Woodes – Steter Tropfen höhlt den Stein…

Woodes – Run For It

….oder, wie Elle Graham, alias Woodes, es nennen würde Run For It. Denn so heißt die neueste Single der 24-jährigen australischen Sängerin. Diese hat sich in den letzten Jahren eine erstaunliche Fangemeinde erarbeitet. So hat Woodes seit drei Jahren einen kontinuierlichen Wachstum ihrer Popularität vorzuweisen. Veröffentlichte sie 2015 bereits erste Kollaborationen, schaffte sie es mit diesen Songs in die lokalen Charts und Playlisten. Bereits 2016 wurden ihre Songs weltweit in die Playlisten von Spotify und iTunes im Bereich New Indie Tunes aufgenommen und schafften es so auch nach Amerika und in Europa nach Finnland, Deutschland und Spanien. 2017 soll nun ihr großer Durchbruch folgen. So hat sie bereits in ausverkaufte Hallen als Support für Acts wie Shura und NGAIIRE gespielt und bläst nun mit Run For It wieder zum Angriff auf die weltweiten Radiostationen. Run For It ist eine stampfende Indie-Pop Nummer, die vor allem durch Woodes‘ markanten Gesang – der irgendwo zwischen burschikoser Verschmitztheit und sphärischen Frauengesang liegt – getragen wird. Groß im Refrain, mit Trommeln und düsteren Beats, hat Woodes einen Song veröffentlicht, der nur so nach Aufmerksamkeit und einen Ohrwurm schreit!

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Oscar And The Wolf – verträumt mitreissend

Oscar And The Wolf – Breathing

Eine Stimme, die so unverwechselbar ist, dass man sich fragt, wer dahinter steckt. Unter dem Alias Oscar And The Wolf singt der Belgier Max Colombie nämlich betörend intensive Songs. Anfangs noch mit vielen Instrumenten spielend, entwickelte sich Oscar And The Wolf immer weiter und entdeckte die elektronische Musik für sich. Was man 2015 bereits mit der Zusammenarbeit Raving Georges zum Song You’re Mine hören konnte. Mit einem Nummer-1 Debütalbum und vier Top-10 Singles in Belgien gehört Oscar And The Wolf definitiv nicht mehr zu den belgischen Newcomern. Anders sieht dies in Deutschland aus, wo er noch weitestgehend unbekannt ist. Mit dem Song Breathing dürfte sich das nun allerdings ändern. Hört dieser sich doch so unglaublich nach einer Sonnenuntergangsparty an, dass man sich in leichten Stoffen gehüllt an einen Strand in der Karibik denkt. Hier trifft ein treibender Beat mit einem Takt aus klatschenden Sounds auf die einzigartige Stimme Colombies. Leise und völlig unaufgeregt schleicht Breathing sich von den Ohren bis in die Zehen und gibt den Takt an. Breathing transportiert einen so frischen elektronischen Sound, dass wir alle sofort losziehen möchten und diesen Song als Soundtrack auf dem Ohr haben wollen.

Gloria – Vom Ausgrenzen zu IMMER NOCH DA

Gloria – Immer Noch Da

Er hatte Tschüß gesagt. Im TV hatte Klaas Heufer-Umlauf dieses Jahr so einiges zu bieten. Im April in der NDR Talkshow noch eine Ode an die europäische Union gehalten und dazu aufgerufen, für diese Union zu arbeiten, gab es im Juni die Verabschiedung der langjährigen TV-Show Circus HalliGalli (alias MTV Home, alias neoParadise). Seit 2013 hat sich Heufer-Umlauf mit der Band Gloria zusätzlich ein Standbein als Musiker geschaffen. Zusammen mit Mark Tavassol von Wir Sind Helden haben die beiden bereits zwei Alben veröffentlicht. Nun kündigen sie das dritte Album an und veröffentlichen mit Immer noch da die erste Single daraus. Diese zeigt Gloria sowohl musikalisch, als auch inhaltlich so ganz anders als das, wofür Heufer-Umlauf in der Regel steht. Hier finden sich weite Beats und große Synthies und treffen auf einen eindringlich singenden Heufer-Umlauf. Textlich auf den Erfahrungen der letzten Jahre aufbauend, behandeln Gloria hier die Situation Freunde, Kollegen oder Bekannte zu treffen und mit einer politischen Meinung konfrontiert zu werden, die gegen die Aufklärung ist. Die zeigen Textzeilen wie Was haben diese Haken, zu allem Unglück darauf verloren, Du wurdest doch anders geboren. Und so beschreibt Tavassol den Song auch mit der Erkenntnis, dass die Rechten sagen, die Aufgeklärten spinnen und die Aufgeklärten grenzen aus, anstatt die Leute mitzunehmen. Diese Sackgasse der Gesellschaft spiegelt sich auf Immer noch da wieder und macht Gloria nicht nur damit zu einer der aktuelle ernstzunehmenden und wichtigsten deutschen Bands.

SYML – Vom lauten Indie zum leisen Folk

SYML – Where’s My Love

Er scheint für die Musik zu leben. Brian Fennell ist nicht nur Kopf der amerikanischen Band Barcelona, sondern hat mit seinem nun begonnen Projekt SYML genau das Gegenstück seiner Band-Songs eingeschlagen. Mit It’s About Time klangen Barcelona nämlich 2011 noch nach feinstem Indie. Doch hat die Band, die es seit 2005 gibt und bis heute bereits sieben Alben veröffentlicht hat, den ganz großen Erfolg noch nicht erleben dürfen. So hat sich Fennell abseits des Bandlebens einen zweiten musikalischen Weg gesucht und mit SYML als Soloprojekt gefunden. Damit ist der in Seattle wohnende Musiker nun überraschend sensibel zurück. Mit der Single Where’s My Love kehrt Fennell seine intimsten Gefühle nach außen. Mit leisem Klavier und Gitarren, sowie Chorgesängen ist Where’s My Love so intensiv, traurig und präsentiert eine Hoffnungslosigkeit, dass sich Fennell vor wenigen Tagen bei Twitter sich selbst erklären musste und in einem kurzen Satz schrieb „I’m not always sad … I’m happy to be playing my 1st show in London …“ – Ich bin nicht durchgehend traurig …. Ich freue mich meine erste Show im London zu spielen. Fennell zeigt so, dass in ihm nicht nur das Herz des Frontsängers einer Indierockband schlägt, sondern es auch auf die ruhigen Momente ankommt. Wunderbar leise und intim tanzt Where’s My Love so in unser Ohr und setzt sich hier fest. Dabei kommt der Name SYML aus dem Walisischen und bedeutet in etwa simpel – doch würde hier eher reduziert passen. Brian Fennell hat mit Where’s My Love den perfekten Song für den kommenden Herbst veröffentlicht.

Giant Rooks – Ein grandioser Weg an die Spitze

Giant Rooks – Bright Lies

Es bedarf nur einer EP um sich einen Namen zu machen. Mit der im Januar veröffentlichten EP New Estate haben Giant Rooks aus Nordrhein-Westfalen den urtypischen Sound des britischen Indierocks nach Deutschland geholt und gezeigt, dass dieser Sound nicht von der Insel kommen muss. Mit dem Titelsong New Estate zeigten sie, dass ihnen schneller Indie absolut steht und die Band bereit für alle Konzerte ist und im Club ganz wunderbar funktionieren. Nun haben die fünf Jungs die Single Bright Lies veröffentlicht, die mit ihrem trägen Schlagzeug und den langsamen Gitarren einen absoluten Gegenpol zur Single New Estate darstellt. Frontsänger Frederik Rabe singt dabei in einer wahnsinnig packenden Klangfarbe, die nicht nur an die britische Band Alt-J erinnert, sondern dieses Gefühl, die Qualität und den Sound dieser Band aufnimmt. Doch als Plagiat sollen und können Giant Rooks keineswegs gesehen werden, zeigt doch Bright Lies zum Ende hin, dass Giant Rooks auch hier – auch wenn es nur ein kurzes Intermezzo ist – nicht auf den Indierock verzichten möchte. Dabei zeigt selbst das Video diesen Gegensatz und springt zwischen modernen, hochauflösenden Sequenzen, sowie Retro-Betafilm-Ausschnitten hin und her. Giant Rooks lassen einen durch ihre Qualität sprachlos dastehen und zeigen durch Ihre Songs, wo die Richtung hingeht – nach ganz oben.

Thirty Seconds To Mars – Wer kann übers Wasser laufen?!

Thirty Seconds To Mars – Walk On Water

Angekündigt hatten Thirty Seconds To Mars ihr fünftes Album bereits im Frühjahr, nun hatte sich diese Ankündigung in den letzten Wochen nochmals konkretisiert und wurde gestern schließlich, durch die Veröffentlichung der ersten Single Walk On Water zum Fakt! Mit dieser ersten Single seit 4 Jahren verbindet das amerikanische Trio den American Dream mit der Frage, wie weit das gehen darf. Dabei stellen sie mit der Aussage Time’s are changing immer wieder fest, was sich in den letzten Monaten in den USA verändert hat. Von den Far Right Gruppen, über den Umgang mit der Wahrheit und dem Traum der Amerikaner, stehts das Richtige zu machen. Dabei klingen Thirty Seconds To Mars zwar immer noch deutlich nach Rock, haben allerdings auch mehr elektronische Beats hinzugefügt. Groß waren sie schon immer. Konnte man bei Thirty Seconds To Mars Songs auch immer gut mitsingen, haben sie mit Walk On Water noch einen oben draufgesetzt und eine Mitgröll-Hymne veröffentlicht, die in Zeiten von einem äußerst gespaltenen Amerika klar zeigt, wo sich die Band positioniert.

James Hype – Wenn der Name Programm ist

James Hype feat. Kelli-Leigh – More Than Friends

Es sollte der größte Hit der amerikanische R&B-Girlgroup EnVogue werden. Don’t Let Go (Love) schaffte es 1997 in über 13 Ländern in die Top-10 der Singlecharts. Dass die 90er Jahre heute wieder aktueller denn je sind, zeigt sich seit ein, zwei Jahren vor allem in der britischen Houseszene. Nun gesellt sich mit James Hype ein weiterer DJ dazu, der nicht nur mit seinem Namen zum Hype wird. Denn Hype hat sich als Debütsingle keinen geringeren Song als den EnVogue-Klassiker Don’t Let Go (Love) vorgenommen und als gesangliche Unterstützung die Britin Kelli-Leigh dazugeholt. Herausgekommen sind 2:20 Minuten voll gepackt mit tiefen Bässen, einem klaren Gesang Kelli-Leighs und einem modernen Beat. Damit tourt Hype gerade durch die europäischen Clubs und lässt seine Version More Than Friends zu einem absoluten Grower werden, der gerade auf der britischen Insel in die Top-20 eingestiegen ist. Dass More Than Friends zum Hypesong – in zweifacher Hinsicht – wird, ist auch Hypes Nähe zum Publikum zu verdanken, spickt er seine Facebook-Seite doch fast täglich mit kurzen Videoclips von Auftritten und Erlebnissen. Damit ist Hype nicht nur unglaublich sympathisch, sondern sorgt auch dafür, dass sich More Than Friends wie ein Lauffeuer verbreitet.

Sigrid – Das ist der Plot Twist

Sigrid – Plot Twist

Mit Don’t Kill My Vibes hatte Sigrid im Frühjahr einen absoluten Hit abgeliefert. Nun veröffentlicht die Norwegerin mit Plot Twist eine weitere Single, die aus schweren Rhythmen und einen schwelgenden Beat besteht. Ähnlich wie bei der Dänin MØ trifft bei Plot Twist ein melancholischer Unterton auf einen Indie-Gesang mit hoher Stimme. Sigrid klingt dabei frisch und jung und ist dabei unglaublich tanzbar. Plot Twist ist wiedereinmal perfekt als Hymne durch eine laue Sommernacht und bleibt dennoch verschmitzt und voll jugendlichem Leichtsinn.

Jata – Zwischen Saudade und Monster

Jata – Monster

Ein wahrer Weltenbummler ist Jata, alias Jacob Vetter, schon immer gewesen. Arbeit seine Frau für die UN und muss viel reisen, hatte Jata bereits früh seine Liebe für das Reisen entdeckt und wohnte so bereits in Washington, Mexiko, Frankreich und der Schweiz. Washington war es dann aber, das als ein großer Einfluss auf Jatas spätere Musik ausschlaggebend sein sollte. Denn klingt seine Musik nach einer Mischung aus Pop und modernem R&B, den er in Washington kennenlernte, legt er einen starken Elektrobeats über seine Songs. Von seinem Aufenthalt in Mexiko hatte er sich die Beschreibung Saudade eingeprägt. Dieses Wort umfasst das Gefühl aus Wehmut, Melancholie, Sehnsucht und Nostalgie. Genau hier setzt Jatas Musik ein – dunkle, schwere Beats mit fast schon klagendem Gesang und einer ordentlichen Ladung Soul sind so zum Markenzeichen für Jata geworden. Seine, im Herbst 2016 veröffentlichte Single Ebony war dabei bereits ein großartiger Vorgeschmack auf das am 1. September erscheinende Album Mexico. Die Single Monster büßt hier kein bisschen ein und ist eher noch stärker im R&B und Soul zu Hause als im Elektropop. Hierbei erinnert der Beat irgendwie an Ginuwines Pony und unterstreicht somit, welchen Einfluss Washingtons R&B-Szene auf ihn hatte. Alles selbst geschrieben, produziert und eingesungen, ließ Jata nur zum Abmischen den Briten Ash Workman an seine Musik – der bereits Christine And The Queen, Tensnake und Metronomy produziert hatte. Herausgekommen ist eine starke Single und ein Album, das die Vorfreude durch Songs wie Ebony und Monster deutlich wachsen lässt.

Kettcar – Mit einem Schlag ins Gesicht zurück

Kettcar – Sommer ’89

Wie politisch darf oder viel mehr muss Musik sein, um ihren Einfluss auch geltend zu machen? Hier gibt es viele Beispiele von oberflächlicher, politischer Meinungen, die allerdings immer nur eine Strömung wiedergeben. Anders sind Bands wie Kettcar, die sich klar positionieren. Hierbei sympathisieren sie allerdings nicht etwa mit einer bestimmten Parteienrolle, sondern treten für Menschlichkeit, und Gleichberechtigung aller ein. Dass wir dieses Einstehen fünf Jahre lang bitterlich vermissten, wird bei Kettcars neuer Single Sommer ’89 klar, die in nur fünf Minuten so viel, der Geschehnisse der letzten Jahre, zusammenfasst und sich dabei auf ein Beispiel aus der Geschichte bezieht. Denn wir wissen alle, Geschichte wiederholt sich und ist der Ausgang bekannt und negativ, muss man dagegen aufstehen. In Sommer ’89 stehen Kettcar, um den Frontsänger Marcus Wiebusch auf und besingen die Situation des Flüchtenden. Nicht etwa auf seinem Weg über die Balkan-Route, sondern über den Weg von Ost- nach Westdeutschland. Und hier treffen sich dann auch die wiederholenden Geschichten. Mit Wiebuschs rauchig, eindringlicher Stimme und einem bedrohlichen Gitarrensound besingen Kettcar diese Situation und klingen nach einer erwachsenen Gitarren-Pop-Band, die an Relevanz gerade dadurch noch zugenommen haben. Ist ein großer Teil des Songs als Sprechgesang aufgenommen, kommt Wiebusch im Refrain noch eindringlicher und fast schon flehender zurück. Sehr zu empfehlen ist hierbei das Musikvideo, welches die Geschehnisse vom August 1989 als Kurzfilm wiedergibt. Damit haben sich Kettcar mit einem Schlag zurück in die politisch, musikalische Landschaft katapultiert und sind dabei wichtiger denn je.