Marian Hill – Wenn Apple neue Künstler präsentiert

Marian Hill – Down

Es war bekannt für sein Gespür für neue, aufregende Künstler. Das kalifornische Unternehmen Apple hatte Mitte der 2000er die Werbung seiner iPod Versionen mit Musik von, damals meist unbekannten, Bands wie Caesars, Florence & The Machine oder Feist unterlegt. Dann wurde lange Zeit nur noch sehr wenig Wert auf einen musikalischen Trend gelegt. Mit der aktuellen Werbung zum iPhone 7 hat Apple wieder den alten Weg gewählt und sich dafür den Song Down des amerikanischen Duos Marian Hill geschnappt. Dass hinter Marian Hill nicht etwa normale Musiker stecken, hört man bereits in den ersten Sekunden von Down, ist der Song doch ausgeklügelt und unglaublich vielseitig. Dies kommt nicht von ungefähr, haben Samantha Gongol und Jeremy Lloyd schließlich musikalische Studiengänge absolviert. Lloyd hat Komponieren gelernt und Gongol Songwriting. Somit erklärt sich auch, warum Down so unaufgeregt und betörend daher kommt. So legt Lloyd mit Hilfe eines Klaviers und sanften Basslinien einen charmanten und fast schon beruhigenden Slo-Mo-Sound um Gongols Gesang. Und ist genau dieser Gesang dabei zurückhaltend und erinnert in den Momenten, in dem Gongols Gesang als Loop und verfremdet abgespielt wird, an AlunaGeorge. So mischt das Duo R&B, Elektro, Alternative und Pop zu einem aufregend unaufgeregten Popsong zusammen, der sich im Kopf festsetzt.

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Mr. Jukes a.k.a. Jack Steadman a.k.a. Bombay Bicycle Club

Mr. Jukes feat. BJ the Chicago Kid – Angel/Your Love

Wenn der Name erklärt werden muss, ist es selten ein gutes Zeichen. Im Falle von Mr. Jukes allerdings nicht verkehrt. Steckt hinter diesem Namen doch der Frontmann der britischen Indieband Bombay Bicycle Club. War Jack Steadman hier bisher als Sänger und Gitarrist bekannt, nimmt er nun bei seinem Musikprojekt Mr. Jukes die Rolle des Komponisten und Produzenten ein. Nun bringt er am 9. Juni sein Debütalbum God First raus und präsentiert uns nun daraus seine erste Single Angels/Your Love. Diese besticht durch ganz viel Funk, Jazz und Soul und erinnert in der Produktion dennoch irgendwie an Bombay Bicycle Club. Da kommt ein Saxophon zum Einsatz, wie auch der soulig R&B-lastige Gesang des Amerikaners BJ The Chicago Kid. Dieser hat über die letzten acht Jahre bereits an mehr als 80 Songs mitgewirkt und gesungen. Was einen Output von zehn Songs pro Jahr bedeutet. Nun ist er auf dem Kollaborationsalbum von Mr. Jukes zu hören und singt in atmosphärischer Art zum Saxophon und Funk, den Mr. Jukes um ihn herum gebaut hat. Angels/Your Love ist sicherlich nicht für die breite Masse gedacht, doch zeigt Jack Steadman hier, dass Jazz und Funk nichts vom angestaubten Ruf haben, wie so oft über dieses Genre berichtet wird.

Burak Yeter – Stampfend in den Sommer

Burak Yeter feat. Danelle Sandoval – Tuesday

Mit einem absoluten Ohrwurm erobert der türkisch-stämmige DJ und Produzent Burak Yeter gerade Europa im Sturm. In Amsterdam lebend hat er seinen Song Tuesday bereits im Sommer 2016 veröffentlicht, doch erst in diesem Frühjahr zündete er so richtig. Basierend auf dem 2014er Tuesday von ILoveMakonnen feat. Drake hat Yeter einen Deep-House-Sound um die Lyrics gelegt und zusätzlich mit einem südosteuropäischen Beat für die passende Sommerstimmung gesorgt. Dabei kriecht Tuesday schwer vor sich hin und stampft uns den Sommer förmlich in den Körper. Bereits in 13 Ländern in den Top 10, ist er in jedem anderen europäischen Land zumindest in den Charts. Könnte das sogar ein früher Sommerhit für ganz Europa werden?! Das Feeling stimmt zumindest.

The Best Of 2017 Vol.: 03

The Best Of 2017 Vol. 03

 
01. Malky – Theodore

02. Ace Tee – Bist Du Down?

03. alt-j – 3WW

04. Pohlmann – Himmel Und Berge

05. Depeche Mode – Where Is The Revolution

06. Anni – Break Free

07. Jamiroquai – Automaton

08. Lana Del Rey – Love

09. Ásgeir – Unbound

10. Elbow – Gentle Storm

11. Dead Sea – 8.50

12. Hugh – This Is How It Starts

13. Judith Holofernes – Ich Bin Das Chaos

14. Michelle Branch – Hopeless Romantic

15. Linklin Park feat. Kiiara – Heavy

16. Stephanie Rainey – Please Don’t Go

17. Maggie Rogers – On + Off

18. 2raumwohnung – Somebody Lonely And Me

19. Sapphire Road – Sunbeam

20. Little Hours – Water

Feist – Ein Stimme namens Feist

Feist – Pleasure

Sie ist so klar und betörend, rastlos und genügsam zugleich. Sechs Jahre nach ihrem letzten Album Metals, kommt am 28. April das fünfte Album der kanadischen Sängerin raus. Pleasure ist dabei nicht nur der Name des Albums, sondern auch gleichzeitig der, der ersten Single. Diese begeistert mit Feists klarer Stimme, deutlichen Rockanleihen und hier und da sogar Referenzen an die Riot Grrrl Szene. Klingt Feist sowohl exzentrisch und fast schon hysterisch, werden die Gitarren immer lauter und enden in einem Aufschrei. Die stille Zeit der Leslie Feist gehört der Vergangenheit an. Die Kanadierin möchte laut sein, spielen und sich bewegen. Da ist auf der ersten Single des neuen Albums keine Sekunde lang Platz für Romantik. Diese hatte sie noch auf Let It Die und The Reminder deutlich in den Vordergrund gestellt. Nun ist es also Zeit für die lauten Töne und wir können bestätigen, dass es der 41 jährigen Sängerin steht.

Gorillaz – Mit einem Paukenschlag

Gorillaz – Humanz

Bereits im Januar veröffentlichten die Gorillaz mit Hallelujah Money eine düstere, erste Single aus ihrem neuen Album Humanz. Dieses wird am 28. April erscheinen und ist bestückt, mit jeder Menge prominenter Gastsänger. Konnten wir auf Hallelujah Money bereits Benjamin Clementine hören, werden auf Humanz De La Soul, Grace Jones oder auch Rag’n’Bone Man dabei sein. Gestern holten Damon Albarn und Jamie Hewlett allerdings zum Rundumschlag aus und veröffentlichten gleich vier Songs. Mit Saturnz Barz, We Got The Power, Andromeda und Ascension fluteten sie nicht nur die Medien, sondern setzen mit einem Mix aus Hip-Hop, Rap, Elektro, Psychedelic und Pop ein Statement, dass so nur von den Gorillaz kommen kann. Da ist der düstere Hip-Hop-Track Saturnz Barz, der mit Autotune und vor-sich-hin-kriechenden Beats ein Cyborg aus 90er-Jahre-Hip-Hop und Kanye West ist. We Got The Power hingegen ist ein purer Funksong, der mit der Stimme der Frontsängerin des Indie/Punk-Band Quartetts Savages, Jehnny Beth, begeistert und durch seine Geschwindigkeit und einer Dauer von nur 2:19 Minuten wie in einem Atemzug vergeht. Ascension ist ganz im Stil Saturnz Barz‘ produziert und besticht durch die Rap-Rhymes von Vince Staples, der im Wechsel mit Damon Albarn immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Regelrecht experimentell und futuresk sind hier die musikalischen Elemente. Doch der eigentliche Star der vier Songs ist Andromeda, der genau das bedient, weshalb Abermillionen von Menschen die Band so lieben – er ist ein fantastischer Disco-Pop-Song. Hier kommen klare Synthies, ein pulsierender Beat und der Rap des, in Deutschland geborenen, Amerikaners D.R.A.M zum Einsatz. Erinnert Andromeda an Songs wie El Mañana, ist er wieder deutlich greifbarer für die Popwelt, als die zuletzt veröffentlichten Songs. Man kann vor den Gorillaz nur den Hut ziehen, schaffen sie es doch, mit gleich vier Veröffentlichungen, alle Fanbasen zu bedienen. Werden mit Andromeda die Popfans der Band begeistert, schlagen die Briten mit Saturnz Barz und Ascension eine Brücke zum Hip-Hop der 90er und 2000er und grasen mit We Got The Power gleich mal noch ein wenig im Indie und Funk ab. Das fünfte Album Humanz wird damit wohl eines der abwechslungsreichsten Alben, einer eh schon vielfältigen Band.

Lea Porcelain – Rau und bedrückend

Lea Porcelain – Streets Of Philadelphia

Es ist einer der Momente, in der Musikwelt, bei dem man in eine Art Flashback verfällt. Ein Song, der so groß ist und so sehr für sich selbst steht, dass man ihn auch nach bald 25 Jahren noch eins zu eins im Ohr hat, sobald man auch nur den Titel hört. Mit einem Oscar und vier Grammys ausgezeichnet, war Bruce Springsteens Song Streets Of Philadelphia 1993 ein absoluter Welthit und stieg bis auf Platz eins der deutschen Singlecharts. Besticht Streets Of Philadelphia durch eine sanfte und melancholische Stimmung, kann man sich nicht vorstellen, dass genau dieser Song auch rau und bedrückend klingen kann. Genau so präsentiert ihn nämlich das Duo Lea Porcelain. Zuletzt noch live im Auster Club Berlin, präsentierte sich das Duo in Lagerhallenatmosphäre. Ihr Sound ist eigen, industriell und sensibel zugleich. Und so wundert es nicht, dass Streets Of Philadelphia hier geradezu auf die Band zugeschnitten wirkt. Ist der Song doch durch das neue Klangkostüm sowohl rau und bedrückend, als auch sensibel und isoliert zugleich. Lea Porcelain haben ein Gespür für den ganz besonderen Klang und wissen ganz genau, wie sie ihn erzeugen und zu einem Alleinstellungsmerkmal machen können, so, dass selbst ein großer Hit wie Springsteens Streets Of Philadelphia neu, frisch und nach Lea Porcelain klingt.

Kraftklub – Schrecken mit Orchester

Kraftklub – Dein Lied

Kraftklub zeigen, was in Deutschland noch möglich ist. Stets mit einem Augenzwinkern machen die Jungs aus Chemnitz Musik, die sich zwischen totalem Ausrasten, süffisanter Ironie und Gesellschaftskritik bewegt. Da gab es schon mal, für die allseits beliebte Mutterstadt Berlin, Häme, als auch für die eigenen Fans. Kraftklub sind nicht nur durch Kollaborationen mit K.I.Z., MC Fitti und Deichkind, sondern auch durch ihr wunderbares, eigenes Kosmonaut Festival, omnipräsent und halten sich gleichzeitig weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurück. So gibt es keine Klatschspaltenartikel oder Eskapaden der Jungs. Diese generieren Kraftklub ausschließlich durch ihre Musik. Und ist der Druck, nachdem sie mit ihrem Debütalbum Mit K und dem Nachfolgealbum In Schwarz direkt auf Platz 1 der Albumcharts eingestiegen sind, nicht schon genug, lässt sich das Quintett, für die Veröffentlichung des dritten Albums Keine Nacht Für Niemand, gleich mal wieder eine absolute Überraschung vom Stapel. So reicht es nicht nur, dass Kraftklub auf der neuen Single Dein Lied mit dem Jungen Sinfonieorchester Berlin aufwarten und vor einem übergroßen, brennenden K spielen. Nein, Felix Brummer und Co. wollten wohl noch einen draufsetzen und schrieben einen Text, der in anderen Ländern durch Beep-Töne zerstört worden wäre. Dazu kommt, dass Dein Lied kein Gitarrensong ist, sondern eher eine opulente Beleidigung darstellt. Doch Kraftklub beleidigen nicht etwa die Fans, sondern zeigen eben süffisant und ironisch, wie sehr die Band doch berechtigter Weise ihren Platz gefunden hat und immer wieder aufs neue überrascht.

Kasabian – Wenn ein Psycho euphorisiert

Kasabian – You’re In Love With A Psycho

Mit ihrem letzten Album 48:13 hatten die Briten von Kasabian einen, nur schwer fassbaren, Sound kreiert. Ging das fünfte Album schließlich wieder mehr zu den Anfängen des Quartetts zurück. Doch nun überraschen Kasabian mit einer ersten, neuen Single, aus ihrem, für Ende April angekündigten, sechsten Album For Crying Out Loud. Und dabei holen sie den Discosound der Siebziger zurück. You’re In Love With A Psycho ist ein Song, der vor sich hin tanzt und Einen an den Beinen packt. Für Gitarrist Serge Pizzorno war You’re In Love With A Psycho ein reiner Fingerschnipp. Brach der Text und die Melodie doch einfach aus ihm heraus und war so in weniger als 15 Minuten geschrieben. Dass dieser Song es, obwohl er in einer sehr frühen Phase der Albumproduktion entstand, zur Leadsingle geschafft hat, dürfte dem, eingangs beschriebenen, frischen Sound zuzurechnen sein. Klingen die Riffs und der Beat nach Spaß, präsentiert sich Kasabian als Band, die keine Lust hat, auf der Stelle zu stehen. Dabei schrecken sie auch nicht davor zurück, mal seichter zu klingen. Dem eigenen Anspruch voraus, setzen Kasabian so ein großes Ausrufezeichen.

Vaults – Episches Soundkleid

Vaults – Hurricane

Im Dezember noch hatte Vaults mit der musikalischen Untermalung des John Lewis Weihnachtwerbespots erstmals, als Solokünstlerin, die britischen Charts erreicht. Nun kommt sie mit einer neuen Single zurück und zeigt, dass das musikalische Spektrum der britischen Band weitaus mehr beinhaltet, als einen klassischen Song zu Covern oder als Featuring-Act in einem Dance-Song mitzuwirken. Hurricane ist dabei interessanterweise bereits vor dem Weihnachtssong One Day I’ll Fly Away veröffentlicht worden, doch wurde die Marketingmaschine, zu Gunsten des John Lewis Werbespots erst jetzt angeworfen. Dabei ist Hurricane episch groß, bedächtig und umschließt das Herz so warm, wie der Song Geborgenheit vermittelt. Vaults ist eine Band, die durch eine ungreifbare Intensität fesselt. So kann man Trauer, Aufbruch, Sehnsucht, Liebe, Wärme, Einsamkeit oder Melancholie empfinden und dennoch würde Hurricane passen.