Maggie Rogers – Vom Fleck weg entdeckt

Maggie Rogers - On + Off

Maggie Rogers – On + Off

Es ist ihr Naturell. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die amerikanische Sängerin Maggie Rogers kommt so natürlich und bodenständig rüber, dass man sie einfach sympathisch finden muss. Dazu kommt, dass die aus Maryland kommende, 22 jährige, Sängerin eine Stimme hat, die so sanft und soulig klingt, doch ebenso Songwriter-Chic besitzt, dass man sich an einen Abend mit ihr auf der Couch, beim Erzählen von vergangenen Erlebnissen erinnert – ohne, dass sie je stattgefunden haben. Rogers hat diese Vertrautheit und zeigt dies in ihren Musikvideos ebenso unbeschwert. Aufgewachsen in einem Umfeld, dass von Erykah Badu, Lauryn Hill und Vivaldi geprägt war, lernte sie Gitarre, Harfe und Klavier spielen und fing an ihre eigenen Songs zu schreiben. Hatte sie bereits zwischen 2012 und 2014 drei Alben in Eigenregie veröffentlicht, sollte der große Durchbruch noch ausbleiben. Doch, dass dies bei dieser Stimme und dem Mix aus Singer/Songwriter, Soul und elektronischen Einflüssen nicht mehr lange auf sich warten ließ, konnte Rogers feststellen, als plötzlich Pharell Williams in der Musikschule The Clive Davis Institute of Recorded Music auftauchte, in der Rogers studierte, und die Musikstudenten als Kurator einen Tag lang begleitete. Gerade hat sie ihr erste EP Now That the Light Is Fading veröffentlicht, auf der auch ihre aktuelle Single On + Off zu finden ist. Hier verbindet Rogers all diese Elemente und kreiert damit einen so einzigartigen Sound, der in den Körper und in den Kopf geht und obendrein noch die Seele streichelt. Ihrem Naturell entsprechend, eine Sängerin, mit der man gerne auf der Couch ausufernd von vergangenen Erlebnissen erzählen möchte.

Advertisements

The xx – Konzertkritik

The xx - I See You - European Tour www.soundtrack-of-my-life.com

The xx – I See You – European Tour http://www.soundtrack-of-my-life.com

Es war eine Art Heimspiel. Das britische Trio von The xx kamen, 4 Jahre nach ihrem letzten Berlinbesuch wieder in die Hauptstadt – und alle waren da. Spätestens nachdem ihr drittes Album I See You im Januar auf Platz 1 der deutschen Albumcharts einstieg, war klar, dass diese drei schüchternen Londoner keine kleine Indieband mehr sind. Dies sollte auch am vergangenen Samstag noch einmal eindrucksvoll bewiesen werden. Gaben sie doch in der Arena Berlin ein Konzert und füllten diese nicht nur, sondern sorgten für ein ausverkauftes Haus und spielten somit vor rund 9.000 Fans. Überraschend war auch, welches Publikum das Trio in die Arena zog. Hatten The xx 2013 noch im Spreepark mit ihrem eigenen Festival Night + Day vorrangig die, in Berlin so beliebten, Hipsters angezogen, fanden sich nun in der Arena von Hipsters, über Fanschal-tragende, bis hin zu Fans, nahe des Rentenalters alle Gruppen wieder. The xx sind zu einer Mainstreamband, fernab des Mainstreams geworden und erfreuen sich vor allem in Berlin einer enormen Beliebtheit.

Nur am Rande sei hier kurz erwähnt, dass die Arena Berlin keine ideale Location für Konzerte ist, die eine gewisse Klangästhetik voraussetzen. Ein James Blake oder eben The xx leiden deutlich unter der großen Halle und dem Stahlgebäude, das die Bässe blechern zurückwirft. Doch versuchen die Veranstalter und Tontechniker stets das beste und gaben so auch am Samstag alles, um die Defizite wettzumachen.

Die neue Leichtigkeit

Als Support legte der britische DJ Floating Point die erste halbe Stunde auf und untermalte das Warten mit Songs wie Argenté, Kuiper und Silhouettes (I, II & III). Floating Points moderner und entspannter Elektro war die perfekte Einstimmung auf The xx und ließ bei dem ein oder Anderen bereits die Tanzlust steigern. Um 21:15 sollte es schließlich soweit sein und Romy Madley Croft, Oliver Sim und Jamie xx betraten die Bühne. Mit Say Something Loving eröffneten sie den Abend und präsentierten damit gleich die Richtung, in die es mit der Neuausrichtung von The xx gehen sollte. Ist doch ihr drittes Album deutlich poppiger und freundlicher geworden. Dies steht der Band so gut, dass man am Samstag auch auf der Bühne ein ausgetauschtes Trio sehen konnte. Da stand Jamie xx im Hawaiihemd erhöht an seinem DJ-Pult und Romy und Oliver in schwarz gekleidet (manche Dinge ändern sich dann doch nicht) an den Mikros. Auffällig bei Say Something Loving war, dass Romy deutlich direkter sang und sich fast schon wie eine Frontsängerin präsentierte. Dies war zuvor nie der Fall, waren die drei doch viel zu schüchtern und zurückhaltend. Mit Crystalised und Island folgten dann zwei der wohl beliebtesten Songs aus dem Debütalbum xx und sorgten so für Begeisterung beim kompletten Publikum.

Der Einfluss eines Soloalbums

In den fünf Jahren, die The xx kein neues Album veröffentlichten war vor allem Jamie xx rege unterwegs und veröffentlichte mit In Colour sein hochgelobtes erstes Soloalbum. Auf diesem präsentiert sich Jamie xx deutlich positiver als noch bei den Produktionen für The xx. Und genau das sollte sich schließlich auch auf die neuen Songs von I See You auswirken. So sind die Songs Lips und Performance, die als nächstes folgten, von der neuen Präsenz Romy und Olivers geprägt. Stehen sie doch jetzt deutlich im Mittelpunkt und versuchen sich nicht mehr als unbedeutendes Beiwerk zu präsentieren. Mit einem Cover des Drake Songs Too Good überraschten sie schließlich durch ein intimes Duett, um dann mit Brave For You gleich einen weiteren ruhigen Song des neuen Albums zu spielen. Mit Infinity und VCR starteten The xx dann auch richtig durch und bekamen hier auch den letzten Fan dazu mitzusingen und zu tanzen. War die Bühne als riesiges Spiegelkabinett aufgebaut, strahlten die Scheinwerfer diffus durch die Halle und ließen die Bühne in einem Farbenmeer erscheinen. Hinzu kam, dass sich einige Spiegel- und LED-Säulen bewegten und somit die Farben in alle Richtungen projizierte.

Pop hält Einzug

Mit I Dare You folgte schließlich eine positive Hymne, bei der man mitsingen und auch mal Oooohhhhhhooohoo rufen konnte. Allein ein solcher Gesangspart war vorher nie mit The xx in Verbindung zu bringen und stand ihnen doch am Ende so gut. Mit Dangerous folgte eine Clubnummer bei der die gesamte Arena zu tanzen begann und damit den größten Dancefloor des Abends in Berlin schuf. Mit dem ruhigen A Violent Noise brachen The xx dann noch einmal die Tanzwut des Publikums auf, um dann Jamie xx so richtig zum Zuge kommen zu lassen. Hatte er doch einen Remix der beiden Songs Fiction und Sunset gespielt. Dieser war mit einer Lichtshow versehen und ließ nicht nur die Beats in der Brust spüren, sondern gleichzeitig auch ein Gefühl der Zugehörigkeit aufkommen. Dass dieses mit den schnelleren Nummern geschah, kann man dem enthusiastischen Publikum zuschreiben, das jeden Song und jeder Version dankbar annahm und zelebrierte. Darauf folgte Shelter, ehe sie mit Loud Places aus Jamie xx Album In Colour zum vorerst letzten Song ansetzten. Hier kam es dann noch einmal auf, dieses Gefühl zwischen Tausenden zu stehen, die den Song ganz unterschiedlich aufnahmen aber alle bis zur letzten Sekunde genossen. Da tanzten ausgeflippte Südamerikaner und drückten ihre Freude mit Sprüngen und wilden Gestiken aus, sowie es den ruhigen bärtigen Mittzwanziger gab, der einfach nur die Augen schloß und man erkennen konnte, wie der Song ihn durchdrang. Diese Facetten und der Reichtum, den Songs wie Loud Places auslösen, sind das eigentliche Geheimrezept des Erfolges von The xx. Und so gingen die drei von der Bühne und ließ Jamie xx den Beat einfach weiterlaufen, um dann zwei Minuten später zurückzukehren und mit On Hold diese positive Stimmung noch einmal zu erhöhen. On Hold ist derart positiv und strahlt eine Weite aus, die gleichzeitig mit Sehnsucht verbunden ist und einfach nur zum genießen anregte. Was folgte war Intro, der als gewaltiger Instrumental-Song vom Debütalbum xx bereits seit seiner Veröffentlichung begeistert.

The xx & Berlin – Eine Verbindung die bleibt

Zum Schluß setzte Oliver schließlich, mit den Worten, dass Berlin schon immer eine besondere Stadt für die Band sei, ein und beschwor die Verbindung, die Romy, Jamie xx und er zu ihr und den Menschen haben. Mit einem danke in die Menge setzten sie zu Angels an und zeigten so, wie sehr sie dem Berliner Publikum dankbar sind. Heißt es in Angels doch They would be
As in love with you as I am, they would be, in love, love, love. The xx haben in Berlin das geschafft, was die wenigsten von ihnen für möglich gehalten hätten. Erfolgreich zu sein, große Hallen auszuverkaufen und sich dennoch fernab des Poprummels abzuspielen. Dieses britische Du, dass im Teenageralter angefangen hatte mit sensiblen und introvertierten Songs die Welt zu begeistern ist zu einer großen und wichtigen Band gewachsen. Dies haben sie in der Arena Berlin gezeigt. Und so wird die Fanbindung auch die nächsten Jahre eine konstante Bank für die Band sein.

Anni – Wenn der Winter Finnland verlässt

Anni - Break Free

Anni – Break Free

Der Winter ist bei vielen, als Jahreszeit, die Unbeliebteste. Wir in Deutschland haben da noch das Glück, dass wir immer wieder von sehr freundlichen Wintern profitieren. Doch schaut man nur einmal nach Finnland, kann man sich schnell denken, dass der dortige Winter dunkel, schneereich und eisig ausfällt. Diese Winter können für die Einen der absolute Graus sein, für Künstler, wie Anni ist diese Zeit im Jahr allerdings die Quelle ihrer Songs. Es ist, als würde ein Mensch, mit verbundenen Augen, die Dunkelheit für sich nutzen und genau Dieser gleichzeitig Licht einflößen. So klingt ihr aktueller Song Break Free nach einem langsamen herauskriechen, aus der undurchsichtigen Dunkelheit. Mit einem einfachen Klangkostüm und Annis ruhiger Stimme, baut sich Break Free zu einem wuchtigen Clubtrack auf und transportiert den finnischen Winter nach Mitteleuropa.

Dead Sea – Alles auf Start

Dead Sea - 8.50

Dead Sea – 8.50

Nun endlich haben sie es geschafft! Bereits vor knapp 2 Jahren konntet Ihr hier über den Song Keep It High, der französischen Band Dead Sea lesen. Im Interview mit SOML, zwei Monate später, wurde klar, wie sehr diese Band daran arbeitet, einen Plattenvertrag zu bekommen um richtig loslegen zu können. So haben sie in den letzten zwei Jahren viel Material aufgenommen und zahlreiche Konzerte in Paris gespielt. Nun endlich hat es geklappt und Dead Sea veröffentlichen ihrer erste offizielle Single. Dabei hat sich mit dem Song 8.50 doch vom Sound her so einiges getan. War Keep It High noch ein klarer Dreampop-Song, klingt 8.50 nun deutlich mehr nach Shoegaze und dem dazu typischen, schwelgerischen Rocksound. Dabei singt Frontfrau Caro leicht abwesend und ist von verzerrten Gitarren und einem Hall umgeben, der 8.50 zu einer fast schon heilenden Melodie verhilft. Caro selbst beschreibt diesen Song so und fügt hinzu, dass auch auf 8.50 der Produktionsprozess so ablief, dass der Sound des Songs als erstes feststand und sie dann, von der Melodie inspiriert, einfach drauflos geschrieben hat. Herausgekommen ist ein wunderbarer, jung klingender, Song. Damit hat das Quartett den ersten großen Schritt gemacht und ist der nächste Schritt, mit einem Album, zum Greifen nah. Und so drücken wir ihnen die Daumen und werden Dead Sea im Auge behalten.

Ásgeir – der bessere Chet Faker?

Ásgeir - Unbound

Ásgeir – Unbound

Mit seinem fantastischen Song Nýfallið regn und der englischsprachigen Version Torrent hatte der isländische Sänger, Gitarrist und Songwriter 2014 ein Ausrufezeichen gesetzt, das mehr als bemerkenswert war. Hatte er doch bereits im Jahr zuvor sein Debütalbum Dýrð í dauðaþögn veröffentlicht und dieses 2014 schließlich nochmals in englischer Sprache eingesungen. Torrent war damals die Überschrift und so großartig und intensiv, wie brüchig und sentimental. Mit dieser Art ermöglichte er dem Genre Folktronica einen enormen Popularitätsschub. Kurzum ein Song, den man lieben muss. Nun ist Ásgeir, der bürgerlich Ásgeir Trausti Einarsson heißt und 1992 in Reykjavík geboren wurde, mit einer ersten Single aus dem zweiten Album Afterglow zurück. Auf Unbound hört man deutlich, dass sich sein Genre hin zu mehr Elektro gewandelt hat und an Künstler wie Chet Faker erinnert. Da ist der sensible und hohe Gesang, der rhythmusbrechende Sound und ein sattes Klangbett stilprägend. Ásgeir behält sich allerdings weiterhin, dass er sich selbst eher intim und zurückhaltend präsentiert. Mit Unbound hat er damit voll und ganz ins schwarze getroffen.

Lana Del Rey – In Love with a Video Game

Lana Del Rey - Love

Lana Del Rey – Love

Lana Del Rey bleibt eine ungewöhnliche Künstlerin. Man kann ihr Kalkül und Arroganz vorwerfen, doch ist die lasziv, zurückhaltend und unschuldig wirkende Art, Musik zu präsentieren, vollkommen aufgegangen. Hat sie doch innerhalb von sechs Jahren drei erfolgreiche Alben veröffentlicht und ist stehts gern gesehener Gast auf den roten Teppichen. Selten schafft es eine Künstlerin, einen derart besonderen Stil, in der aktuellen Musiklandschaft, so dauerhaft aufrechtzuerhalten. Da kommt Del Rey mit schwerem und pompösen Pop daher und kleidet das Ganze in einen 60’s-Stil, der erhaben und edel aussieht. Und doch oder gerade deshalb schafft sie es, auch das junge Publikum zu erreichen. Am vergangenen Wochenende schließlich, hat Del Rey ihre neue Single Love ins Netz gestellt und am Montag das dazugehörige Video hochgeladen. Wer Del Rey seit Beginn ihrer Karriere verfolgt hat, dem wird schnell die Assoziation zu Video Game aufkommen. Ist das Video in ähnlicher Bildsprache gehalten und klingt Del Rey mal hauchend erotisch, mal euphorisch und positiv. Dass diese Attribute so wunderbar zusammenpassen, bekommt man von der Amerikanerin einmal mehr gezeigt und fällt immer wieder aufs neue in Love.

Judith Holofernes – Geordnetes Chaos

Judith Holofernes - Ich Bin Das Chaos

Judith Holofernes – Ich Bin Das Chaos

Sie ist die geistreiche im deutschen Pop. Judith Holofernes schaut mittlerweile auf 18 Jahren im Musikgeschäft zurück. Angefangen mit Wir Sind Helden wurden die bissigen und direkten Texte des Quartetts zu Wegbereitern der sogenannten Neuen Neuen deutschen Welle – NNDW. Einer Beschreibung, die zu Wir Sind Helden allerdings nie so recht passen sollte. Nach zwölf Jahren trennte sich die Band schließlich 2012 und machen die Bandmitglieder aktuell in unterschiedlichsten Projekten mit. Holofernes hat seitdem mit Ein leichtes Schwert, ein Soloalbum veröffentlicht. Nun steht mit Ich bin das Chaos ihr zweites Album vor der Veröffentlichung und die gleichnamige Single überrascht mit einem rockigen Sound und einem psychedelischen Musikvideo. Ich bin das Chaos erinnert an Wir Sind Helden der Anfangstage und zeigt, dass Holofernes sich nicht beirren lässt und eingängige Popsongs nicht schlecht sind. Mit Selbstironie, ihrer markanten Stimme und ihrer Eigenbrödlerei ist Holofernes auf Ich bin das Chaos mit ganzer Wucht zurück

Pohlmann – Vor dem Sommer kommen Himmel und Berge

Pohlmann - Himmel Und Berge

Pohlmann – Himmel Und Berge

Ingo Pohlmann oder Pohlmann, wie er sich schlicht nennt ist kein Unbekannter in der deutsche Poplandschaft. Dennoch kennen ihn die meisten nicht. Spielt man ihnen Wenn jetzt Sommer wär, aus dem Jahr 2006, vor, setzt allerdings schnell der a-ha-Effekt ein. War dieser Song doch ein absoluter Radiohit und wurde über Jahre immer wieder bei zu kalten Sommern gespielt. Dass Pohlmann allerdings viel mehr als nur der Wenn-jetzt-Sommer-wär-Sänger ist zeigen seine vier Alben und weitere EP’s. Mit Songs wie Der Junge ist verliebt, Mädchen und Rabauken oder Für Dich zeigt er immer wieder, wie einfühlsam, melodisch, positiv und auch traurig deutschsprachige Musik klingen kann. So ist die erste Single Himmel und Berge, aus seinem kommenden, fünften Album Weggefährten, dann auch voller Sehnsucht. Allein wenn Pohlmann zum Refrain ansetzt, löst er einen Moment aus, in dem man sich an eben diesen Weggefährten aus den 2000er Jahren erinnert, der mit seinen Texten in Glücksmomenten, wie auch Krisen textlich und musikalisch einsprang und dieses Gefühl für immer festhielt. Es ist diese kompromisslose Sehnsucht, die Himmel und Berge ausstrahlt und dennoch nach Aufbruch klingt. Hinzu kommt ein wunderschönes Musikvideo, das modern und fast schon überfordernd viele Impressionen darstellt. Pohlmann ist zurück und mit ihm, freut sich ein ganzes Genre.

2raumwohnung – Flashback anno 2002

2raumwohnung - Somebody Lonely And Me

2raumwohnung – Somebody Lonely And Me

2raumwohng sind entstanden aus einem Zufall. Ging es doch ursprünglich nur um die musikalische Untermalung einer Zigarettenmarke, entstand daraus ein Projekt, das bis heute besteht. Inga Humpe und Tommi Eckart, beide ein Paar seit den 90ern, haben so als Duo 2raumwohnung mittlerweile sieben Studioalben veröffentlicht und nicht viel weniger Remixplatten. Auch wenn sich 2raumwohnung nicht immer im Vordergrund abspielen, kommt man selten um das Duo herum. Heißt es doch zu jeder Hitzewelle wieder 36 Grad und es wird noch heißer, mach den Beat nie wieder leiser… oder wird die Warteschleife der AOK Nordost Hotline mit Besser Gehts Nicht untermalt. Auch in der Werbung ist neben Wir trafen uns in einem Garten der Song 2 Von Millionen Von Sternen bereits verwendet worden. War ihr Debütalbum Kommt Zusammen noch ein lupenreines Popalbum, entwickelte sich die Band danach stark in Richtung Elektro, um einige Jahre später wieder zur Popmusik zu wechseln. Nun schwingt das Pendel wieder in Richtung Elektro und hört sich die erste Single Somebody Lonely And Me dunkel und elektronisch an, als würde es aus dem 2002er Album In wirklich stammen. Singt Inga Humpe so weich und unschuldig und erinnert an dunkle Fahrten auf schlecht beleuchteten Landstraßen im Winter. Der schwere Beat und Humpes Wechsel zwischen deutschen und englischen Texten lässt 2raumwohnung deutlich stärker zurückkommen, als sie zuletzt verschwanden. Ihr neues Album Nacht und Tag wird so wohl eines der spannendsten Alben des Jahres werden.

Linkin Park feat. Kiiara – Trendwende

Linkin Park feat. Kiiara - Heavy

Linkin Park feat. Kiiara – Heavy

Sie waren eine der erfolgreichsten Nu-Metal Bands in den 2000ern. Linkin Park haben mit Songs wie Crawling, In The End, Numb oder What I’ve Done Welthits gelandet und ihre Alben verkauften sich bis zu 30 Millionen mal. Doch auch eine Band ihres Formats muss sich einmal die Frage stellen, wie lange das Schema F noch funktionieren kann. Ganz besonders im Falle des Frontsängers Chester Bennigtons, der 2003, nach vielen Konzerten, Probleme mit seinen Stimmbändern bekam. So wandelte sich die Musikrichtung von Linkin Park in den letzten fünfzehn Jahren immer wieder und hatte zwischen Nu-Metal, Alternative, Hip-Hop und Elektro immer wieder für Überraschungen gesorgt. Nun haben sich Linkin Park für die erste Single ihres siebten Studioalbums One More Light, die amerikanische Sängerin Kiiara mit dazu geholt. Mit ihrem experimentellen Popsong Gold, hatte sie 2015 einen Überraschungserfolg gefeiert und erreichte sogar die amerikanischen Top-20 Singlecharts. Auf der nun veröffentlichten Single Heavy trifft dieser Mix verschiedenster Genres zusammen und zeigt wie wandelbar Linkin Park sind. So ist Heavy ein reiner Elektropop-Song und überrascht mit einer ungewöhnlichen Stimmfarbe Chester Benningtons. Hört sie sich doch weich und warm an und lässt damit wohl einige Linkin Park Fans dran knabbern. Doch genau das hatten Linkin Park auch vor. So gaben sie 2016, in einem Interview an, dass die Songs auf ihrem neuen Album die Fans herausfordern werden, sie sich aber freuen, mit den ihnen diesen Weg zu beschreiten. Heavy ist darüber hinaus als Hymne angelegt, zeigt es doch im Refrain deutliche Emotionsexplosionen und ist der Sound hier auf Größe aus, die man im Stadion perfekt umsetzen kann. Heavy ist die erste Singleauskopplung ihres neuen Albums und wird mit Sicherheit die Charts weltweit stürmen.