Tom Chaplin – Über Keane hinaus mit Quicksand

Tom Chaplin - Quicksand

Tom Chaplin – Quicksand

Sie waren eine der präsentesten britischen Bands bis zu ihrer Trennung 2013. Mit Songs wie Everybody’s Changing, Somewhere Only We Know, Is It Any Wonder oder Spiralling prägten sie eine ganze Generation und beeinflussten viele britische Newcomer. Denn es war die Stimme von Tom Chaplin, die Keane so einzigartig werden ließ. Als sich die Band 2014 entschied eine Pause einzulegen, machte sich Frontsänger Tom Chaplin daran, eigene Songs zu schreiben. Mit Quicksand präsentiert er nun seine erste Solosingle von seinem, am 14. Oktober erscheinendem, Debütalbum The Wave. Hierbei ist eigentlich alles beim alten. Und das soll wirklich so gemeint sein. Denn Quicksand klingt wie einer der Songs vom Debütalbum Keane’s. So klingt Chaplin’s Stimme glasklar und sind wieder mehr Instrumente wie Klavier und Gitarre zu hören. Würde man nur die Stimme hören, wäre man verführt zu sagen, dass Keane zurück sind. Doch was Keane ausmachte, war einzig und allein Tom Chaplin. Daher ist dieser Schritt Chaplins sehnlichst erwartet worden.

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Gavin James – Tappt in die House-Remix-Falle – wirklich?!

Gavin James - Nervous (Mark McCabe Remix)

Gavin James – Nervous (Mark McCabe Remix)

Vor knapp einem Jahr konntet Ihr hier über den Irischen Singer/Songwriter Gavin James und seine Single 22 lesen. Sang er damals über die eigenen Erfahrungen, die er während der Schulzeit gemacht hatte, kommt er jetzt mit der fünften Singleauskopplung seines Debütalbums Bitter Pill zurück. Im Original ist Nervous eine wunderbare Ballade, die wie gewohnt im James‘ Stil akustisch und zurückhaltend klingt. Doch wie es sich momentan im Popbusiness gehört, braucht jedes Lied, das von einem Musiker mit Herzblut stammt, einen Deep-House Remix. In den letzten zwei/drei Jahren wurden wir förmlich davon überschwemmt. Doch so viele Remixe es gibt, waren immer wieder auch wirkliche Perlen dabei. Man denke nur an One Day von Asaf Avidan oder Matt Simons‘ Catch & Release. Nun hat sich der, ebenfalls aus Irland kommende, Radiomoderator, DJ und Musikproduzent Mark McCabe die Ballade vorgenommen, was sicherlich kein schlechter Schachzug, von einem Radiomoderator und Musikproduzenten geremixt zu werden war. Bedeutet dies doch auch, dass die Chancen höher stehen auch gespielt zu werden. Nervous hat dabei eine schöne, eingängige Hookline und setzt sich mit dem Refrain so im Ohr fest, dass man auch nach einem Tag noch das Ooho Oh Oh Oh im Kopf hat. Drum herum hat Mark McCabe einen leichten Deep House Beat gelegt, der mit Gitarrenspiel den Folk/House-Mix noch verstärkt. Somit hat Gavin James ungewollt einen hippen Song veröffentlicht, der ihn über die Landesgrenzen hinaus bekannt machen wird. Ebenso ans Herz gelegt sei allerdings auch mal in das Original reinzuhören.

Kungs – Nach dem Erfolg ist vor dem Erfolg

Kungs feat. Jamie N Commons - Don't You Know

Kungs feat. Jamie N Commons – Don’t You Know

Mit This Girl hatte Kungs zusammen mit Cookin On 3 Burners einen weltweiten Hit gelandet, der in Deutschland sogar bis auf Platz 1 stieg. Nun muss der 19 jährige Valentin Brunel alias Kungs zeigen, was er noch so auf dem Kasten hat, um nicht wieder in der Versenkung zu verschwinden. Dies gelingt ihm mit seinen zweiten Song Don’t You Know ganz gut. Ihm zur Seite steht der britische Singer/Songwriter Jamie N Common, der bereits drei EP’s und ein Dutzend Songs veröffentlicht hat, die sich alle in bekannten Serienformaten als Untermalung wiederfanden. Auf dem Song Don’t You Know mixt Kungs einfache Deep House Beats und unterlegt diese mit dem Gesang Jamie N Commons. Dabei kommt eine Mischung raus, die sich anhört wie die Folk-House Songs von Avici jedoch bei weitem nicht so kitschig klingen. Mit Don’t You Know hat Kungs einen würdigen Nachfolger für This Girl gefunden. Nun liegt es an den Radiostationen, diesen auch zu erkennen.

Gallant – klassischer R&B und doch so modern

Gallant - Bourbon

Gallant – Bourbon

Gallant startet seine Musikkarriere gerade erst und ist doch schon mit so vielen Referenzen behaftet. So hat der, in Los Angeles lebende Musiker, bereits mit Künstlern wie ZHU, Jhene Aiko und auf SG Lewis‘ Song Holding Back mitgesungen, über den Ihr hier vor kurzem lesen konntet. Seit nunmehr einem Jahr gilt er als einer der heißesten Anwärter auf den Durchbruch und werden seine Veröffentlichungen Weight In Gold und Talking In Your Sleep überall gehypt. Währenddessen hat Christopher Gallant, wie er bürgerlich heißt, gerade eine neue Single veröffentlicht, die so warm und entspannt klingt und auf der Gallant mit seiner, man könnte fast schon Markenzeichen sagen, seiner Kopfstimme begeistert. Der zurückhaltende Rhythmus und der an Usher’s beste Jahre erinnernde Gesang lassen Gallant in den nächsten Monaten sicherlich viele Möglichkeiten aufkommen, sich vor größerem Publikum zu präsentieren.

Philipp Poisel – Das gebrochene Herz

Philipp Poisel - Erklär Mir Die Liebe

Philipp Poisel – Erklär Mir Die Liebe

Ich habe lange überlegt, ob man die neue Single mit den Worten ‚Es war lange still um Philipp Poisel‘ vorstellen sollte. War Poisel doch eigentlich noch nie richtig laut. Mit seiner neuen Single Erklär Mir Die Liebe ändert sich dies allerdings. Nicht grundlegend, doch ist der akustische Sound der letzten beiden Alben, einem modernen Elektro-Pop-Sound gewichen. Noch vor zwei Jahren hätte man dieses Genre nicht mal ansatzweise mit Poisel in Verbindung gebracht, nun hört es sich allerdings so natürlich an, als hätte Poisel nie den Sound gewechselt. Seine verletzliche Seite erkennt man allerdings auch hier. So hört er sich anfangs fast wie Clueso an, bis er nach wenigen Worten mit seiner Stimme spielt und mal die Töne bricht, mal vibrierend singt. Hatte Poisel auf seinen ersten beiden Alben vorrangig mit klaren und rohen Songs und seiner Stimme als Instrument berührt, ist es auf Erklär Mir Die Liebe ein treibender und zum Träumen anregender Sound mit einem starken Gesang. Philipp Poisel kommt damit nach langen sechs Jahren ohne Studioalbum mit neuem Material zurück.

Lollapalooza Berlin 2016 – Großstadtdschungel – Tag 2

Lollapalooza Berlin 2016

Lollapalooza Berlin 2016

Tag zwei auf dem Lollapalooza Berlin Festival und auch an diesem Tag knallte die Sonne erbarmungslos vom blauen Himmel. 32°C zeigte das Thermometer an und ließ den ohnehin schon vertrockneten Rasen des Festivalgeländes noch mehr Wärme aufnehmen. So brannte die Sonne nicht nur vom Himmel, sondern wurde man auch von unten erhitzt. Da wurde es selbst dem einen oder anderen Smartphone zu heiß.

Lollapalooza Berlin 2016

Lollapalooza Berlin 2016

Mit einer ungewöhnlichen Künstlerin begann dann auch der hitzige zweite Tag. War es doch die Norwegische Sängerin Aurora, die den Treptower Park verzauberte. Und verzaubern konnte man bei Ihr wirklich für bare Münze nehmen. Denn wer bereits in den Genuß kam, Aurora einmal live zu sehen, wird wissen, wie zart sich die blonde Sängerin bewegt und mit welch, fast schon mystischen, Gesten sie ihre Songtexte umhüllt. So sang sich Aurora durch verschiedene Höhen ihrer Stimme und war dabei immer so unglaublich sympathisch. Als wäre sie ein Mädchen aus der Nachbarschaft. So bedankte sie sich stets nach jedem Song brav und hatte hier und da auch ein kleines verschmitztes Lachen parat. Dass sie der Natur mehr verbunden ist als der Großstadt zeigte sich in Äußerungen wie, dass es ihr so unglaublich viel Spaß machte vor einer so grünen Kulisse wie dem Treptower Park zu singen. Und gesungen hatte sie unter anderem ihre bekanntesten Songs Warrior, Running With The Wolves und Conqueror aber auch Songs von ihrem Debütalbum All My Demons Greeting Me As A Friend, wie Winter Bird, Runaway und I Went To Far. Selbst nach dem fünften Konzert des nordischen Mädchens ist es immer noch wunderschön zu sehen, wie ihr ganz eigener Charakter das Gefühl eines jeden Konzertes entscheidend beeinflusst.

Vom Engel zum Bengel

Auf der Mainstage 2 spielten sich unterdessen die Wiener Buben von Bilderbuch warm und sangen mit spitzer Zunge Songs wie Willkommen im Dschungel, OM, Schick Schock, Spliff, Feinste Sahne und natürlich Maschin. Als sie dann zum Song Rosen zum Plafond (Besser wenn du gehst) kamen, flogen der Band gar Rosen entgegen, worauf Sänger Maurice Ernst die fragte, wie es denn möglich sei, bei solch rigorosen Sicherheitskontrollen eine gefährliche Rose mit so vielen Stacheln auf das Festivalgelände zu bringen. Dass Maurice Ernst mit seinem Wiener Schmäh zwischen abgerockt und arrogant changiert und ihm dabei das Publikum zu Füßen liegt, passiert fast ganz nebenbei. Schließlich haben sich die vier Österreicher über die letzten elf Jahre ihrer Bandgeschichte eine feste Fangemeinde erspielt. Auf dem Lollapalooza konnte man sich zumindest davon überzeugen, dass die Band ein sehr großes Standing in Berlin genießt und konnte somit fast wie bei einem Heimspiel performen.

Sphärischer Indie-Rock mündet in einer Maskerade

Von der Mainstage 2 ging es direkt zur Alternative Stage, auf der uns die Australier von The Temper Trap mit ihrem Titelsong des dritten Albums Thick As Thieves begrüßten. Dieser Song war nicht nur eine energievolle Eröffnung des Auftrittes, sondern sorgte auch für die richtige Einstimmung zum tanzen. Und so wurde dies gleich beim ersten Song ausgelassen getan. Sänger Dougy Mandagi hatte allerdings auch alles daran gesetzt, die Menge zum Ausrasten zu bringen, so sprang er immer wieder von der Bühne und stellte sich an die Absperrung um ganz eng mit den Fans zu singen. Interessant war hierbei die Auswahl der Setlist. Wurden vom Debütalbum Conditions gleich sechs Songs und vom neuen Album Thick As Thieves sieben Songs gespielt gab es mit Trembling Hands und Rabbit Hole nur zwei Songs ihres zweiten Albums The Temper Trap. Dies bestätigte auch den Eindruck, dass die Band mit dem Ergebniss des zweiten Albums nie ganz zufrieden war. Und so beglückte sie ihre Fans mit Sweet Disposition, Soldier On, Love Lost, Drum Song, Fall Together oder Resurrection. Darüber hinaus spielten sie eine energievolle Show und ließen der Wärme keine Möglichkeit Ruhe auszulösen. Waren The Temper Trap nach knapp 60 Minuten mit ihrer Show fertig, sollte es knapp 45 Minuten später, auf der selben Bühne, mit einer Künstlerin weitergehen, die man sich nicht hätte anders vorstellen können. Róisín Murphy kennen viele vorrangig durch das Britisch/Irische House-Duo Moloko. War die Band doch zwischen 1994 mit vier Alben in den britischen Charts und hatte weltweite Hits wie Sing It Back und Time Is Now. Seitdem sich die Band 2003 trennte, macht Murphy solo Musik und hat mittlerweile vier Alben veröffentlicht. Ihre Performance auf dem Lollapalooza Berlin eröffnete sie gleich mit dem Opener-Track ihres aktuellen Albums Take Her Up To MontoMastermind. Dabei war Murphy gekleidet, wie eine etwas überarbeitete Stewardess, die gerade auf dem Weg zur Bar war. Dauerte das komplette Konzert 60 Minuten, sollte sich Murphy in dieser Zeit mindestens 13 mal umziehen. So performte die Dubliner Sängerin ihre Songs in verschiedensten Kostümen und war mal als TwoFace, mal als Politesse oder einfach mit ganz viel Girlanden behangen. Amüsant war hierbei das Securitypersonal zu beobachten. Konnten sich doch zwei der sechs Securities einfach nicht mit dem Showstil der Sängerin anfreunden und starrten zeitgleich ununterbrochen und mit offenen Mündern zur Bühne. Dass die 43 jährige, zweifache Mutter, eine derart powervolle Show hinlegt, hatte man nicht im entferntesten erwartet.  Immerhin powerte sie 60 Minuten durch, als wäre sie auf einem Marathon und zeigte, dass sie es genießt sich zu präsentieren. Mit ihren Songs und der Kreativität wäre alles andere unter ihrem Anspruch. Und für alle, die Moloko noch hinterher trauern, wurde dann auch Forever More, Dirty Monkey und Tatta Narja und ein Medley, das Sing It Back beinhaltete, gespielt.

Róisín Murphy @Lollapalooza Berlin 2016

Róisín Murphy @Lollapalooza Berlin 2016

Zwischen absolutem Kommerz und absoluter Kunst

Mit großartigen Künstlern sollte auch die Mainstage 1 und 2 geschlossen werden. So spielten als erstes Major Lazer auf der Mainstage 2 einige ihrer eigenen Songs wie Pon De Floor, Too Original, Lean On und Watch Out For This aber auch zahlreiche Remixe von bekannten Dancefloor-Hits wie Intoxicated. Immer dabei der unverwechselbare Soundmix aus Raggae, Dancehall und House. Selten hatte ein Auftritt auf einem Festival mehr das Gefühl vermittelt auf einem angesagten Open Air fernab der großen Planer zu feiern, als hier. So tanzten 40.000 zu den Songs des Trios, dass obendrein mit spärlich bekleideten Tänzerinnen für Unterhaltung sorgte.

Keine zehn Minuten später folgte dann das Highlight des gesamten Festivals und auch des Festivalsommers. Gab doch die britische Rockband Radiohead, auf dem Lollapalooza Berlin, ihr einziges Deutschlandkonzert. Dieses Konzert sollte ein besonderer Moment für so viele Fans werden. Spielten sie doch satte 120 Minuten und 24 Songs, bei dem alles relevante dabei war, was die Band über die letzten 31 Jahre zu einer der größten und einflussreichsten Bands unserer Zeit gemacht hat. Ob Daydreaming, 2+2=5, The Gloaming oder natürlich Creep war alles vertreten. Wer hier allerdings auf einen Act wartete, der nochmal die Hütte abbrennen würde, wurde von Radiohead dann wohl nicht ganz überzeugt. Hatten sie ihr Konzert doch in Segmente aufgeteilt, die mal ruhiger, mal schrammeliger oder treibender waren, um ihre teilweise verkopften Songs zu präsentieren. Doch immer schwebte über den Songs das Gefühl, der stetigen Verletzlichkeit. Und genau dieses Gefühl ist es, das Radiohead wie keine andere Band beherrscht.

So ging das Lollapalooza Berlin Festival 2016 zu Ende und ließ ein wenig Wehmut aufkommen, dass es bei einem einmaligen Ausflug in den Treptower Park bleiben sollte. Ist doch ein Festival im Wald so wunderbar und lässt das Publikum völlig aus dem Großstadtdschungel entfliehen. So darf man gespannt sein, welche Location sich die Veranstalter für 2017 überlegt haben. In der Zwischenzeit spielen wir einfach die Playlist der 2016er Ausgabe ab und schwelgen in Festivalerinnerungen.

Clueso – Herzlich Willkommen, Neuanfang

Clueso - Neuanfang

Clueso – Neuanfang

Einen Strich ziehen, etwas Neues ausprobieren. Einfach die Perspektive ändern. Das hatte sich Clueso gedacht, als er sich an sein siebtes Album Neuanfang setzte. So teilte er mit, dass er sich nach langjähriger Zusammenarbeit von seiner Band trennen werde um Neues auszuprobieren. Dies ist mutig für einen Künstler, der jeweils mindestens 100.000 Platten seiner letzten fünf Alben verkaufen konnte. Doch, dass Clueso bereits gute Erfahrungen mit einem Stilwechsel gemacht hat, zeigen die Unterschiede zwischen seinen beiden ersten Alben Text und Ton und Gute Musik, auf denen er sich rappend präsentierte und seinem dritten Album Weit Weg, bei dem er zum Pop wechselte und somit gleichzeitig zeigte, dass Genregrenzen ganz einfach verschwimmen können. Nun also der Neuanfang. Da ist es nur zu konsequent, dass auch die erste Singleveröffentlichung Neuanfang heißt. Diese fängt mit einem leichten Beat an, bei dem Clueso nach kurzer Zeit mit einer sehr präsenten Stimme einsetzt. Der Refrain ist ungewöhnlich poppig und erinnert, mit seinem gepitschten Kinderchor, ein wenig an Hard Knock Life von Jay-Z. Dabei wird der Song zu einer Hymne und wächst mit jeder Minute. Am Ende steht ein Song, den man Clueso erst nicht zugerechnet hätte, um ihn nach mehrmaligen Hören ganz klar als Handschrift des Thüringers ausmachen zu können. Somit darf man gespannt auf das Album sein, dass am 14. Oktober erscheint.

Lollapalooza Berlin 2016 – Großstadtdschungel – Tag 1

Lollapalooza Berlin 2016

Lollapalooza Berlin 2016

Es war der Schmelztiegel der Festival-Sommers. Bei so gut wie keinem anderen Festival in diesem Jahr und dieser Größe gab es wohl bessere Wetterbedingungen als bei dem am 10. und 11. September stattgefundenen Lollapalooza. Bereits das zweite mal machte das, aus Chicago kommende, Festival halt in Deutschland und somit Berlin.  Was 2015 noch mit knapp 45.ooo Besuchern durchgeführt wurde, reichte 2016 mit 70.000 Gästen pro Tag um das größte Stadtfestival Deutschlands zu werden. Ob nun der Begriff Stadtfestival sein muss, um sich zu positionieren – darüber kann man streiten – doch auch ohne diesen Zusatz war das Festival mit insgesamt 140.000 Besuchern an zwei Tagen eines der größten des Landes. So zog es natürlich auch einige namhafte Künstler an und konnte mit Headlinern wie Radiohead und den Kings Of Leon aufwarten. Aber auch fernab der großen Namen gab es viele sehenswerten Acts und vor allem einen ganz großen Highlight –  dem Festivalgelände selbst.

Vom Stadtpark zum Märchenwald

Wer den Treptower Park kennt, weiß, dass der Park so einige verzauberte Ecken hat. So kam dazu, dass die Veranstalter des Lollapalooza’s überall, ob der vielen Bühnen, Getränke- und Imbissstände, kleine Entdeckerinseln schufen. Da konnte man sich kostenlos Fotos in einer Fotobox erstellen, in einem Zirkus seinen Kopf durch Schablonen stecken und so Bilder als Dompteur oder Rad fahrender Bär machen. Aber boten natürlich auch die Sponsoren allerlei Unterhaltsames an ihren Ständen an. Mit einem Pop-up Club der ganz besonderen Art, sorgte hier eine Zigarettenmarke für viel Aufsehen. War der Club doch voll mit Technik und neuesten Hightech-Equipment. Da konnte man mit Virtual Reality Brillen in eine digitale Wüste eintauchen oder harte Drum’n’Bass Beats mit seiner bloßen Hand in der Luft erzeugen. Dies alles wurde von einem spacigen Design abgerundet.

Von Lindsey Stirling bis Max Herre

Der Samstag begann mit dem Auftritt der amerikanischen Violinistin Lindsey Stirling. Bekannt für ihren Mix aus klassischer Musik und Dubstep schaffte es Stirling erstaunlich schnell eine große Menge an Zuschauern vor die Mainstage 2 zu bewegen. Da wurden ihre aktuellen Singles wie Prism und Something Wild genauso gespielt, wie ihre bekanntesten Songs Crystallize und Shatter Me. Nach knapp einer Stunde war der Zauber der Violine vorbei und ließ sichtbar viele fragende Gesichter zurück. Konnten einige doch nicht glauben, dass sich klassische Violinenmusik so gut mit Dubstep verträgt und dieser Mix sogar tanzbar war. Während auf der Mainstage 1 die Briten von Catfish And The Bottleman mit ihren großen Hits Homesick und Kathleen begannen und auf der Perry’s Stage der norwegische DJ Matoma mit sommerlichen Tropical House Remixen für Open-Air-Stimmung sorgte, drehte ein kleiner Underdog auf der Alternative Stage so richtig auf. Mit Songs wie What Love, Four, Give Me A Reason oder OB1 zeigten die Australier von Jagwar Ma, was für einen fantastischen Psychedelic Rock die drei drauf haben. Immer ein wenig an der Grenze des künstlerischen Ausprobierens zeigte vor allem Sänger Gabriel Winterfield mit seiner Spielfreude, dass sich die Band gerne auch mal einfach der Musik hingibt und so ein Song schnell mal 6-7 Minuten lang werden kann. Bewundernswert hierbei war, dass trotz der langen Songs nie Langeweile aufkam.

Kaiser Chiefs – Wir spielen um unsere Berechtigung

Keine halbe Stunde nach Jagwar Ma kamen die britischen Indie-Urgesteine auf die Bühne. Auf einer überdimensionalen LED-Wand im Hintergrund wurden in großen Lettern die Kaiser Chiefs angekündigt, welche die Indie-Bewegung der 2000er wie kaum eine andere Band mitbestimmt haben und mit modernen Klassikern wie Ruby, I Predict A Riot, Oh My God oder Never Miss A Beat für die Dancefloorkiller sorgten. Doch nachdem ihr 2011er Album The Future Is Midieval sehr deutlich die Erwartungen verfehlte und auch das nachfolgende Album Education, Education, Education & War, außer in Großbritannien, eher verhalten aufgenommen wurde, hatten es die fünf Briten in letzter Zeit recht schwer.

Ob die musikalische Neuausrichtung auf ihrem, am 7. Oktober erscheinendem, sechsten Studioalbum Stay Together für eine Kehrtwende sorgt, werden wir in einigen Wochen wissen. Was allerdings fernab des kommerziellen Erfolges bei den Kaiser Chiefs immer erwartbar ist – das ist eine atemberaubende Show. Und diese gab es dann auch. So sang sich Ricky Wilson durch 60 Minuten vollgepackt mit allen relevanten Kaiser Chiefs Songs und zeigte dabei eine Energie, die man sich bei so einigen Künstlern hätte gewünscht. Da sprang Wilson von einer Monitorbox zur nächsten und sang sich durch Ruby, Parachute, Coming Home, Modern Way, Hole In My Soul und viele mehr. Zwischendurch plauschte Wilson dann immer wieder mit dem Publikum und wies auf das kommende Album und die anstehende Tour hin. Immer wieder dabei, die Manager und Tourmitglieder fernab der Band, die im Graben standen und sich das Spektakel zwischen Band und Publikum ansahen. So war man nach 60 Minuten ausgepowert und brauchte erst einmal etwas Entspannung.

Vom unendlichen Chillen zu tiefen Emotionen

Von den Kaiser Chiefs in Richtung der Mainstages aufgemacht, empfing Max Herre alle dazugestoßenen mit Songs wie Wolke 7 oder Esperanto. Seine unglaublich entspannte Art und sein lässiger Gesang passten wunderbar zu den 30°C und Sonnenschein. Auf der Bühne unterstützt hatten ihn Joy Denalane, Philipp Poisel, Afrob und Megaloh. Hier sang sich Philipp Poisel dann bereits für seinen Auftritt auf der Mainstage 1 warm, denn direkt nach Herre ging es für ihn dort weiter. Hatte er in den letzte zwei Jahren gerade mal fünf Auftritte absolviert, sollte das Lollapalooza als großes Comeback dienen. Schließlich kam eine Woche später seine neue Single Erklär Mir Die Liebe raus. Doch was Poisel hier auf der Bühne ablieferte, ließ wohl die größten Fans sprachlos zurück. Denn es flossen Tränen. Nicht etwa beim Publikum, sondern bei Poisel selbst. Wer bereits Auftritte des Baden-Württembergers genießen konnte weiß, dass Poisel einen verletzbaren Charakter hat. Mit seinen Texten, die tief berühren können und seiner zurückhaltenden Art des Vortragens zeigt er seit Beginn seiner Karriere, dass er kein Rampenlichtkünstler ist. Auf dem Lollapalooza allerdings, begann Poisel bei seinen Songs dann tatsächlich zu weinen. Und genau dieser Moment war es, der Menschen, die nicht zu Poisels Fans zählen, die Gänsehaut auf die Arme brachte. Obwohl das Konzert von Arte Concerts mitgeschnitten wurde, gibt es diesen Teil leider nirgends im Netz zu finden. Und das, obwohl genau dieser Auftritt wohl der authentischste des ganzen Festivals sein sollte. Denn was kann es wertvolleres geben, als ein Künstler, der seine Texte fühlt und tatsächlich zu ihnen eine Verbindung aufweisen kann? So sang das Publikum, wenn Poisel die Stimme versagte, und ging mit allen Songs des 31 Jährigen mit.

Es folgt DER HEADLINER

Anderthalb Stunden. So lange dauerte die Umbauzeit auf der Mainstage 1 von Philipp Poisel zu Kings Of Leon. Und obwohl der Platz vor der Bühne bereits bei Poisel bis zu den hinteren Bäumen gefüllt war, kamen gefühlt nochmal mindestens 40% der Festivalgänger dazu. Alles, um die amerikanische Rockband Kings Of Leon zu sehen. Wurde einen Tag zuvor ihre neue Single Waste A Moment, des kommenden Albums We Are Like Love Songs, veröffentlicht, sollte es insgesamt bei nur zwei Songs aus diesem Album bleiben. Vielmehr spielten die KOL’s auffällig viele Songs aus ihrem dritten, vierten und fünften Album. Hier waren allen voran Songs wie Closer, On Call, Notion, Fans, Pyro und natürlich Use Somebody und Sex On Fire die absoluten Lieblinge des Publikums – konnten hier doch viele mitsingen.

Was allerdings sehr stark auffiel – und das im direkten Vergleich zu den anderen Künstlern dieses Tages – war, dass sich die Band um Caleb Followill nicht wirklich bemühte eine Verbindung zum Publikum aufzubauen. So folgte ein Song nach dem anderen und zwischendurch ab und an ein We Love you, We are Kings Of Leon oder You’re the best. Was genau Followill mit dem letzten Satz eigentlich meinte, konnte man anhand des nicht überspringenden Funken, kaum erfassen. Einen kurzen Moment der Persönlichkeit gab es dann allerdings doch, als Caleb Followill das Publikum bat für seinen Cousin Matthew zum Geburtstag ein Ständchen zu singen. Gesagt, getan ging es für die Band schnurstracks weiter im Programm. So folgte ein Song nach dem anderen und so blieb das Konzert unerwartet unspektakulär und störrisch.

Und so kam man am Ende des Tages mit den ersten Highlights nach Hause und freute sich auf den zweiten Tag, der den Drang nach Wasser und Schatten im Vordergrund rücken lassen sollte. Dazu dann morgen mehr.

Lollapalooza Berlin 2016

Lollapalooza Berlin 2016

James Arthur – Der gezeichnete Newcomer

James Arthur - Say You Won't Let Go

James Arthur – Say You Won’t Let Go

James Arthur hatte lange für seinen Traum des Singens arbeiten müssen. Schrieb Arthur seit seinem 15. Lebensjahr Texte oder spielte in verschiedenen Bands an den Instrumenten, blieb sein Wunsch, selbst zu singen, immer nur nebensächlich. 2011, als Arthur 23 Jahre alt war, nahm er an der britischen Talentshow The Voice UK teil und schaffte es bis unter die letzten 200. Ein Jahr später versuchte er es erneut und trat bei The X Factor auf. Hier schaffte er es auf Anhieb eine Fanbase zu gewinnen und gewann schlussendlich die Show. Mit seiner ersten Single Impossible erreichte er nicht nur Platz 1 in Großbritannien und Irland, sondern auch die Top 10 in allen anderen europäischen Ländern. Nach einigen medialen Rückschlägen, wurde es zuletzt allerdings ruhig um Arthur. Nun, drei Jahre nach seinem Debütalbum, veröffentlicht Arthur mit Say You Won’t Let Go die erste neue Single des, am 4. November erscheinenden, Albums Back from the Edge. Hierbei singt Arthur mit seiner bekannt, weichen sowie kratzigen Stimme über eine vergangene Beziehung. Begleitet nur von einer Gitarre ist Say You Won’t Let Go eine warme Ballade, die den Herbst begrüßt und Arthur zurück ins Rampenlicht bringt.

LP – Was für ein Longplayer

LP - Lost On You

LP – Lost On You

LP – für viele die Abkürzung von Longplayer. Doch LP ist auch die Abkürzung der amerikanischen Sängerin Laura Pergolizzi. Gerade sorgt sie mit ihrem Song Lost On You für Aufsehen. Ließt man Pergolizzi’s Biografie, würde man keinem anderen diesen Erfolg mehr gönnen. Macht sie doch bereits seit 1998 Musik und trat in New Yorker Bars auf, wo sie dann auch entdeckt wurde. Ihr Debütalbum Heart-Shaped Scar brachte sie 2001 raus. 2004 folgte das Album Suburban Sprawl & Alcohol, doch Erfolg brachte ihr keines der beiden Alben ein. Und so konzentrierte sich Pergolizzi immer mehr aufs Songschreiben. So schrieb sie unter anderen die Songs Cheers (Drink To That) für Rihanna, Beautiful People für Christina Arguilera,  Fingerprints für Leona Lewis und Mirror Man für Ella Henderson. Doch irgendwann schien es Pergolizzi wieder an das Mikrofon gezogen zu haben. Denn 2014 folgte dann, unter einem neuen Plattenlabel, die Veröffentlichung ihres dritten Albums Forever For You, das erstmals Chartrelevant auffiel. Mit ihrer vor wenigen Wochen veröffentlichten EP Death Valley und dem darauf enthaltenen Song Lost On You wird sich allerdings in den kommenden Wochen so einiges ändern. Steigt Lost On You doch gerade in vielen europäischen Ländern die Charts hoch. Dabei ist Lost On You eine starke Ballade, die je nach Stimmung zwischen Sia und Gianna Nannini pendelt. Pergolizzi’s Stimme kommt hier perfekt zu Geltung und wird durch einen Uptempo-Beat verstärkt. So wird Laura Pergolizzi alias LP in nächster Zeit wohl nur noch Songs für ihr Album schreiben.