwo zwischen alt-j und den Stereophonics liegt. Erinnert die Weite der Gitarren an die Waliser von Stereophonics hat die Stimme des Frontsängers Felix Bushe etwas von die des alt-j-Frontsängers Joe Newmans. Zusammen ergibt dies ein Gemisch aus morbiden Indierock und liefern Gengahr dabei erstaunlich konstant, gute Musik ab die immer auch eine kleine Portion Extravaganz besitzt.

MGMT – Die Kurve bekommen

Mit ihrem Debütalbum Oracular Spectacular hatte das amerikanische Duo MGMT 2007 für einen absoluten Hype gesorgt. Noch heute werden die Songs Kids, Time To Pretend  und  Electric Feel auf jeder Party gespielt – und das selbst bei Musikhörern fernab des Indies. Ausverkaufte Konzerte und Einsätze in Werbeclips führten zu einem Run auf die Band, dass sich Andrew VanWyngarden und Benjamin Goldwasser erst einmal eine Auszeit verabreichten und mit Album zwei alles anders machen wollten. Congratulations wurde dann allerdings so derart anders, dass sich die Fans nicht mehr in der treibenden und tanzbaren Musik wiederfanden, die sie einst von dem Duo kennen- und lieben lernten. Album Nummer drei sollte schließlich beide Sounds zusammenführen und war eine Zäsur der musikalischen Arbeit, die sich auch im Albumtitel widerspiegeln sollte – schlicht MGMT. Nun sind sie mit der ersten Single Little Dark Age aus dem gleichnamigen, vierten Album Little Dark Age zurück und zeigen abermals, dass Stillstand für sie nicht in Frage kommt. Mit einem satten 80er-Jahre Sound und dunklen Synthies spielen sich MGMT zum perfekten Soundtrack einer Retro-Krimiserie. Mit einer Haarpracht wie einst Robert Smith von The Cure und extra Lidschatten haben sich MGMT so selbst zurück ins Rampenlicht katapultiert und überzeugen mit einem Song, der nicht besser den aktuellen Sound mit Retro verbinden könnte. Die Freude steigt – auch wenn das Album erst für 2018 angekündigt wird – und wir sind gespannt, ob sich dieser Sound durch das komplette Album ziehen wird.

 

Tash Sultana – Unglaublicher Crossover Sound

Bereits im Mai präsentierte SOML Euch hier die Australierin Tash Sultanas und ihren Song Murder To The Mind, der mit einem fantastischen Mix aus Pop und Rock begeisterte. Dabei hatte es Sultana 2017 nicht leicht, ging ihre Musik in Australien förmlich durch die Decke, musste sie diesen Sommer viele Konzertauftritte – aus gesundheitlich gründen – absagen. Nun ist ihr Berliner Konzert für den 1. November angesetzt und pünktlich dazu bringt sie auch gleich neue Musik mit. Vor wenigen Tagen veröffentlichte die Australierin nämlich mit Mystik einen neuen Song und haut damit abermals alle vom Hocker. Mystik fesselt mit einem spannenden Crossover-Sound aus Pop, Rock und Jazz und präsentiert dabei wieder wunderbar Sultanas soulige Stimme. Zum Ende bricht der Song schließlich aus und wird, mit seinem treibenden Instrumental-Part, nochmals richtig groß. Wer die Gelegenheit ergreifen möchte und am 1. November noch nichts in seinem Kalender zu stehen hat, sollte sich eine Karte für das Berliner Konzert besorgen und sich Tash Sultana nicht entgehen lassen.

Nick Mulvey – Songwriting mit Lateinamerikanischem Einfluss

Der 32 jährige Brite Nick Mulvey hat bereits einiges in seinem Leben erlebt. Wurde er 1984 in Großbritannien geboren, zog er mit 19 Jahren nach Kuba, um dort Musik zu studieren. Vier Jahre später, wieder zurück im Königreich, schrieb er sich an der Uni für Ethnomusikologie ein und begegnete seinen zukünftigen Bandkollegen, mit denen er 2008 die Band Portico Quartet gründete. Trotz des Erfolges und einer Mercury Music Prize Nominierung verließ Mulvey die Band bereits 2011 um solo erfolgreich zu werden. Dass dies eine gute Entscheidung war, können wir nun auf seinem zweiten Soloalbum Wake Up Now hören. Darauf enthalten ist die verträumte Indie-Folk-Ballade Mountain To Move. Mit einem Banjo, Mulveys leidender Stimme und einem stampfenden Takt vertreibt Mountain To Move den nahenden Herbst und nimmt uns noch einmal mit in den warmen Sommer – direkt nach Lateinamerika. Seine Musik wird vor allem durch das Benutzen des Stahlblechinstrumentes Hang geprägt. Mountain To Move will uns mitnehmen, auf eine Reise in die Ferne und Wärme – da steigen wir doch gerne dazu.

Dagny – Norwegian’s next big thing!

Wir können uns gar nicht weit genug aus dem Fenster lehnen, um zu sagen, dass Dagny Norvoll Sandvik, oder kurz Dagny, das nächste große Ding sein, welches einen Hit nach dem anderen veröffentlicht, sein wird. Ihre Art Musik, Bilder und Videos zusammenzubringen, beschreibt den Erfolg schwedischer und norwegischer Musiker wie Robyn, Tove Lo und auch Abba. Denn zu der legendären schwedischen Popband lassen sich bei Dagny doch recht viele Übereinstimmungen finden. Vom musikalischen Aufbau der Songs, über eine klassische Popstimme, bis hin zu den farbenfrohen Musikvideos, gibt sich Dagny dem Pop vollkommen hin. Dabei entstehen Songs, wie ihre aktuelle Single Wearing Nothing die mit einer euphorischen Unbeschwertheit begeistern. Da hören wir einen kräftigen Dancebeat, zu einer singenden Dagny, die auf einem College-Schulhof passen würde. Wearing Nothing ist eine große Popnummer, die hoffentlich auch bald in den Deutschen Radios ankommen wird.