TIEKS feat. Dan Harkna – sie holen die Disco zurück

TIEKS feat. Dan Harkna - Sunshine

TIEKS feat. Dan Harkna – Sunshine

Es ist einer der Songs, die dem Spätsommer nochmal so richtig Energie verleihen. ‚Sunshine‘ von TIEKS feat. Dan Harkna klingt nach Sommer, Wärme und hat ganz viel Discovibes dabei. TIEKS, alias Mark Tieku ,der vor mehr als 12 Jahren als Beatgeber angefangen hatte, öffnete sich schnell auch fürs Singer/Songwriting und schrieb unter anderem Texte und Beats für Florence & The Machine und Ed Sheeran. Doch irgendwann wollte der Brite mehr. So setzte er sich in sein Studio und produzierte seine ersten eigene Tracks. Als DJ oft gebucht, probierte er diese Songs aus und brilliert hier vor allem durch seine Discosounds. Ist er doch geprägt von Housemusik aus Frankreich und den USA der 90er Jahre, als Bands wie Daft Punk gerade so richtig populär wurden. Nun hat TIEKS mit ‚Sunshine‘ einen euphorischen Disco-House-Track produziert, der durch Loops und dem Gesang Dan Harkna’s zu einem absoluten Muss wird. Wer also den Sommer in die Verlängerung schicken möchte sollte sofort ‚Sunshine‘ einlegen.

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Rag’n’Bone Man – Von Großbritannien nach Deutschland und zurück

Rag'N'Bone Man - Human

Rag’N’Bone Man – Human

Es ist schon eigenartig. Da kommen immer wieder Künstler von den britischen Inseln und veröffentlichen ihren ersten Song in Deutschland – werden erfolgreich und starten dann erst in ihrer Heimat durch. So geschehen mit Kwabs, Dua Lipa und eben nun auch mit Rag’n’Bone Man aus der Nähe von Brighton. Interessant ist auch, dass alle drei Künstler mit Songs Erfolg hatten, die eigentlich gar nicht massentauglich sind – könnte man annehmen. Ist es bei Kwabs ‚Walk‘ die Mischung aus R&B und Elektro, steht bei Dua Lipa’s ‚Be The One‘ Elektro und Dream Pop im Vordergrund. Rag’n’Bone Man mischt wiederum Hip-Hop und Drum’n’Bass. Rory Graham, wie Rag’n’Bone Man, bürgerlich heißt, hat gleich mit seiner ersten Single ‚Human‘ eine großen Hit gelandet. So ist er aktuell auf dem besten Weg direkt in die Top3 der deutschen Single Charts aufzusteigen. Wirkt der bärtige Riese doch fast schon furchteinflößend, klingt ‚Human‘ nach allem anderen, nur nicht Angst machend. Zeigt Graham doch, wie soulig seine Stimme klingen kann. Gleichzeitig klingt ‚Human‘ schwer und bedrohlich und drückt den Beat förmlich in die Brust. Mit diesem Song kann sich Rag’n’Bone Man sicher sein, dass noch so einige Länder Europas Gefallen an seinem Debütsong finden werden.

Empire Of The Sun – Durch Höhen und Tiefen

Empire Of The Sun - Two Vines

Empire Of The Sun – Two Vines

2008 mit einem grandiosen ersten Album, Walking On A Dream, gestartet, brauchte das australische Duo fünf Jahre um den Nachfolger, Ice On The Dune – das hinter allen Erwartungen zurückblieb, 2013 zu veröffentlichen. Ganz so lange brauchen wir auf das dritte Album nicht zu warten. Steht doch der 28. Oktober 2016 als Veröffentlichungstermin von Two Vines fest. Mit High & Low haben Luke Steele und Nick Littlemore nun die erste Single veröffentlicht. Und – was soll man sagen – liegen goldrichtig mit diesem Song. So singen sie von dem Gefühl langer Nächte im Sommer, nicht enden wollender Partys und dem Gefühl einfach mal alles zu genießen. Und genau dieses Gefühl kann man auch in jedem einzelnen Song Empire Of The Suns wiederfinden. Nicht fehlen darf natürlich ein sommerlich, treibender Beat und Luke Steele’s hallende Stimme. So startet der Song erst noch ruhig um dann nach einer Minute in eine euphorischen Klangexplosion überzugehen. So machen Empire Of The Sun alles wieder gut, was ihr zweites Album vermissen lassen hat.

Empire Of The Sun - High & Low

Empire Of The Sun – High & Low

MELT! 2016 – Alles neu in Ferropolis – Tag 3

MELT! Festival 2016

MELT! Festival 2016

Tag drei auf dem MELT! Festival war von einem abgerockten Körper geprägt. Hatten die beiden Auftritte von Deichkind und Two Door Cinema Club doch ihre Spuren hinterlassen. Doch wie es sich für einen MELT!-Sonntag gehört, war dieser Tag eh etwas entspannter und sollte sich eher langsam steigern, als sofort in die Vollen zu gehen.

Kolumbianischer Wahnsinn

Erst um 19:30 ging es mit Bomba Estéreo auf der MELT! Stage los. Und was einem da unverhofft geboten wurde, war der perfekte Einstieg in den Abend. Hatte doch das kolumbianische Trio mit seinem – wie sie selbst beschreiben – Electro Tropical eine pumpende Beatshow abgeliefert. Hier animierte jeder einzelne Song zum tanzen und machte Lust auf die fernen, wilden Partys. Denn genau das bedeutet Bomba Estéreo im lateinamerikanischen Raum – Stereo Bombe. Damit werden in Kolumbien Partys betitelt, die so abgefahren sind, dass sie fast schon zu heftig sind. Wer einmal Songs wie Fuego, Pure Love, Solo tú, El Alma y el Cuerpo oder Somos Dos gehört hat, wird sich in die Band verlieben. Mischen Bomba Estéreo doch elektronische Elemente mit lateinamerikanischen Beats und Klängen. Liliana Saumets singt dabei mit einem verzückend, kantigen Akzent ihre spanischen Songs und erinnert stimmlich an die französiche Sängerin Soko. Am Ende blieb ein Eindruck von einer unglaublich stampfenden und von fern gekommenen Band, die mit überbordernder Energie durch ihre Konzert ging.

Mainstream vs. Underdogs

So könnte man die beiden nächsten Künstler beschreiben. Während Chvrches auf der MELT! Stage auftraten, machten sich nur 15 Minuten später die beiden Frankfurter von Lea Porcelain auf, anzufangen. Graben sich Chvrches heute mehr und mehr in die Kerbe des Nervpops, klingt Laura Mayberry immer öfter nach einer gepitschten Mickey Mouse Stimme. Für Fans des ersten Albums The Bones of What You Believe wird es so immer schwieriger etwas Gutes an der Band zu finden. So zog man enttäuscht von der MELT! Stage los, in die Orangerie und sah das Duo von Lea Porcelain und wie es sich gerade auf den Auftritt vorbereitete. Nebel – mehr brauchte es nicht um eine Atmosphäre zu erzeugen, die mystisch, eng und bedrückend wirkte. Standen doch im Nebel nur Frontsänger Markus Nikolaus und Produzent Julien Bracht, kamen aus dem Publikum immer wieder Bemerkungen von einer jungen Dame, mal die Gitarre ein wenig auszusteuern, mal den Ton etwas runterzudrehen. Doch ihrem Auftreten nach zu urteilen handelte es sich eher um die Managerin der Band als eine Tontechnikerin. Mit Songs wie Snowstorm aber vor allem Out Is In zeigte die noch junge Band, dass solche Musik auch aus Deutschland kommen kann. Erinnert der Sound doch eher an Joy Devision und ist vor allem Out Is In verstörend massiv und dunkel. Und genau so war auch ihre Show. Vibrierten die Fenster der Orangerie doch bei jedem zupfen der Gitarrensaiten. Das Farbspiel und die perfekt ausgeleuchteten Scheinwerfer trugen nicht minder dazu bei, dass sich der Auftritt von Lea Porcelain zu einem ganz besonderen Moment des MELT! Festivals entwickelte. Definitiv eine Band, bei der man wachsam sein sollte.

Deutsche Elektropioniere

Rüber auf die Medusa Stage, setzen Digitalism ein Ausrufezeichen. Konnten sie doch von Anfang an, die überfüllte Bühne in Stimmung bringen und mit Songs wie Pogo, Zdarlight, Circles, Wolves oder 2 Hearts die Masse in Ekstase versetzen. Denn hier wurde ausgelassen gefeiert. Da standen die Fans auf den Betonstüzen der Medusa-Überdachung, trugen sich Huckepack oder hoben bunt, leuchtende Regenschirme in die Höhe. Mit jedem Songhöhepunkt setzte auch ein Aufschrei der Menge ein und so schaukelte sich die Stimmung von einem zum anderen Song in eine Höhe, die so ausgelassen war, dass man Zeit, und die Absicht andere Bands zu sehen, völlig aus dem Auge verlor.

Englische Elektropioniere

Bevor es zum Endspurt des MELT! Festivals 2016 ging folgte tatsächlich noch eine Enttäuschung. Sollten doch die Briten von Circa Waves in der Orangerie um 23 Uhr auftreten, standen die Fans bis 23:25 Uhr vor verschlossenen Eingangstüren der Orangerie. Da um 23:30 Uhr allerdings als Abschluss die Brüder von Disclosure auf der MELT! Stage auftraten, musste man unverrichteter Dinge die Orangerie hinter sich lassen, wollte man Disclosure sehen. Und so ging es dann auch zu Disclosure in die erste Reihe mit ganz viel Farbe und Bewegung. Hatten Howard und Guy Lawrence doch zwei DJ-Inseln aufgebaut und standen sich stets gegenüber. Diese Position der Turn-Tables schien ihnen ein Gefühl des Wettkampfes zu geben. Battelten sie sich doch zwischendurch immer wieder. Hier wurde schnell klar, dass die Gebrüder Lawrence ganz genau wusste, wie sie das Publikum begeistern können. Da wurde mit White Noise ein wahres Hit-Feuerwerk eingeleitet, bei dem Songs wie Omen, You & Me, Bang That und Holding On zu einem wahren Clubgiggefühl avancierten. Als When A Fire Starts To Burn einsetzte, bekam man dann auch gezeigt, wie sich die beiden, als Spaß, gegenseitig die Textzeilen zuriefen. Zum Abschluss folgte mit Latch der Schlüsselsong bzw. größte Hit ihrer bisherigen Karriere. Das hier auf allen Rängen getanzt wurde, ist selbstredend. Und so vergingen anderthalb Stunden wie im Fluge und ließen keine Wünsche offen. Wurde doch auch für die Augen viel geboten. So war die Bühne während des gesamten Auftrittes bunt illuminiert und hielt immer wieder neue Farb- und Leuchtelemente parat. Disclousre legten hier einen wirklich perfekten Auftritt hin. Da war dann auch schnell wieder die Enttäuschung der Orangerie vergessen.

… Baby One More Time!

So näherte sich das MELT! Festival 2016 dem Ende und hatte nur noch, bis kurz nach zwei auf der Desperados Play It Loud! Area, 90er Jahre Musik zu bieten. Da vier der Bühnen zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen waren, stürmten die MELT! Besucher zu dem Stand um noch einen Moment der Party zu erhaschen und die Nacht zu verlängern. Doch als dann Securities gegen zehn nach zwei Uhr vorbeikamen, musste die Musik gänzlich ausgeschaltet werden. So hatte sich das MELT! Festival 2016 generalüberholt und wartete mit ganz vielen Neuerungen auf die Fans. Vom wirklich gelungenen Forest über die Block-Party bis hin zu den komplett neuen Bühnen war das Festivalfeeling 2016 noch entspannter als es eh schon war.

MELT! Festival 2016

MELT! Festival 2016

Wenn im nächsten Jahr der 20. Geburtstag des MELT! Festivals ansteht, darf man allerdings eine deutlich höhere Dichte an großen und bekannten Bands erwarten. So ist nach dem MELT! vor dem MELT! und alles wird auf null gestellt.

MELT! 2016 – Alles neu in Ferropolis – Tag 2

MELT! Festival 2016

MELT! Festival 2016

Tag zwei kam mit einem üblichen Ritual daher – Baden gehen, Duschen, die Klorollen weiterreichen und die Getränke vorbereiten. Denn auch heute gab es neben Two Door Cinema Club und Deichkind so einiges zu erleben.

Newcomer der großen Worte

Fing der heutige Tag erst um 20 Uhr an, legte Drangsal auf der Medusa Stage eine Show hin, die an Pomp und 80’s-Sound kaum zu überbieten war. So klang der 23 Jährige wahlweise wie The Cure, The Smith oder Depeche Mode und könnte so in den 80er Jahren Millionen Platten verkaufen. Was in den 80er Jahren Mainstream war, ist heute ein Überbleibsel für den Indie- und Alternative-Fan. Auf dem MELT! konnten sich allerdings – und das war zu erwarten – sehr viele mit dem Sound des Wahlberliners identifizieren. Und so war die Medusa vollgepackt bis hinter die Bars. Der Pathos, mit dem Drangsal Songs wie Love Me Or Leave Me Alone, Hinterkaifeck und Allan Align performte, hätte bei vielen Bands ausgesehen, wie aufgesetzt oder angeeignet. Bei Drangsal jedoch wirkte alles stimmig und spätestens mit dem Cover des Lady Gaga Hits Paparazzi setzte er noch eins drauf und wandelte irgendwo zwischen 80’s-Kitsch und New-Wave Sounds.

Drangsal @ MELT! Festival 2016

Drangsal @ MELT! Festival 2016

Alte Bekannte präsentieren neues Material

Keine dreiviertel Stunde später ging es bereits auf der MELT! Stage mit Two Door Cinema Club los. Was hier zu erwarten war, wurde bei weitem übertroffen. Satte 19 Songs spielten die Nordiren und vereinten so alle Hits ihrer beiden, bereits veröffentlichten, Alben Tourist History und Beacon und ihrem, im Oktober erscheinenden Album Gameshow. So dauerte es gerade einmal einen Song, bis das Publikum direkt vor der Bühne anfing ekstatisch zu tanzen. So ging es über etwas mehr als eine Stunde durch Songs wie Sleep Alone, Undercover Martyn, Gameshow, Are We Ready (Wreck), Sun, I Can Talk, Something Good Can Work und Someday. Beendet hatten das Trio den Auftritt mit What You Know – einem letzten Aufbäumen der Masse um sich bei der Band für den Auftritt zu bedanken. Da wurde gesprungen und gepogt und ganz viel gejubelt und am Ende tief durchgeatmet.

Während auf der MELT! Stage umgebaut wurde, spielten in der Orangerie die Jungs von Kytes. Die Münchener Indierock Band ist seit geraumer Zeit ein Geheimtip, was Indie aus Deutschland angeht. So klingen sie wahlweise nach Phoenix oder Two Door Cinema Club. Mit Songs wie As We Row, Future Kids oder On The Run und einem unglaublich fidelen Auftritt, schafften das Quartett es problemlos, die Menge zum tanzen zu bekommen. So war der knapp 40-Minütige Auftritt mit ganz viel Energie gefüllt und sorgte für gute Stimmung.

Anarchie als Popkultur

Die Uhr zeigt 23:45 Uhr an – es wurde also Zeit für den wohl besten Auftritt des Abends. Waren doch Deichkind angekündigt. Wer bereits einige Jahre MELT!-Besucher ist, kann sich vielleicht an den legendären 2006er Auftritt der Combo erinnern. Den MELT!-Veranstaltern steckt dieser Auftritt wohl heute noch in den Knochen. Hatten Deichkind doch im letzten Song, Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah), welches um halb sieben Uhr in der früh gespielt wurde, alle Fans auf die Bühne gerufen und so für den absoluten Sicherheitsgau gesorgt. So bestiegen hunderte Fans die Bühne, drückten sich an Security’s vorbei und sorgten dafür, dass nicht nur der Strom ausfiel, sondern auch ernsthafte Gefahr bestand, dass die Bühnenkonstruktion zusammenbricht. So war es nicht verwunderlich, dass es sage und schreibe 10 Jahre gedauert hat, bis man Deichkind wieder auf einer MELT! Bühne zu sehen bekam – sicherlich auch mit strengen Auflagen. War 2006 der totale Abriss als Konzept geplant, könnte man das 2016er Konzept mit viel Pomp und Anarchie beschreiben. So gab es Wodkaduschen, Schlauchbote über den Köpfen des Publikums, Federn und jede Menge Konfetti. Deichkind sind schon lange nicht mehr die unprofessionelle Band, die mit Mülltüten auf der Bühne für absolutes Ausrasten stand. 2016 sind die Shows durchgestylt, mit Boygroup-Synchron-Performances und ganz viel Lichttechnik versehen. Da gab es Kostüme, die an Daft Punk erinnerten, Technik, die bei Kylie Minogue nicht besser passen könnte und einer Band, die den absoluten Exzess seit knapp 20 Jahren lebt. Mit diesem Performancekonzept wäre es dann auch nur zu verständlich gewesen, wenn keine weitere Band mehr die Bühne betreten hätte – kamen doch große Probleme auf, die ganzen Federn wegzubekommen. Von den Songs stachen vor allem Bück Dich hoch, Leider Geil, Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah) und Roll das Fass rein hervor. Bei letzterem wurde, wie schon auf dem letztjährigen Lollapalooza Festival, ein riesiges Fass in die Menge gerollt, auf dem Deichkind den Song sangen. Mit jeder Menge politischer Messages versehen, nutzten Deichkind nicht nur einmal die Gunst so viele zu erreichen. Anderthalb Stunden, 90 Minuten, von 23:45 Uhr bis 1:20 Uhr, ging das Konzert und beanspruchte die komplette Energie der Fans.

Vom Deichkind Auftritt noch körperlich gezeichnet, trat um 2:30 Jamie XX auf der MELT! Stage auf. Musste letztes Jahr wegen ihm die Gremmin Beach Bühne, wegen zu vielen Menschen, gesperrt werden, hatte er nun mit der MELT! Stage alle Möglichkeiten, die es zu haben gibt. Durch seine teilweise sehr ruhigen Songs, setzten sich so einige vor die Bühne hin und ließen so den Abend ausklingen. Mit Loud Places, dem You’ve Go The Love Cover oder I’ll Take Care Of You hatte Jamie XX genau den richtigen Übergang gefunden, um das Publikum von seinen Studioproduktionen mit, zu einem DJ-Set zu nehmen. War doch gerade der zweite Teil des Konzertes mehr Live-Mix als Studioaufnahmen.

Körperlich, nach Konzerten von Two Door Cinema Club und Deichkind, ein Wrack, freute man sich nur noch auf das Zelt. Und wer als erstes auf seiner Luftmatratze lag, war für diesen Abend auch nicht mehr gesehen. So ging Tag 2 zu Ende und wurden die Eindrücke verarbeitet. Mit Digitalism, Lea Porcelain und Disclosure warteten dann an Tag 3 noch weitere Highlights des letzten Tages.

MELT! 2016 – Alles neu in Ferropolis – Tag 1

MELT! Festival 2016

MELT! Festival 2016

Es ist wieder Juli. Wie jedes Jahr im Juli, gab es auch 2016 wieder eine Ausgabe des MELT! Festivals in der Stadt aus Eisen – Ferropolis. Wurde das letztjährige MELT! mit dem Resümee abgeschlossen, 2016 eine komplett überarbeitetes Festival zu präsentieren, durfte man sich dieses Jahr in der Tat von so einigen Neuerungen überraschen lassen.

Was war? Was kommt? Was ist geblieben?

Betrat man am Freitag das Festivalgelände zum ersten Mal, fiel einem sofort auf, dass das Intro-Zelt nicht mehr existierte. Hier stand eine riesige, aus Paletten gebaute Hand, die einen imaginären Revolver hielt. Direkt dahinter wurde die Block-Party aufgebaut. Eine Kreativlandschaft, die aus Baucontainern bestand und Platz für eine Tanzfläche mit erhöhtem DJ-Pult bot. Hier konnte man wahlweise chillen, tanzen, kreativ werden oder einfach Fotos in einer, aus dem Nichts gezauberten Partylandschaft, machen. Wo früher die Mainstage stand, war dieses Jahr die Medusa aufgebaut – eine Bühne, in etwa so groß wie die Gemini Stage und ebenso überdacht. Auf der Fläche, der ehemaligen Gemini Stage, war nun die MELT Stage und damit die Mainstage zu Hause. Hier wurde einem erst bewusst, wie groß die Fläche der Gemini Stage war.

Melt! Festival 2016

Melt! Festival 2016

Als weitere Bühnen kamen die Orangerie – nach zehn Jahren das erste Mal wieder mit dabei, der MELT!-Selektor – an der ehemaligen Schaltzentrale des Tagebaus, die Big Wheel Stage und der Gremmin Beach hinzu. Während der MELT! Selektor von der ehemaligen Schaltzentrale umgeben, für richtiges Clubgefühl unter freiem Himmel sorgte, war der Gremmin Beach als Bühne deutlich geschrumpft. Stand hier letztes Jahr noch ein richtiger Bühnenaufbau, hatte die diesjährige Bühne den Look eines Tipizeltes, war aus Holz und sorgte so für einen ganz besonderen Charme.

Ganz besonderen Charme hatte auch der Forest, der erstmals für die MELT! frei zugänglich war. Hier wurde das hintere Waldstück, das sich vom MELT! Selektor, vorbei an der Big Wheel Stage bis zum Gremmin Beach zog, mit allerlei Gimmicks versehen und waren eingebudelte Autowracks, Hängematten, Fässer und ein Seecamp hergerichtet und mit vielen Leuchtröhren illuminiert. So hatte der Forest speziell in den Nachtstunden regen Zulauf und amüsierten sich hier die MELT!-Gänger an allen Tagen sichtlich. Amüsieren konnte man sich allerdings auch vor der MELT! Stage, gab es hier doch eine Seilbahn, die 10 Meter über den Köpfen der Zuschauer entlang führte und einen herrlichen Blick auf die Bühne frei gab, sowie zum Sonnenuntergang nur zu empfehlen war.

Eine weiteres Highlight war die Desperados Play It Loud! Area, die mit 90er Jahre Musik das halbe Festival beschallte und für Stimmung sorgte, die selbst in der Nacht zu Montag bis weit nach 2 Uhr lief. Hier wurde zu Britney Spears‘ Hit Me Baby One More Time über Spice Girls‘ Wannabe bis hin zu Backstreet Boys‘ Everybody (Backstreet’s Back) alles gespielt was man aus der Dekade kennen könnte und ebenso frenetisch gefeiert. Diese Stage war über die gesamten drei Tage eine Garant für ausgelassene Stimmung und Partyfeeling pur.

Wieder mehr Elektro anstatt Indie

Schaute man auf das Line-Up, hatte sich das MELT! 2016 deutlich zu mehr elektronischer Acts bekannt. So gab es zwar mit der Orangerie immer noch eine Stage, die dem Gitarrensound gewidmet wurde, auf allen anderen Bühnen regierte jedoch vornehmlich elektronische Musik. Und so begann der Freitag auch mit dem Kölner Produzenten und Soundtüftler Roosevelt. Auch wenn erst vier Wochen nach seinem MELT! Auftritt das gleichnamige Debütalbum erschien ist Roosevelt schon lange kein Newcomer mehr. So tritt er doch seit 2012 auf und veröffentlichte seitdem 8 Musik-Videos. Wer Marius Lauber, so Roosevelts bürgerlicher Name, verfolgt, hat sicherlich schon das ein oder andere mal einen Auftritt des Kölners genießen können. Auch auf dem MELT! hatte er auf der Medusa Bühne die Songs seines Debütalbums präsentiert. So mischte Roosevelt ältere Songs wie Montreal, Elliott und Sea zwischen die seines Debütalbums. Was auf der großen Bühne jedoch erstaunte war, dass man Laubers Stimme, vor allem Anfangs, angespannt wahrnahm. Es wirkte fast so, als hätte Lauber Lampenfieber gehabt. Dies sollte sich jedoch zur zweiten Hälfte seines Auftritts ändern und in die Souveränität wandeln, die man von seinen Clubkonzerten gewohnt war. So war Roosevelts Auftritt durchaus interessant und durch die Stimmungswechsel unerwartet abwechslungsreich. Auf der Hauptbühne fing kurze Zeit später der Brite Jamie Woon an und zog ein eher älteres Publikum an. So tanzten Mittdreißiger zu Songs wie Lady Luck, Night Air, Sharpness oder einem Cover des Aaliyah Songs Try Again. Durchaus angenehm war hier, dass das Publikum eher zu den Songs schwelgte anstatt sich zu verausgaben – was sicherlich auch an einem eher entspannten Auftritt Woons lag.

Newcomer neben alten Hasen

Zurück auf der Medusa Stage gab es den britischen Newcomer Mura Masa zu sehen. Mit gerade einmal 20 Jahren hat er dieses Jahr seinen Durchbruch feiern können. Sein Mix aus R&B, Electro und Dub-Step-Elementen, sowie südländischen Instrumenten. funktioniert auf der Bühne so gut, dass sich die Meduse schnell füllte. Mit dabei war immer eine Sängerin, die vor allem bei What If I Go und Firefly das Zelt abbrannte. So überzeugte Mura Masa durch unglaublichen Rhythmus und ganz viel tanzbarer Musik. Knapp eine Stunde später performte dann ein Künstler auf der MELT! Stage, der noch vor drei Jahren die Gemini Stage zum bersten brachte. War der Zulauf zum damaligen M83 Gig doch derart groß und die Bühne für diesen Act viel zu klein, dass als logische Konsequenz die Mainstage kommen musste. So war es nicht anders zu erwarten, als dass sich auch hier schnell der Platz vor der Bühne bis nach hinten zu den Treppen füllte. Mit Songs aus seinem neuen Album Junk und dem Vorgänger Hurry Up, We’re Dreaming wie Go!, Do It, Try It, Road Blaster oder Reunion und Steve McQueen schaffte der Franzose es ein kollektives Feuerwerk an positiver Stimmung zu entfachen. So sah man sich um und blickte durchweg in grinsende, tanzende und singende Gesichter. Dies alles sollte durch M83’s Schlüsselsong Midnight City sogar noch getoppt werden. War hier doch das totale Ausrasten angesagt und sprangen, sangen, tanzten und freuten sich Tausende gleichzeitig diesen Song zu hören. Da wurden rote Bengalos gezündet und tauchten die Menge in Nebel, Fahnen geschwenkt und wurden Unzählige auf die Schultern gehoben. Was blieb, war eine Menge, die nach Abgang der Band mit dem Gefühl zurückgelassen wurde, gerade einen der Höhepunkte des Festivals erlebt zu haben.

Direkt im Anschluss kamen Tame Impala aus Australien mit einer Mischung aus Psychedelic Rock, Indie und Elektro und verzückten die Fans mit Songs wie Let It Happen, The Less I Know The Better und Elephant. Natürlich dürfte auch die Mark Ronson Nummer Daffodils, die Ronson zusammen mit Tame Impala Frontsänger Kevin Parker aufnahm, nicht fehlen. So überraschte gerade dieser Song viele, die Tame Impala hier das erste Mal kennenlernten. Als Abschluss des ersten Festivaltages folgte auf der MELT! Selektor Stage das Berliner DJ Duo Mdslktr. Die harten Bässe und die von Gebäuden umgebene Bühne sorgten dafür, dass sich der komplette Sound nur in Richtung des Publikums entladen konnte. Was dazu führte, dass der komplette Oberkörper vibrierte.

Tag eins ging so mit vielen neuen Eindrücken zu Ende und ließ die Vorfreude auf den zweiten Tag und Bands wie Deichkind und Two Door Cinema Club steigen.

Norah Jones – Zurück zu den Wurzeln

Norah Jones - Carry On

Norah Jones – Carry On

Nach ihrem 2012er Album ‚Little Broken Hearts‘ und der Single ‚Happy Pills‘ waren einige Norah Jones Fans doch recht verwundert, klang ‚Happy Pills‘ doch so poppig und catchy, dass man sich fragte, ob sie dem Jazz nun abgeschworen hatte. Vier Jahre später kann diese Frage mit einem nein beantwortet werden. Hat die US-Amerikanerin doch mit ‚Carry On‘ gerade die Leadsingle zu ihrem, im Oktober erscheinendem Album ‚Day Breaks‘ veröffentlicht. ‚Carry On‘ hat all das, womit man Norah Jones 2002 kennenlernen konnte – ein Klavier, dezente Schlagzeugtakte und eine soulig, entspannte Norah Jones. So ist ‚Carry On‘ wieder ganz Jones und überzeugt mit einem Soul/Jazz-Sound, der entschleunigend ist und zum schwofen animiert. Auch mit Album Nummer sechs, klingt Norah Jones so, wie wir sie lieben – warm, gefühlvoll und immer ganz entspannt.

SG Lewis – Entspannter Dance

SG Lewis feat. Gallant - Holding Back

SG Lewis feat. Gallant – Holding Back

Der 22 jährige Liverpooler Sam Lewis alias SG Lewis überrascht mit viel kindlicher Freude. So hatte der junge Produzent doch einmal all seine Coolness verloren, als plötzlich Pharell Williams vor ihm stand. Lewis hatte bereits früh Instrumente gespielt, anstatt sich auf dem Spielplatz wiederzufinden. Was für die einen ein absoluter Nerd war, war für ihn die reinste Erfüllung. Als er dann in ein Alter kam, in dem Dancemusik ins Spiel kam, legte Lewis die Instrumente zur Seite und entschied sich zu DJ’n. Dies hat ihn bis heute zu massenhaft Auftritten eingebracht. So konnte sich Lewis in Liverpool einen Namen erarbeiten und wurde schließlich vom Plattenlabel PMR unter Vertrag genommen. PMR ist die Heimat von Disclosure, Julian Bashmore und Jessie Ware – also waren Helden des aktuellen Dancefloors in Großbritannien. Mit seiner Single ‚Holding Back‘ zeigt Lewis eine Nuance der Dancemusik, die mittlerweile als eigenständiges Genre gesehen werden kann – die des Chill-Out-Dance‘. Diese Musik, die zum Aufstehen oder lange im Bett bleiben passt oder auf einer After-Hour-Party zum Abschluss gespielt wird. Sie überträgt einfach das Gefühl von Glück und Zufriedenheit. Und genau so klingt ‚Holding Back‘ von SG Lewis – nach Zufriedenheit. Unterstützung erhält SG Lewis vom amerikanischen Singer/Songwriter Gallant, der mit seiner Stimme so retro klingt, dass der Song einerseits ein 70er-Jahre Sample sein könnte und andererseits nach einem jungen Usher klingt. So ist ‚Holding Back‘ der perfekte After-Work song für die warmen Tage im August.

The Magician – Wenn ein Remixer geremixt wird

The Magician - Shy (Michael Calfan Remix)

The Magician – Shy (Michael Calfan Remix)

The Magician, das ist der belgische DJ Stephen Fasano, der mit Songs wie ‚Sunlight‘ mit Years & Years und Remixen, wie Lykke Li’s ‚I Follow River‘ und Clean Bandits ‚Rather Be‘ bekannt geworden ist. Nun hat sich der junge Produzent und Musiker Michael Calfan daran gemacht, einen Song von The Magician zu remixen. Herausgekommen ist eine deutlich frischere Version des Songs ‚Shy‘. Dass dieser Song so verdammt nach Anfang der 2000er klingt, ist nicht zuletzt dem Franzosen Calfan zu verdanken, ist er doch mit Künstlern wie Bob Sinclar groß geworden und genau in der Zeit mit French-House in Berührung gekommen, in der man sich am meißten prägen lässt. So klingt ‚Shy‘ nach frischer Popmusik, die zum Strand genauso gut passt, wie in die Clubs Europas. Da kommt ein Gefühl auf, dass sich in den letzten Jahren immer seltener gezeigt hat – dem eines Ibiza-Sommerhits. Sind doch Songs aus der Hochzeit Ibizas als Club-Insel wie, Shapeshifters ‚Lola’s Theme‘, ‚The Sun Is Shining‘ von Funkstar De Luxe oder Paul Johnson’s ‚Get Get Down‘ bis heute All-Time-Hits auf Partys. So haucht Calfan dem The Magician Songs ‚Shy‘ neues Leben ein und steigert gleichzeitig die Relevanz des Siegels ‚Ibiza-Hit‘.

DJ Snake feat. George Maple – Die Sache mit dem Tropical House

DJ Snake feat. George Maple - Talk

DJ Snake feat. George Maple – Talk

Der französische Produzent, DJ Snake, ist gerade richtig auf den Zug aufgesprungen um seinen Stil zu präsentieren. So ist doch aktuell recht viel Tropical House in den Charts zu finden. Weshalb House in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und massentauglich gemacht wurde. Doch dies soll keinen negativen Effekt darstellen. So hat William Sami Etienne Grigahcine alias DJ Snake mit Songs wie ‚Middle‚, über den Ihr hier bereits lesen konntet, ‚Lean On‘ und natürlich seiner neuen Single ‚Let Me Love You‘ mit Justin Bieber, so einige Hits gelandet. Gleichzeitig ist ‚Talk‘ aber auch vor wenigen Wochen veröffentlicht worden und zeigt eine eher zurückhaltende Songstruktur, vergleicht man den Song mit Hits wie ‚Lean On‘ und ‚Let Me Love You‘. So hat DJ Snake für ‚Talk‘ zum 2014 veröffentlichten Song ‚Talk Talk‘ der Australierin George Maple gegriffen und ihn neu arrangiert. Rausgekommen ist eine Nummer, die mehr durch ihre ruhigen Momente überzeugt und das kurze Aufleuchten der Beats als Art Reset-Moment versteht. Dadurch ist ‚Talk‘ ein angenehmer House-Track geworden, der nicht auf den großen Erfolg abzielt, sondern vielmehr DJ Snakes Nuancenvielfalt zeigt.

DJ Snake feat. George Maple - Talk

DJ Snake feat. George Maple – Talk